Vogel des Jahres 2001: Der Haubentaucher
 
Mit dem Haubentaucher hat BirdLife Österreich einen imposanten Wasservogel zum "Vogel des Jahres" gewählt. Mit seinem prächtigen Federkleid, seinem auffälligen Balzritual und dem unverwechselbaren Ruf ist der Haubentaucher einer der markantesten heimischen Wasservögel, der besonders im Frühjahr als eindrucksvolles Naturschauspiel an unseren Seen erlebbar ist.
Mit der Wahl des Haubentauchers zum "Vogel des Jahres" stellt BirdLife jedoch nicht nur einen auffälligen und schönen Vogel der Öffentlichkeit vor, sondern macht auch auf die aktuelle Gefährdung unserer Gewässer und ihrer Bewohner aufmerksam. Eine Reihe von Arten sind durch fortschreitenden Lebensraumverlust oder die Nachstellung des Menschen immer noch stark bedroht.

Foto: E. Flori

Lebensweise
Der Haubentaucher ist ein Unterwasserjäger und taucht bis zu 20m tief und bleibt bis zu einer Minute lang unter Wasser. Er ernährt sich überwiegend von kleinen Fischen, daneben auch von Wasserinsekten, Spinnen, Kaulquappen und anderen kleinen Wassertieren. Ein besonders auffälliges Schauspiel ist die Balz: Nach längerem einleitendem Kopfschütteln beider Partner richten sie sich beim sogenannten Pinguin-Tanz hoch aus dem Wasser auf, scheinen dabei buchstäblich auf der Wasseroberfläche zu gehen, und präsentieren sich mit ihren Schnäbeln Teile von Wasserpflanzen. Auch die Jungenaufzucht ist bemerkenswert: Die Küken werden ihre ersten drei Lebenswochen - zuerst ständig, später zeitweise - im Rückengefieder ihrer Eltern sitzend herumgeführt und vom jeweils anderen Altvogel gefüttert.

Lebensraum und Verbreitung
Der Haubentaucher bevorzugt stehende oder langsam fließende, fischreiche Gewässer mit gut ausgebildeten Röhrichtbeständen. Sofern diese Voraussetzungen erfüllt sind, ist er recht flexibel und man findet ihn an Seen, größeren Teichen aber auch an Baggerseen und Kiesgruben. Zur Zugzeit und im Winter kann man ihn an allen größeren eisfreien Gewässern, auch an Flüssen und Küsten, antreffen.

Der Haubentaucher brütet bei uns in allen Bundesländern. Sein Brutbestand liegt bei mindestens 900 - 950 Paaren. Die größten Vorkommen liegen am Bodensee, an einigen Kärntner Seen (Wörthersee, Ossiacher See) sowie an den Waldviertler Teichen. Im Osten Österreichs findet man ihn am Neusiedler See sowie an einigen größeren Schotter- und Fischteichen. Sein europäischer Bestand beläuft sich auf rund 300.000 Brutpaare, wobei Finnland, Litauen und Schweden davon rund ein Drittel beherbergen.


Gefährdung
Vor allem im 19. Jahrhundert wurden Haubentaucher intensiv verfolgt. In den letzten Jahrzehnten kam es jedoch in Europa verbreitet zu Bestandszunahmen und einer Arealausdehnung. Die Gründe für diese positive Entwicklung lagen einerseits in einem Nachlassen der Verfolgungen, andererseits aber auch in der zunehmenden Eutrophierung der Gewässer, wodurch sowohl die Bestände von Kleinfischen zugenommen haben, als auch die Wachstumsbedingungen für Schilfbestände verbessert wurden. In letzter Zeit mehren sich jedoch wieder Hinweise auf Stagnation oder gebietsweise Rückgänge der Haubentaucher-Populationen.

So führt die Zerstörung kleiner, schilfgesäumter Teiche zum Verlust von Brutplätzen und kann durch die Neuschaffung von Gewässern nicht oder nur unvollständig kompensiert werden. Vor allem aber die Freizeitgesellschaft fordert ihren Tribut: Störungen an Teichen und Seen können zu Brutausfällen führen und so geeignet erscheinende Gewässer völlig entwerten. Bootsfahren, Surfen, Angeln und Badebetrieb sind hier die wichtigsten Störquellen. Und leider gehören illegale Übergriffe (Abschüsse, Zerstören der Gelege) durch Fischer, die im Haubentaucher einen vermeintlichen Konkurrenten sehen, an manchen Gewässern noch zur Tagesordnung. So wird etwa am oberösterreichischen Almsee durch das Anstechen der Eier immer wieder der Bruterfolg vereitelt.
Um die Haubentaucherbestände langfristig zu sichern ist es notwendig an stark genutzten Gewässern, aber auch besonders an kleinen Gewässern, geeignete Ruhezonen zu schaffen. Der Haubentaucher ist insgesamt ein guter Indikator dafür, inwieweit unsere moderne Freizeitgesellschaft auch anspruchsvollen Wasservögeln ihren Platz an unseren Gewässern zugesteht.


Steckbrief Haubentaucher

  • Größe: knapp 50 cm
  • Gewicht: 900 bis 1.400 Gramm
  • Merkmale: Entengroßer Schwimmvogel mit langem schlankem Hals. Oberseite schwarzbraun, Vorderhals und Brust leuchtend weiß. Im Brutkleid durch schwarze, zweigeteilte Haube und kastanienbraun-schwarz gefärbten Backenbart unverkennbar. Im Winterkleid ist das Gesicht überwiegend weiß, der Schnabel rosa. Jungvögel haben gestreifte Kopfseiten.
  • Stimme: Lautes wiederholtes "gröck-gröck" oder ähnlich, zur Balz weittragende Rufe wie "krrra-ahr".
  • Fortpflanzung: Schwimmnest in der Ufervegetation versteckt, 2-6 Eier, die Jungen schlüpfen nach 25 Tagen und sind nach rund 10 Wochen selbständig. In der Regel eine Jahresbrut.
  • Wanderungen: Hauptsächlich Teilzieher; durch Zuzug von Vögeln aus Nordosteuropa bei uns ganzjährig zu beobachten.


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