Vogel des Jahres 2003: Der Mauersegler
 
Als Gebäudebrüter ist der Mauersegler ein unmittelbarer Nachbar des Menschen. Durch ihn hat er sich zusätzlichen Wohnraum erschlossen, den er aber jetzt zunehmend wieder verliert. Aus diesem Grund wurde er von BirdLife Österreich und dem Naturschutzbund Deutschland zum "Vogel des Jahres 2003" gewählt. Außerdem verdeutlicht dieser Zugvogel, der nur etwa 3 Monate des Jahres in seinem Brutgebiet verbringt, die Notwendigkeit des grenzüberschreitenden Vogelschutzes.

Mauersegler (c) Peter Buchner
Foto: P. Buchner

Der Mauersegler ist mit seinen auffälligen Rufen und den wagemutigen Flugmanövern eine charakteristische Erscheinung der lauen Sommerabende in der Großstadt und belebt selbst dicht verbaute Stadtzentren. Die meisten haben ihn wohl schon gesehen, doch viele halten ihn mit seinem gegabelten Schwanz und den gebogenen Flügeln für eine Schwalbe. Diese gehören aber zu den Singvögeln, während der Mauersegler am nächsten mit anderen Flugkünstlern, nämlich den Kolibris verwandt ist. Er zählt wie etwa der Turmfalke oder der Hausrotschwanz zu jenen ursprünglich an Felsen brütenden Vogelarten, die die hohen städtischen Gebäude als Felsersatz betrachten und in Nischen oder Hohlräumen unter den Dächern ideale Nistplätze gefunden haben.

Doch gerade diese kleinen Öffnungen werden bei Renovierungen großer Häuser oft geschlossen und die Mauersegler, die eine sehr starke Brutplatzbindung haben, suchen in der nächsten Brutsaison vergeblich nach ihrer alten Höhle. In mitteleuropäischen Städten, wie zum Beispiel auch in Wien, sind aus diesem Grund bereits Bestandsrückgänge zu bemerken. Mit der Anbringung spezieller Mauerseglernistkästen oder dem Belassen kleiner Öffnungen (es reichen 6x4 cm) kann man die Vögel leicht unterstützen.

Foto: A. Limbrunner/NABU


In der Bruthöhle bauen beide Eltern an einem flachen Nest, das aus sehr feinen, fasrigen, im Flug gesammelten Materialien besteht und mit klebrigem Speichel überzogen wird. Damit beweisen sie übrigens ihre Verwandtschaft zu den asiatischen Salanganen, jenen Erbauern der berühmten essbaren Schwalbennester, die ihre Nester nur aus dem klebrigen Speichel bauen, der dann erhärtet und als Delikatesse der ostasiatischen Küche gilt.

In die flache, unausgepolsterte Nestmulde werden meist zwei oder drei Eier gelegt, die beide Eltern abwechselnd etwa 20 Tage bebrüten. Anfangs werden die Nestlinge noch von je einem Altvoögel gehudert, das heißt gewärmt. Gefüttert werden hauptsächlich winzige Insekten, die von den Eltern zu Hunderten im Kehlsack zu einem Futterballen gesammelt und dann zum Nest gebracht werden.

Die Jungenaufzucht dauert mit 37 bis 56 Tagen relativ lange und kann je nach Witterungsverlauf und Nahrungsangebot stark schwanken. Dafür sind die Jungvögel nach dem Ausfliegen völlig selbständig, kehren nicht mehr zum Nest zurück und werden auch nicht von den Eltern versorgt. Sie fliegen sogar in Abwesenheit der Eltern aus dem Nest, die nichts ahnend zur nächsten Fütterung kommen und den Futterballen schließlich selbst fressen.

Foto: P. Skoczylas

Mauersegler jagen fast ausschließlich Fluginsekten. Besonders große Bedeutung kommt offensichtlich Blattläusen zu, je nach Angebot aber auch Hautflüglern (z.B. schwärmenden Ameisen), Käfern, Mücken und Fliegen. Aus diesem Grund machen ihnen in unseren Breiten Schlechtwettereinbrüche im Sommer stark zu schaffen, da bei Regen oder Kälte kaum Fluginsekten in der Luft sind. Die Altvögel reagieren darauf oft mit sogenannten Wetterfluchten, bei denen sie den Fronten davonfliegen und erst nach Tagen oder sogar Wochen zurückkehren. Ältere Junge können in Abwesenheit der Eltern bis zu 2 Wochen ohne Fütterung überdauern, sie verbringen dann die Nächte in einer Art Kältestarre.

Ein ausreichendes Angebot an Fluginsekten ist auch für die Ansiedlung der Mauersegler bedeutend. Zu große und dicht verbaute Städte können nicht mehr flächig besiedelt werden, da nur über größeren Freiflächen oder Gewässern hohe Dichten an sogenanntem Luftplankton auftreten. Auch flächiger Einsatz von Insektiziden kann das Nahrungsangebot vermindern.

Außer zur Jungenaufzucht befinden sich Mauersegler die überwiegende Zeit in der Luft. Nur zum Übernachten suchen sie gerne Höhlen auf oder klammern sich hängend an Mauern. Bei günstigem Wetter schlafen aber auch viele Vögel in höheren Luftschichten kreisend. Auch sonst machen Mauersegler fast alles im Flug: sie suchen Nahrung, trinken und baden (bzw. duschen bei Regen) im Flug. Die Balz, bei schönem Wetter sogar die Paarung finden in der Luft statt. Auch das rege soziale Leben einer Mauerseglerkolonie spielt sich im Flug ab, besonders auffällig sind die gemeinschaftlichen Flugspiele, im Englischen treffend "screaming parties" genannt, bei denen fast alle Mitglieder einer Brutkolonie laut rufend gemeinsam kreisen und dicht an den Brutplätzen vorbeisausen.

In den mitteleuropäischen Brutgebieten halten sich die Vögel nur etwa drei Monate auf: Frühestens Ende April, meist erst im Mai werden die Brutplätze besetzt und bald nach dem Ausfliegen der Jungen Mitte Juli bis Anfang August machen sie sich auch schon auf den Weg in den Süden. Auch während ihrer langen Reise, die sie bis ins zentrale oder südliche Afrika führt sind sie natürlich auf ständige Nahrungszufuhr angewiesen, weshalb sie sich bei ihrem Zug oft an große Gewässer oder Feuchtgebiete halten, über denen die Insektendichte meist höher ist als über trockenem Land. Auch in ihrem Winterquartier, in dem sie sich ebenfalls nur etwa drei Monate aufhalten, streifen sie je nach Witterung und Nahrungsangebot über großen Gebieten umher.

Gerade am Beispiel dieses extremen Zugvogels, der im Laufe seines Lebens Tausende Kilometer zurücklegt, wird klar, dass Naturschutz und gerade Vogelschutz nur grenzüberschreitend Sinn macht.

Weitere Informationen

  Hilfe für den Mausersegler
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