Vogel des Jahres 2013: Die Bekassine
 
Die Bekassine (Gallinago gallinago) wurde zum „Vogel des Jahres 2013“ von BirdLife Österreich sowie den Partnerorganisationen Naturschutzbund Deutschland (NABU) und dem Landesbund für Vogelschutz (LBV) in Bayern gekürt. Das „Meckern“ beherrscht die Schnepfenart nicht erst seit ihr der Lebensraum mit Feuchtwiesen und Mooren zusehends abhanden gekommen ist und die Bestandsgröße sich auf wenige Brutpaare reduziert hat. Das Männchen erzeugt das artenspezifische „Meckern“, indem es sich im Balzflug mit abgespreizten äußeren Schwanzfedern rasant in die Tiefe stürzt. Jetzt, wo der Kurzstreckenzieher bereits auf dem Weg in die Überwinterungsquartiere im Mittelmeergebiet unterwegs ist, kann der Wiesenvogel mit seinem charakteristischen „Meckern“ im Naturhistorischen Museum Wien bewundert werden.

Dohlen (c) NABU/M. Vollborn
Foto: NABU/W. Rolfes

Abgesehen vom „Meckern”, das in der Ausstellung im Saal 29 erlebt und gehört werden kann, ist der überproportional lange und gerade Schnabel das auffälligste Zeichen der Bekassine. „Mit der Präsentation der Bekassine als Vogel des Jahres 2013“ möchte, so Generaldirektor Christian Köberl, „das Naturhistorische Museum Wien einerseits das Interesse für die Vielfalt der Vogelwelt wecken, gleichzeitig aber auch auf die prekäre Lebensraum-Situation vieler Wiesenvogelarten  hinweisen.“ Ende Juli haben bereits viele in Nordeuropa brütende Bekassinen ihre Brutreviere verlassen. Bei milder Witterung kann sich die Zugzeit bis in den späten Herbst hinein verschieben.

Tarnkünstlerin mit Hightech-Schnabel
Unter den Schnepfen ist die Bekassine eine mittelgroße Art. Mit ihrem untersetzten Körper, kurzen Beinen und braunen Gefieder bewegt sich die Tarnkünstlerin geschickt durch feuchte Seggen-, Binsen- und Moorlandschaften. Auf der Suche nach Würmern, Schnecken und Insekten watet sie durch offene schlammige Bereiche und flache Gewässer. Der lange Schnabel ist dabei das perfekte Werkzeug, um in den lockeren Schichten feuchter Böden Kleintiere zu orten und zu ertasten. Samen von Gräsern und anderen Pflanzen stehen aber genauso auf dem Speisplan. Bei Gefahr duckt sie sich auf den Boden und ist kaum vom Untergrund zu unterscheiden. Die Jungen verlassen bereits am ersten Tag das Nest und suchen selbst nach Nahrung. Wenngleich die Eltern sie auch zu den besten Nahrungsplätzen führen.

Herber Bestandsverlust auch in Österreich zu verzeichnen
„Im Jahr der Bekassine wollen wir aufzeigen, dass die Intensivierung der Landwirtschaft mit einer frühen bzw. häufigen Wiesenmahd, das Entwässern von Grünland und die zunehmende Zersiedelung der Brutgebiete den Wiesenvögeln generell zusetzt“, so Gerhard Loupal, Präsident von BirdLife Österreich. Die bekanntesten österreichischen Bekassinen-Vorkommen orten die Ornithologen im Ibmer Moor in Oberösterreich, im Salzburger Alpenvorland sowie im Vorarlbergischen Rheintal. Nur im Schutzgebiet Ibmer Moor konnte aufgrund von Renaturierungsmaßnahmen ein stabiler Bestand mit etwa 20 Brutpaaren über die Jahre erhalten werden. In allen anderen einst dicht besiedelten Brutgebieten führten Lebensraumveränderungen zu Rückgängen. Ende der 90er Jahre waren der Vogelschutzorganisation in Vorarlberg 20-30 Brutpaare bekannt. Im Vorjahr waren es nur noch 4-5. „Dieses Beispiel zeigt eindrücklich, dass die Bekassine ohne konkrete Artenschutzmaßnahmen in Österreich vor dem Aus steht“, so Loupal.

Wohngemeinschaft  Feuchtgrünland
Oft unentdeckt leben auch andere Bodenbrüter im Feuchtgrünland. Wie die Bekassine werden der Große Brachvogel, der Kiebitz, die Uferschnepfe, der Rotschenkel, der Wachtelkönig, die Schafstelze oder auch das Braunkehlchen hierzulande immer seltener. „Die Folgen der ertragsintensiven Landwirtschaft haben langfristig wir alle zu tragen. Es ist allerhöchste Zeit für eine politische Weichenstellung, wo Feuchtwiesen und Mooren wieder Raum gegeben wird“, betont Gerhard Loupal die wichtige Botschaft der Bekassine als Vogel des Jahres 2013.


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