ist nicht schwer
Welches Fernglas
Welches Bestimmungsbuch
Wie und wo starten
Einstiegshilfe und Exkursionen
 
 

 

... ist nicht schwer!

Die Fähigkeit der Vögel zu fliegen und ihre schier unendliche Mannigfaltigkeit an Farben und Formen haben die Menschen immer schon fasziniert. Heute ist das Birdwatching oder einfacher gesagt Vogelbeobachten für mehr und mehr Menschen ein faszinierendes Hobby geworden. Buntschillernde Gefieder, halsbrecherische Flugmanöver, eindrucksvolle Balzrituale oder stimmungsvolle Gesänge machen die Vogelwelt zur attraktiven Erlebniswelt.
Doch wie und wo kann man diese faszinierende Vogelwelt beobachten?
Die Grundausstattung für jeden Vogelbeobachter sollte ein Fernglas und ein gutes Bestimmungsbuch sein. Ein gutes Fernglas ist notwendig, um Vögel auch auf größere Distanzen noch sehr gut beobachten zu können. Der Vogel fühlt sich unbeobachtet und geht seiner Aktivität unbekümmert nach, wobei Sie ihn ausgiebig betrachten können: Bienenfresser bei der Balz und der "zärtlichen" Übergabe von Futter, Haubentaucher am See beim Auftauchen und neuerlichem Abtauchen, Stieglitze aus einer Distel Samen zupfend, kreisende Mäusebussarde und vieles mehr.

 

Welches Fernglas?

Bei Ferngläsern ist heute eine breite Palette am Markt, sowohl was die Spezifikationen als auch was den Preis betrifft. Es bleibt Ihnen überlassen, wieviel Geld Sie in ein Fernglas investieren möchten, optische Spitzen-Modelle sind in der Regel recht teuer, doch man findet auch hervorragende Geräte zu einem überraschend günstigen Preis. Wichtig ist, daß Sie das Fernglas beim Händler ausprobieren und sich vergewissern, daß es wirklich Ihren Ansprüchen genügt. Hier ein paar Tipps, worauf Sie bei der Auswahl Ihres Fernglases achten sollten:

Auf jedem Gerät finden Sie eine Zahlenfolge vermerkt, die auf den ersten Blick wie eine kleine Rechenaufgabe wirkt: z.B. 10 x 40 oder 7 x 42. Die erste Zahl gibt dabei die Vergrößerung an. Prinzipiell wird man mit einer Vergrößerung von 8fach bis maximal 12fach gut bedient sein. Ein lichtstarkes Glas mit 7facher Vergrößerung kann im Wald sehr nützlich sein, im offenen Gelände ist diese Vergrößerung aber schon an der Untergrenze des Nützlichen. Alles was stärker als 12fach vergrößert, ist schon schwierig ohne Stativ zu benutzen, es sei denn, man kauft sich ein kostspieliges Glas mit eingebautem Schwingungsstabilisator. Die zweite Zahl gibt den Durchmesser der Objektivlinse an, er bestimmt die Lichtstärke und das Gesichtsfeld des Glases. Eine einfache Faustregel besagt, daß man den Linsendurchmesser durch die Vergrößerung dividieren sollte. Liegt das Ergebnis zwischen 4 und 6 hat man ein brauchbares Gerät (also z.B. bei 10 x 40: 40 durch 10 ist 4). Achten Sie bei der Auswahl aber auch, ob die Farben möglichst echt wiedergegeben werden und ob das Bild zum Rand des Gesichtsfeldes hin scharf bleibt oder rasch unscharf wird.

Wenn Sie viel in der offenen Landschaft oder an Gewässern beobachten, werden Sie früher oder später auch ein stärker vergrößerndes Fernrohr (Spektiv) mit einem stabilen Stativ benutzen wollen. Es gibt heute sehr gute Spektive mit farbtreuer Optik und austauschbaren Okularen, die verschiedene Vergrößerungen von 20fach bis 60fach und mehr ermöglichen. Weiters gibt es Weitwinkel- und Zoom-Aufsätze sowie Adapter für Ihre Kamera, damit Sie kein Teleobjektiv herumschleppen müssen, sondern gleich durch das Spektiv fotografieren können. Bevor Sie sich ein Spektiv zulegen, vergleichen Sie verschiedene Marken (z.B. bei Bekannten oder im Rahmen einer BirdLife-Exkursion), Sie können sich auch gerne im BirdLife-Büro Tipps holen. Beachten Sie aber eines: das optisch perfekteste Spektiv nützt Ihnen wenig, wenn es auf einem schwachen Wackel-Stativ montiert ist, das beim leisesten Lüftchen schon zu wackeln beginnt. Legen Sie sich daher auch ein stabiles, aber nicht zu schweres Stativ zu.

 

Welches Vogelbestimmungsbuch?

Der Markt an Vogelbestimmungsbüchern ist heute fast unüberschaubar geworden. Da in Europa die meisten Vögel Zugvögel sind, gibt es kein spezielles Bestimmungsbuch für Österreich. Praktisch jeder europäische Vogel kann einmal in Österreich auftauchen, daher sind die Bestimmungsbücher in aller Regel auch gleich auf ganz Europa (oft ergänzt um Nordafrika und den Nahen Osten) ausgelegt. Bücher mit Zeichnungen sind für den Anfänger besser als Bücher mit Fotos, da Zeichnungen alle Merkmale eines Vogels illustrieren können, wie es ein Foto praktisch nie vermag. Wenn Sie mehr Vergleichsmaterial haben möchten oder Ihre Bestimmungskenntnisse testen möchten, ist ein Fotoführer aber eine wertvolle Ergänzung. Die folgenden drei Bücher können empfohlen werden:

Die Vögel Europas und des Mittelmeerraumes von Lars Jonsson, erschienen im Kosmos-Verlag (ISBN 3-440-06357-7)

Der neue Kosmos Vogelführer von Lars Svensson u.a., erschienen im Kosmos-Verlag (ISBN 3-440-07720-9)

Pareys Vogelbuch von Hermann Heinzel, Richard Fitter und John Parslow, erschienen im Verlag Parey (ISBN 3-8263-8121-1)

Die Buchbesprechungen in unserer Zeitschrift Egretta halten Sie über Neuerscheinungen am Laufenden! Einen guten Überblick, welche Vogelarten in Österreich überhaupt vorkommen, gibt die Checkliste der Vögel Österreichs (zu finden auf der Homepage der Avifaunistischen Kommission Österreich) , wenn Sie wissen wollen, welcher Vogel bei uns wo brütet, schauen Sie in den Atlas der Brutvögel Österreichs.

 

Wie und wo starten?

Und wo können Sie Ihr Fernglas und Ihr neues Vogelbestimmungsbuch nun einsetzen? Praktisch überall, denn Vögel bewohnen alle Lebensräume am Land, an Binnengewässern und an der Meeresküste, sogar auf hoher See trifft man noch auf Vögel.

Beginnen Sie in Ihrem nächstgelegenen Park, in Ihrem Garten oder einfach von Ihrem Wohnzimmerfenster aus. Vögel wie Amseln, Blau- und Kohlmeisen, verschiedene Finken und Tauben oder auch Stockenten und Höckerschwäne sind solche, die uns sehr häufig begegnen. Doch wo verbirgt sich nun abseits dieser gut bekannten gefiederten Gesellen die faszinierende Vogelwelt? Für den Anfang ist es das wichtigste, sich etwas Zeit zu nehmen, das besagte Fernglas umzuhängen und sich ein günstiges Gelände zum Beobachten auszusuchen. So eignet sich für den Anfang z.B. ein größeres Gewässer, wo Ihnen vielleicht schon früher Wasservogel - Ansammlungen aufgefallen sind. Versuchen Sie, die Vögel aus einer Entfernung zu beobachten, die Ihnen mit dem Fernglas noch die Möglichkeit gibt, sie im Detail zu betrachten, aber sie andererseits auch nicht beunruhigt. Sie werden staunen, wie viele der Wasservögel keine altbekannten Stockenten sind! Verschiedenste Entenarten können an allen möglichen Gewässern auftauchen oder Bläßhühner und mit etwas Glück sogar ein Haubentaucher oder Zwergtaucher.

Aber nicht nur an Gewässern stellen sich rasch Erfolge ein, besonders geeignet sind auch alte, reich strukturierte Kulturlandschaften. Kleinparzellige Ackerflächen mit bunten Rainen und Heckenzügen oder alten Obstbaumbeständen, eingestreuten Wiesen und ähnlichen Landschaftselementen beherbergen eine Vielzahl an Vogelarten. Hier lohnt es sich im Frühling bei Sonnenaufgang durch die Landschaft zu wandern. Diese ist dann erfüllt von vielstimmigem Gesang und Gezwitscher, denn im Frühjahr singen die Männchen auffällig, um ihr Revier abzugrenzen und um eine Partnerin für zumindest einen Sommer lang anzulocken.

 

Einstiegshilfe Exkursionen

Eine gute Einstiegshilfe ist sicherlich auch die Teilnahme an einer vogelkundlichen Exkursion, wie sie BirdLife seinen Mitgliedern anbietet.
In Begleitung von Vogel-Experten bekommen Sie ein erstes Wissen und Gefühl für verschiedenste Lebensräume und ihre Vogelwelt. Zum Beispiel, einmal aufmerksam geworden auf Stimme und Singwarte einer Grauammer, werden Sie diese auch in Zukunft aus der Kulisse der sie umgebenden Geräusche und Gesänge heraus wahrnehmen können. Oder einmal aufmerksam gemacht auf den Ruf des Eisvogels, können Sie auch in Zukunft an Bachläufen, Altarmen und anderen Gewässern immer wieder Ausschau nach diesem türkisfarbenen Juwel halten.
Auch in Nationalparken und Naturparken mit ihren unterschiedlichsten Lebensräumen werden vogelkundliche Führungen angeboten. Hier gibt es oft sehr seltene Vogelarten zu beobachten.
Durch jede neugesehene Vogelart wird Ihre Umgebung um ein Erlebnis reicher, und das aufregende Gefühl z.B. einem Steinadler oder einem Silberreiher das erstemal quasi ins Auge geblickt zu haben, bleibt Ihnen sicher immer in Erinnerung, daher Vorsicht - Suchtgefahr beim Birdwatching!

Viel Spaß & schöne Birdwatching - Erlebnisse wünscht Ihnen das BirdLife Team!