Ganzjahresfütterung: Ja oder nein?

Die Fütterung von Wildvögeln zur Brutzeit ist ein viel diskutiertes Thema – sowohl unter Garten- und Balkonbesitzer:innen als auch unter Fachleuten. Lesen Sie hier unseren Standpunkt.

Ein Kleiber an der Ganzjahresfütterung.
© Hannah Assil

Auch wenn im Sommer an der Futterstelle reges Treiben herrscht, heißt das noch lange nicht, dass die Vögel die Fütterung unbedingt brauchen. Im schlimmsten Fall kann sie ihnen sogar schaden.

Natürliches Futter unverzichtbar!

Zur Brutzeit sind alle Vögel auf natürliches Futterangebot angewiesen. Meisen brauchen etwa Blattläuse und Raupen, Amseln Würmer und Insektenlarven und Sperlinge verschiedenste Insekten, um erfolgreich ihre Jungen aufzuziehen. Samenfressende Finken wie Stieglitz oder Girlitz sind auf verschiedenste Wildkräutersamen als Aufzuchtfutter angewiesen. Zur Eibildung benötigen die Altvögel neben Vitaminen und Mineralstoffen, vor allem kalkhaltige Nahrung. Am besten unterstützt man unsere Gartenvögel deshalb durch eine naturnahe, vogelfreundliche Gartengestaltung! Einige Vogelarten, wie beispielsweise Sperlinge, können von einer ganzjährigen Fütterung durchaus profitieren. Gleichzeitig birgt sie jedoch auch erhebliche Risiken für die Vögel. Dazu zählen insbesondere die erhöhte Gefahr der Krankheitsübertragung, da sich Krankheitserreger an Futterstellen besonders leicht verbreiten, sowie ungeeignetes Futter, das sowohl Alt- als auch Jungvögeln schaden kann.

Wir plädieren zum Schutz unserer Gartenvögel in erster Linie für einen naturnahen, vogelfreundlichen Garten! Es ist wesentlich wichtiger, dass Vögel natürliches Futter in reichem Ausmaß vorfinden, als Futter aus Menschenhand zu bekommen.

Auf diesem Foto sehen Sie eine BirdLife-Mitarbeiterin namens Eva Karner-Ranner.

Mag. Eva Karner-Ranner

Mitgliederbetreuung, Redaktion Vogelschutz

Falsches Futter

In der Regel beschaffen sich die Altvögel für sich selbst Nahrung von der Futterstelle und verfüttern an ihre Jungen das richtige Nestlingsfutter – wenn dies in ausreichendem Maß vorhanden ist. Bei Insektenmangel neigen jedoch vor allem Sperlinge dazu, den Jungen ungeeignete fetthaltige Samen oder Nüsse zu verfüttern, welche die Jungvögel noch nicht verdauen können. Auch Meisen verfüttern manchmal ungeeignetes Fettfutter oder sogar Nüsse an den Nachwuchs, sowie verstädterte Amseln Brotstücke. Im übrigen ist Fettfutter zur Brutzeit auch für Altvögel ungeeignet.

Falls Sie zur Brutzeit füttern, sollten Sie Sie deshalb keinesfalls Fettfutter (wie z. B. Meisenknödel, Fettringe) oder Nüsse anbieten. Brot oder Speisereste sind ohnehin ganzjährig tabu. Auch mit großen fetthaltigen Samen wie Sonnenblumenkernen sollte man zurückhaltend sein. Für Amseln eignen sich aufgetaute Mehlwürmer und Rosinen, für Körnerfresser wie Sperlinge oder Ammern kleine Samen, wie Hanf, Hirse oder Mohn, aber auch auch Getreide (Hafer, Weizen).

Gefahr durch Krankheiten

Durch eine Vogelfütterung wird eine unnatürlich hohe Anzahl an Tieren an einem Ort angelockt. Deshalb ist eine Futterstelle immer ein potenzieller Übertragungsort von Vogelkrankheiten. Bei hohen Temperaturen haben Krankheitserreger eine höhere Überlebensfähigkeit, weshalb gerade im Sommer die Futterstelle unter besonderer Beobachtung gehalten werden soll.

Bei Anzeichen von Krankheiten (apathisch wirkende, aufgeplusterte Vögel) oder gar dem Fund toter Tiere, sollten Sie die Fütterung umgehend einstellen und erst im Winter wieder mit der Fütterung beginnen. Denn leider kann man den Wildvögeln nur durch ein Unterbrechen der Ansteckungskette effektiv helfen. Besondere Gefaht droht durch die Krankheit Trichomoniasis – ausgelöst durch einen einzelligen Parasiten – die neben Kernbeißern, Stieglitzen und Buchfinken vor allem Grünlinge betrifft. Bei ihnen sind bereits europaweite Bestandseinbrüche zu beobachten.

Fazit zur Ganzjahresfütterung

Wir appellieren an alle Vogelfreund:innen, ihre Gartenvögel vor allem durch naturnahe Gartengestaltung zu fördern und so für die unersetzliche natürliche Nahrung zu sorgen. Vor allem angesichts des Grünlingssterbens, das sich überwiegend im Sommerhalbjahr an den Futterstellen verbreitet, raten wir momentan eher dazu, die Fütterung im April ausschleichen zu lassen und erst im Oktober wieder damit zu beginnen. In jedem Fall muss die Futterstelle sehr sauber gehalten werden und bei jedem Anzeichen von Krankheiten sofort entfernt werden. Auch sommerliche Vogeltränken sollten zur Verminderung der Ansteckungsgefahr täglich gereinigt werden.

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