Naturschutzpolitik

Statement zum Singvogelfang im Salzkammergut

Auf diesem Foto sehen sie eine BirdLife-Mitarbeiterin namens Lisa Lugerbauer.
Lisa Lugerbauer, BA24.03.2026
Ein Gimpel gefangen in einem Käfig im Salzkammergut.
Ein Gimpel gefangen in einem Käfig im Salzkammergut.
©VGT.at/VEREIN GEGEN TIERFABRIKEN

Am 24. März haben wir uns mit diesem Schreiben an die UNESCO gewandt, um vor der Sitzung ein klares Zeichen gegen den Singvogelfang im Salzkammergut zu setzen.

Statement

Geschätzte Mitglieder der österreichischen UNESCO-Kommission,

BirdLife Österreich begrüßt ausdrücklich die Prüfung der Einstufung des Vogelfangs im Salzkammergut als „Immaterielles Weltkulturerbe“.

Diese umstrittene Praxis umfasst den Fang wildlebender Finken und deren Haltung (inkl. Ausstellung) den Winter über. Zweifellos führt diese Behandlung auch bei sachgemäßer Ausführung zu massivem, lang andauerndem Stress bei den nicht an den Menschen gewöhnten Wildvögeln. Der größte Teil der betroffenen Individuen wird nach dem Winter freigelassen, wobei unklar ist, wie sich die monatelange Haltung in Gefangenschaft auf die Fitness der Vögel, ihre Mortalität und ihre Reproduktionschancen auswirkt.

Zusammenfassend steht dem Interesse an der Brauchtumspflege und dem Erhalt dieser Tradition eine massive Belastung von vielen hundert Wildvögeln über einen langen Zeitraum entgegen. Diese widerspricht aus unserer Sicht deutlich den allgemeinen gesellschaftlichen Wertvorstellungen gegenüber dem Umgang mit Wildtieren.

Obwohl der Vogelfang bisher von den zuständigen Behörden (teils unionsrechtswidrig) genehmigt wurde, halten wir die Praxis in ihrer heutigen Form daher für ethisch problematisch und nicht mehr zeitgemäß. Im Besonderen sind wir der Meinung, dass die UNESCO über gesetzliche Grenzen hinausgehende Werte vertritt und damit eine bedeutende Vorbildwirkung entfalten kann.

Wir ersuchen Sie daher, eine sorgfältige Prüfung unter besonderer Berücksichtigung der tierethischen Bedenken, der Verstöße gegen Unionsrecht durch bisherige Genehmigungen und der Symbolwirkung, die Entscheidungen der UNESCO für die gesellschaftliche Akzeptanz von Traditionen haben.

Hochachtungsvoll,

BirdLife Österreich

Update

Auf die Sitzung des Fachbeirats der UNESCO-Kommission folgend stellt dieser in seiner Stellungnahme klar, dass es sich beim "Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich" nicht zwingend um eine Auszeichnung handelt, sondern dieses Verzeichnis "die Fülle und Vielfalt gelebter Praktiken auf dem eigenen Staatsgebiet" darstellen solle. "Die entscheidende Rolle bei der Entscheidung über die Fortführung einer umstrittenen Praxis" komme den "Ausübenden und der Austragung entsprechender Kontroversen [...] in der Gesellschaft zu."

Der Fachbeirat empfiehlt der Kommission entsprechend, die Entwicklung weiter zu beobachten, und begrüßt die Entscheidung, "den Kontroversen und kritischen Stimmen größeren Raum bei der Darstellung der Praxis im Verzeichnis einzuräumen." Eine weitere Diskussion ist für Herbst 2026 vorgesehen, auch weil bis dahin besser absehbar ist, wie die Behörden mit den Entscheidungen des Landesverwaltungsgerichts umgehen.