Artenschutzprojekt Schleiereule Ostösterreich
Ein Projekt von BirdLife Österreich im Auftrag der Niederösterreichischen Landesregierung/Abt. Naturschutz
Die Schleiereule (Tyto alba)
Ihren Namen trägt die Schleiereule wegen ihres herzförmig ausgeprägten Gesichtsschleiers. Sie ist die hellste der bei uns vorkommenden Eulen und als ausgesprochener Kulturfolger auch diejenige, die am häufigsten in unserer Nähe brütet. Scheunen, Dachböden und Kirchtürme, aber auch Schlösser und Ruinen bieten ihr die Möglichkeit, ein Nest, das lediglich aus zerbissenen Gewöllresten besteht, anzulegen. Dort können in nahrungsreichen Jahren mehr als 10 Eier ausgebrütet werden. Ungestörte, größere und halbdunkle Nischen als Neststandort sind ein wichtiger Bestandteil ihres Lebensraums ebenso wie geeignete Ruheplätze untertags. Zur Jagd nutzt sie nahegelegene Felder, Brachen und Wiesen. Ihre bevorzugten Nahrungstiere, vor allem Feldmäuse und Spitzmäuse, erbeutet sie dort entweder im Suchflug oder von einem Ansitz (Zaunpfähle, etc.) aus. Die Schleiereule besitzt ein phänomenales Gehör und kann so ihre Beutetiere zielgenau im Dunklen orten. Spezielle Anpassungen im Federbau ermöglichen der Schleiereule einen geräuschlosen Flug. Bei erfolgreicher Brut können bis zu 40 Mäuse pro Nacht nötig sein, um die Jungvögel zu versorgen.
Im Winter ist sie auf offene Scheunen, Speicher oder Ställe angewiesen, um ausreichend Nahrung zu finden. Mäusearme Jahre sowie schneereiche Winter verursachen immer wieder Bestandseinbrüche. Zum großen Problem ist für sie das Verschließen geeigneter Brut- und Ruheplätze (zum Beispiel Kirchtürme, Dachböden oder Scheunen) geworden, ebenso wie der Verlust geeigneter Nahrungsflächen und ein immer stärkeres Verkehrsaufkommen. Fast die Hälfte aller bekannten Todesfälle gehen auf Kollisionen mit Autos zurück.
Oft verrät die Schleiereule ihre Anwesenheit nur durch die sehr charakteristischen Gewölle, ausgewürgte Nahrungsreste (vor allem Skelettreste und Haare) in Form von großen, bauchigen Klumpen mit einem mattschwarzen Überzug. Akustisch macht sie sich durch fauchende Laute zur Revierverteidigung, oder das langgezogene Kreischen eines balzenden Männchens bemerkbar. Weibchen und Junge geben weithin hörbare Laute von sich, die an menschliches Schnarchen erinnern...So hat sie auch den Namen „Schnarcheule“ bekommen, aber auch „Nonne“ oder „Kircheule“, was auf ihre Vorliebe für Kirchtürme als Brutplatz hinweist.
Bestand und Vorkommen in Österreich
Es ist nur relativ wenig über Verbreitung und Bestandsentwicklung der Schleiereule in Österreich bekannt. Die vorliegenden Daten lassen jedoch sehr wohl eine gravierende Bestandsabnahme in den letzten Jahrzehnten erkennen. Gab es früher noch in vielen Dörfern Schleiereulen, so ist das heute wohl nur noch die Ausnahme. Der Verbreitungsschwerpunkt liegt in den Tief- und Hügellagen Ostösterreichs vor allem in Becken und Flusstälern. In den letzten Jahren konnten nur noch wenige Vorkommen vor allem im nordöstlichen Niederösterreich nachgewiesen werden, so im Pulkautal und den südlich anschließenden Gebieten, im Laaer Becken, entlang von March und Thaya, im Marchfeld und bei Krems. Im Burgenland sind Vorkommen vor allem aus dem Seewinkel, der Parndorfer Platte und dem Mattersburger Hügelland bekannt.
Ihre heimliche Lebensweise erschwert die Erfassung der Schleiereule, und alle Hinweise auf Sichtungen oder den Fund von Gewöllen oder Federn sind sehr wertvoll.
Fast 90 % der bekannten Bruthinweise befinden sich zurzeit innerhalb von Ortschaften, nur wenige in Einzelgehöften oder sonstigen Standorten. Der für ganz Österreich geschätzte Bestand von insgesamt ca. 50 Brutpaaren liegt ungleich niedriger als in allen benachbarten Ländern. Eine möglichst systematische Erfassung des heimischen Bestandes ist daher Vorraussetzung für weitere Schutzbemühungen.
Hilfe für die Schleiereule
In 3 Projektgebieten in Niederösterreich (Pulkautal und Laaer Becken, March-Thaya-Vorland, Marchfeld und Prellenkirchner Flur) werden nun in diesem Jahr neben einer möglichst genauen Erfassung erste Hilfsmaßnahmen gesetzt. Das Aufhängen von mardersicheren Nistkästen schafft geeignete und sichere Brutplätze für die Schleiereule. Um auch im Winter geeignete Ruhe- und vor allem Jagdmöglichkeiten zu schaffen versuchen wir in Zusammenarbeit mit den Besitzern Scheunen und Ställe für die Schleiereule wieder zugänglich zu machen.
Wichtig ist ebenfalls eine langfristige Bestandsüberwachung, für die Mitarbeiter aus den jeweiligen Gemeinden gewonnen werden. Durch die gut funktionierende Zusammenarbeit mit Gemeinden, Schulen und örtlichen Naturschutzvereinen soll langfristig ein öffentlichkeitswirksames Netzwerk zum Schutz der Schleiereule aufgebaut werden. Leider werden immer noch bestehende Brutplätze zerstört, was die Notwendigkeit dieses Projektes noch mehr unterstreicht.
Was können Sie tun, um dieser bedrohten Eulenart zu helfen?
• Bitte melden Sie uns Schleiereulenvorkommen oder Gewöllfunde!
• Werden Sie freiwillige(r) Mitarbeiter(in)
(Beobachtung bereits bekannter Vorkommen während der nächsten Jahre)
• Wenn Sie die Möglichkeit dazu haben, schaffen Sie Einflugmöglichkeiten für die Eulen in Scheunen oder Ställen.
Da wir in den Projektgebieten (Pulkautal und Laaer Becken, March-Thaya-Vorland, Marchfeld und Prellenkirchner Flur) Nistkästen aufhängen wollen, benötigen wir dazu geeignete Standorte für die Kästen vor allem in Scheunen und Ställen. Falls Sie die Möglichkeit haben, einen Nistkasten aufzuhängen, setzen Sie sich bitte mit uns in Verbindung. Vielen Dank für Ihre Mitarbeit!
Kontakt:
Mag. Karin Donnerbaum
E-Mail: info@schleiereule.at, Tel. +43 650 430 63 96
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