Vogel des Jahres 2004: Der Zaunkönig
 
BirdLife Österreich und der Naturschutzbund Deutschland haben den "Vogel des Jahres 2004" gewählt: Es ist der Zaunkönig, ein Vogel dessen Name zwar viele kennen, den aber die wenigsten noch zu Gesicht bekommen haben. Kein Wunder, ist er doch ein Meister des Versteckens, der die meiste Zeit im dichten Unterholz herumhuscht und nur selten frei zu sehen ist. Diesen "bekannten Unbekannten" wollen wir 2004 in den Mittelpunkt des Interesses stellen, um mit seiner Hilfe für mehr Wildnis in Wäldern und Gärten einzutreten.

Foto: M. Delpho/NABU

Der Zaunkönig gehört mit geschätzten 500.000 Brutpaaren zu den 10 häufigsten Vögeln Österreichs. Man muss sich also um seinen Bestand momentan keine Sorgen machen. Dennoch stellt er an seine Lebensräume Ansprüche, die es zu beachten gilt, soll er diesen privilegierten Platz in der Vogelwelt auch weiterhin behalten.

Er braucht Gehölzbestände, die in der untersten Schichte sehr dicht verwachsen sein müssen: Bach-, und Flussauen, naturnahe Laub- und Mischwälder und sogar größere Gärten und Parks zählen zu seinen bevorzugten Lebensräumen. Sein Nest baut er in Nischen oder Höhlen in Wurzeltellern, an Böschungen, Baumstrünken, Reisighaufen oder in dichtem Gestrüpp nahe am Boden.

Man merkt schon: Ordentlich darf es im Revier eines Zaunkönigs nicht aussehen! Mit seinen Bedürfnissen plädiert er für mehr Wildnis und "Unordnung" in unseren Gärten, Parks und Wäldern. Denn in sterilen Grünanlagen, unterholzfreien Nutzwäldern und ausgeräumten Bachauen findet er keinen Platz mehr.

Dieser sympathische Winzling steht zwar nicht auf der Roten Liste der gefährdeten Vögel, dennoch sollte man ihn mit der Erhaltung unterholzreicher, "unordentlicher" Gärten, Bachgehölze und Wälder unterstützen. Man hilft damit nicht nur dem Zaunkönig, sondern einer ganzen Reihe von weniger bekannten Tierarten, die es gerne "wild" haben.

Als Bewohner fast der gesamten Nordhalbkugel von Nordamerika, Europa bis Ostasien ist der Zaunkönig ein echter Weltbürger. Er ist übrigens der Einzige aus einer weitläufigen Verwandtschaft, der es bis Europa geschafft hat, die meisten anderen Zaunkönige leben im tropischen Mittel- und Südamerika. In Österreich findet man ihn vom Flachland bis zur Baumgrenze im Hochgebirge. Er fehlt bei uns nur in den baumlosen Agrarsteppen und den alpinen Felsregionen. Im Nationalpark Neusiedler See ist er kein Brutvogel, die nächsten Brutplätze liegen in den Leithaauen und dem Leithagebirge. Er ist allerdings ein regelmäßiger Durchzügler im Gebiet und der Schilfgürtel des Neusiedler Sees ist ein wichtiges Überwinterungsgebiet.

Mit etwa 10 cm Körperlänge und nur 10 g Gewicht ist er nach den Goldhähnchen der kleinste Vogel Europas. Zu Gesicht bekommt man ihn kaum, wirklich auffällig ist nur der trillernde Gesang des Männchens, mit dem er sein Revier verteidigt und Weibchen anlockt. Dieser ist für so einen kleinen Vogel (der Zaunkönig ist nur etwa 10 cm lang) sehr laut und kann unter günstigen Bedingungen bis zu 500 m weit gehört werden. Das Gefieder ist kastanienbraun mit feiner dunkler Musterung, was ihn im dunklen Dickicht zusätzlich unauffällig macht. Der kurze Schwanz ist meist steil aufgerichtet, die relativ langen Beine machen ihn zu einem geschickten Kletterer.

Seine Nahrung besteht fast ausschließlich aus Insekten und Spinnen, die er aus dem Boden und aus den kleinsten Ritzen und Spalten seines Reviers hervorstochert.

Der Nestbau beginnt schon im März, das Männchen baut mehrere kunstvolle, kugelförmige "Wahlnester" mit seitlichem Eingang, aus denen das Weibchen das passende auswählt. Um die Brut und die Jungenaufzucht kümmert sich überwiegend das Weibchen, während das Männchen fleißig sein Revier verteidigt, noch mehr Nester baut und auch versucht, weitere Weibchen zu verführen.

Im Herbst bleiben die meisten mitteleuropäischen Zaunkönige in der Nähe ihrer Brutgebiete, sie verlassen aber die höheren Lagen und schlagen ihre Winterreviere oft entlang von Gewässern auf, da dort auch bei kaltem Wetter Insekten zu finden sind. Einzelne verschlägt es in die Siedlungen, wo sie gerne auch Fütterungen aufsuchen. Man kann ihnen daher im Winter bröseliges Fettfutter an einer bodennahen Futterstelle anbieten. Besser unterstützt man sie allerdings mit dichtem Gebüsch, "Gestrüpp" und Reisighaufen im Garten, in denen sie Deckung und Nahrung finden.



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