Vogelsichtungen

Seltene Gäste in Österreich: Vogel-Highlights im März

Filip Reiter, Lisa Lugerbauer, Norbert Teufelbauer02.04.2026
Ein Steppenkiebitz zu Besuch am Unteren Inn.
Ein Steppenkiebitz zu Besuch am Unteren Inn.
© Christa Pumberger

In unserer monatlichen Reihe "Seltene Gäste in Österreich: Vogel-Highlights im..." stellen wir eine Auswahl der spannendsten Vogelbeobachtungen des letzten Monats vor, die auf ornitho.at bis zum letzten Tag des jeweiligen Monats gemeldet wurden. Diese Meldeplattform dient dazu, wissenschaftlich verwertbare bzw. naturschutzrelevante Daten über Vögel in Österreich zu sammeln. Die Dokumentationen zur Sichtung sehr selten auftretender Vogelarten werden regelmäßig von der Avifaunistischen Kommission Österreich (AFK) überprüft. Bei aktuellen Meldungen ist das noch nicht erfolgt; die Nennung hier erfolgt daher mit Vorbehalt. Über die Ergebnisse ihrer Arbeit veröffentlicht die AFK regelmäßig Berichte auf ihrer Website.

Der März stand ganz im Zeichen eines typischen Frühlings – inklusive eines kurzen, aber spürbaren Wintereinbruchs. Gleich zu Beginn sorgte mit einem Steppenkiebitz eine außergewöhnliche Rarität aus dem Osten in Österreich für Aufsehen, danach kehrte vorerst Ruhe ein. Erst am letzten Wochenende des Monats sorgte ein weiterer sehr seltener Gast – ein Wüstensteinschmätzer! – bei vielen Beobachter:innen für einen erhöhten Puls. Die angestammten Lebensräume beider Arten sind weit von Mitteleuropa entfernt; es ist immer wieder erstaunlich, wie weit sich Vögel von ihren Brutgebieten entfernen! Bemerkenswert ist in diesem Fall auch, dass sich die Brutgebiete der beiden Arten leicht überlappen. Warum es diese beiden Vögel nach Österreich verschlagen hat bleibt wie so oft offen – schließlich können wir die Vögel nicht fragen.

Ein östlicher Verwandter unseres „Vogel des Jahres“

Viel Freude bereitete ein Steppenkiebitz (Vanellus gregarius) Mitte März zahlreichen Beobachter:innen am Unteren Inn/OÖ. Er war „vergesellschaftet mit einem Trupp „unserer“ heimischen Kiebitze, und stach hier durch sein braunes Gefieder und seine markante Gesichtszeichnung von Weitem heraus. Es handelt sich um den 24. Nachweis für Österreich und den 2. Nachweis für Oberösterreich! Seine Brutgebiete liegen von Westkasachstan nördlich des Kaspischen Meers bis nach Ostkasachstan und überwintert in Afrika, der arabischen Halbinsel sowie in Pakistan und Indien.

Haben Sie das gewusst?

"Der Steppenkiebitz gilt laut der globalen Roten Liste als die am stärksten bedrohte Art innerhalb der Kiebitze. Der Bestand umfasst nur noch rund 11.200 geschlechtsreife Individuen. Als Hauptursachen für die drastischen Rückgänge in den vergangenen Jahrzehnten gelten vor allem die Jagd entlang der Zugrouten sowie der Verlust von Steppenlebensräumen durch landwirtschaftliche Nutzung."

Redaktionsteam

Ein etwas weniger prominenter Vertreter aus derselben Familie (Regenpfeiferverwandte) stellt der Mornellregenpfeifer (Eudromias morinellus) dar, von dem ein Vogel in Oberpremstätten/STMK gesichtet wurde.

Seltene Wasservögel

Im Seewinkel/B wurden – wie in den Vormonaten auch – einige seltene Gänse gesichtet: So konnten mindestens drei Zwerggänse (Anser erythropus), vier Rothalsgänse (Branta ruficollis) und eine Weißwangengans (Branta leucopsis) gesichtet werden.

Am Wörthersee/K kam es zu Beobachtungen eines Eistauchers (Gavia immer) und auch die männliche Eiderente (Somateria mollissima) am Bodensee/V war im März noch zugegen.

Vorbehaltlich der Entscheidung durch die AFK wurde eine sogenannte „Tundramöwe“ (Larus [fuscus] heuglini) in Wörth/NÖ gemeldet – dabei handelt es sich um eine nordöstliche Unterart der Heringsmöwe. Es würde sich bei Anerkennung um den 17. Nachweis dieser Unterart in Österreich handeln.

„Adler-Raritäten“ und andere Greifvögel

Zur Beobachtung eines durchziehenden Schelladlers (Clanga clanga) kam es in Aichfeld/STMK. Seine nächsten Brutvorkommen liegen im Nordosten Polens, wo ihm – wie anderorts auch – die immer weiter voranschreitende Trockenlegung nasser Wiesen Probleme bei der Nahrungsbeschaffung macht.

Jeweils ein Adlerbussard (Buteo rufinus) – zwar keine Adler, aber zumindest tragen sie den Adler im Namen – wurden auf der Parndorfer Platte/B und im Weinviertel/NÖ gesichtet. Daher lohnt es sich aktuell besonders, „auffällige“ Mäusebussarde genauer anzusehen: Achten Sie vor allem auf die rötliche Schwanzfärbung!

Der krönende Abschluss

Ende März wurde in Thaur/T ein Wüstensteinschmätzer-Männchen (Oenanthe deserti) entdeckt. Dabei dürfte es sich um den 5. Nachweis für Österreich handeln. Seine Brutgebiete liegen im Norden Afrikas, im Nahen Osten und in Zentralasien. Die Vogelart ist durch seine schwarzen Schwingen und die schwarze Kehle eindeutig bestimmbar.

Ein Wüstensteinschmätzer ist in Tirol aufgetaucht.
Ein Wüstensteinschmätzer ist in Tirol aufgetaucht.
© Linus Jerabek

Wir freuen uns wie immer sehr über diese besonderen Gäste aus fernen Regionen und wünschen allen viel Spaß beim Beobachten im April!

Disclaimer

Vogelbeobachtung soll Freude bereiten – aber stets im Einklang mit dem Wohl der Vögel! Ein verantwortungsvolles Verhalten ist dabei unerlässlich. Absichtliche Störungen, das Beineinträchtigen von Lebensräumen sowie das bewusste Aufscheuchen oder Anlocken von Vögeln durch Klangattrappen lehnen wir entschieden ab. Eine „bessere“ Beobachtung oder ein vermeintlich „perfektes“ Foto rechtfertig so ein Verhalten unter keinen Umständen! Bitte bleiben Sie auf ausgeschriebenen und regelmäßig genutzten Wegen und vermeiden Sie das Betreten von Privatgrundstücken oder geschützten Flächen ohne Erlaubnis. Unbedachtes Verhalten kann nicht nur die beobachteten Vögel belasten, sondern auch andere Arten in der Umgebung unnötig stressen. Darüber hinaus sollten Sie als Naturliebhaber:in mit gutem Beispiel vorangehen. Rücksichtnahme ist der Schlüssel zu einem harmonischen Naturerlebnis!

Wir legen Ihnen zudem nahe, Ihre Anreise so klimafreundlich wie möglich zu gestalten – idealerweise ohne CO₂-Emissionen. Nutzen Sie öffentliche Verkehrsmittel, gehen Sie zu Fuß oder fahren Sie mit dem Fahrrad. Wenn eine Fahrt mit dem Auto notwendig ist, bilden Sie doch Fahrgemeinschaften – gemeinsam Vögel zu beobachten macht nicht nur mehr Freude, sondern schont auch die Umwelt!

Wir bedanken uns an dieser Stelle bei Christa Pumberger und Linus Jerabek für die Fotos.

Beobachtungen wildlebender Vogelarten können an BirdLife über die Meldeplattform www.ornitho.at gemeldet werden. Bei sehr seltenen Vogelarten (oder Unterarten) sollte zusätzlich auch eine Dokumentation bei der Avifaunistischen Kommission von BirdLife erfolgen. Die Überprüfung durch die Kommission ist die Grundlage für die weitere Verwendung dieser Beobachtungen (z. B. in Publikationen aller Art). Welche Arten gemeldet werden sollten, ist hier ersichtlich.