In unserer monatlichen Reihe "Seltene Gäste in Österreich: Vogel-Highlights im..." stellen wir eine Auswahl der spannendsten Vogelbeobachtungen des letzten Monats vor, die auf ornitho.at bis zum letzten Tag des jeweiligen Monats gemeldet wurden. Diese Meldeplattform dient dazu, wissenschaftlich verwertbare bzw. naturschutzrelevante Daten über Vögel in Österreich zu sammeln. Die Dokumentationen zur Sichtung sehr selten auftretender Vogelarten werden regelmäßig von der Avifaunistischen Kommission Österreich (AFK) überprüft. Bei aktuellen Meldungen ist das noch nicht erfolgt; die Nennung hier erfolgt daher mit Vorbehalt. Über die Ergebnisse ihrer Arbeit veröffentlicht die AFK regelmäßig Berichte auf ihrer Website.
Das Jahr 2025 ging mit zahlreichen spannenden Vogelbeobachtungen aus ganz Österreich zu Ende. Welche Vogelarten im Dezember noch besonders für Aufsehen sorgten, erfahren Sie im Folgenden. An dieser Stelle bedanken wir uns herzlich bei allen, die unsere monatlichen News-Beiträge lesen und unsere Vogelschutzarbeit unterstützen.
Seltene Schwäne und Enten
Zur überraschendsten Beobachtung kam es Mitte Dezember am Bodensee: Unter rund 10.000 Tauchenten, darunter Reiher- und Tafelenten, wurde eine Ringschnabelente (Aythya collaris) entdeckt. Sollte die Beobachtung von der Avifaunistischen Kommission anerkannt werden, würde es sich um den 5. Nachweis für Österreich handeln. Der bislang letzte Nachweis dieser nordamerikanischen Art gelang im März 2021 an der Königsseeache in Hallein.
Haben Sie das gewusst?
"Die Ringschnabelente verdankt ihren Namen dem markanten weißen Ring am ansonsten dunklen Schnabel. Am ehesten kann sie bei uns mit Reiherenten, eventuell auch mit Bergenten verwechselt werden. Ihr Brutgebiet liegt im nördlichen Nordamerika, reicht aber im Westen bis Kalifornien und Arizona. Als Zugvogel hält sie sich im Winter im südlichen Nordamerika auf, erreicht aber gelegentlich Mittelamerika bis Panama und die Karibik. Regelmäßig tritt die Ringschnabelente auch in Europa auf."

Redaktionsteam
Wie bereits im Vormonat kam es auch im Dezember zu Sichtungen von Singschwänen (Cygnus cygnus), diesmal jedoch an deutlich mehr Standorten. Zunächst wurden vier Individuen an der Unteren Enns in Ober- und Niederösterreich beobachtet, später hielten sich dort über einen längeren Zeitraum noch zwei Vögel auf. Im Rheindelta/V konnte sogar ein Maximum von 82 Individuen gezählt werden, darunter auch mehrere immature Vögel aus dem Brutjahr 2025. Der Bodensee ist seit langem ein überregional bedeutender Überwinterungsplatz für den Singschwan.
Als wäre dies nicht schon eine herausragende Beobachtung, mischten sich als kleines „Weihnachtswunder“ auch mindestens drei Zwergschwäne (Cygnus columbianus) unter die Singschwäne. Zwergschwäne treten in Österreich deutlich unregelmäßiger auf als Singschwäne, die letzte Beobachtung stammt aus dem Jänner 2024 – ebenfalls vom Bodensee.

Auch im Rheindelta wurde erneut ein altbekannter „Dauerbrenner", die Eiderente (Somateria mollissima), festgestellt – möglicherweise dasselbe Individuum, das sich bereits seit mehreren Monaten am Bodensee aufhält. Eine weitere, seltene Entenart im selben Gebiet war zudem eine Eisente (Clangula hyemalis).
Geschäftige Gänse auf Besuch in Österreich
Wie bereits im Vormonat wurden auch im Dezember wieder Gänsearten beobachtet, die in Österreich mancherorts nur selten zu sehen sind. So konnte im Seewinkel/B eine Weißwangengans (Branta leucopsis) nachgewiesen werden. Im selben Gebiet wurden zudem eine Rothalsgans (Branta ruficollis) sowie drei Zwerggänse (Anser erythropus) beobachtet – möglicherweise dieselben drei Individuen, die bereits im November gesichtet worden waren.
Erwartete und unerwartete Singvögel
Obwohl es im vergangenen Jahr nur zu wenigen Sichtungen der Schneeammer (Plectrophenax nivalis) kam, gilt ihr Auftreten in Österreich dennoch als erwartbar – und diese Erwartung wurde nicht enttäuscht: Individuen wurden im Seewinkel/B, auf der Parndorfer Platte/B, in Wildungsmauer/NÖ, Bernhardsthal/NÖ und sogar weiter im Westen im Eferdinger Becken/OÖ beobachtet.
Ebenfalls erwartet waren im Dezember Taigazilpzalpe (Phylloscopus collybita tristis). Neben zwei Individuen auf der Donauinsel/W konnte jeweils ein Vogel am Großen Breitensee/NÖ sowie zwei weitere am Donaukraftwerk Altenwörth/NÖ nachgewiesen werden.
Eher überraschend wurde hingegen in Mondsee/OÖ ein toter Singvogel aufgefunden, bei dem es sich – vorbehaltlich der Entscheidung der Avifaunistischen Kommission – um einen Gelbbrauenlaubsänger (Phylloscopus inornatus) handelt.
Auch der Nachweis eines Waldpiepers (Anthus hodgsoni) in einer halboffenen Waldweidefläche im Rheinholz/V zählt zu den Überraschungen des Monats. Es handelt sich – bei Anerkennung durch die Avifaunistisch Kommission – um den 3. Nachweis dieser Art in Österreich. Bereits im Oktober war ein Individuum mittels „Horchbox“ in Tirol dokumentiert worden, wie bereits berichtet. Der erste österreichische Nachweis glückte im Dezember 2013 bei Marchegg in einer Ackerbrache.
Haben Sie das gewusst?
"Der Waldpieper ist eine absolute Ausnahmeerscheinung in Österreich. Er unterscheidet sich vom bei uns heimischen Baumpieper durch seine kontrastreichere Kopffärbung, insbesondere durch den zweifarbigen Überaugenstreif. Aufgrund seiner heimlichen Lebensweise ist er nur schwer zu entdecken. Seine nächsten Brutgebiete liegen im äußersten Nordosten Europas. Überwintert wird in der Regel im südöstlichen Asien, etwa auf den Philippinen."

Redaktionsteam
Sonstige Highlights
Im November wurde an dieser Stelle noch darüber spekuliert, ob es auch im Dezember zu Sichtungen von Sichlern (Plegadis falcinellus) kommen würde – und tatsächlich konnten bis zu drei Individuen im Seewinkel/B beobachtet werden – äußerst ungewöhnliche Nachweise für diese Jahreszeit.
In Gloggnitz/NÖ gelang zudem die Sichtung eines Gleitaars (Elanus caeruleus). Diese auffällige Greifvogelart war über das gesamte Jahr hinweg immer wieder in Österreich zu beobachten. Generell nehmen die Beobachtungen dieser Seltenheit in den letzten Jahren zu.
Zum Abschluss möchten wir Ihnen auch die Dreizehenmöwe (Rissa tridactyla) nicht vorenthalten, die an der Unteren Enns/OÖ/NÖ) nachgewiesen wurde. Ihre nächsten Brutgebiete liegen an der Nord- und Ostsee, etwa auf Helgoland. Ins europäische Binnenland gelangen Dreizehenmöwen meist nur, wenn sie durch kräftige Weststürme verdriftet werden. Ihren Namen verdankt die Art übrigens dem Fehlen der Hinterzehe.
Für alle, die noch tiefer in die Welt seltener Vogelgäste eintauchen möchten: BirdLife-Mitarbeiterin Lisa Lugerbauer und Ornithologe Filip Reiter haben eine Podcastfolge zu den Vogel-Highlights 2025 aufgenommen. Wir wünschen viel Freude beim Anhören!
Und noch mehr Freude wünschen wir Ihnen beim Beobachten im Jahr 2026!
Disclaimer
Vogelbeobachtung soll Freude bereiten – aber stets im Einklang mit dem Wohl der Vögel! Ein verantwortungsvolles Verhalten ist dabei unerlässlich. Absichtliche Störungen, das Beineinträchtigen von Lebensräumen sowie das bewusste Aufscheuchen oder Anlocken von Vögeln durch Klangattrappen lehnen wir entschieden ab. Eine „bessere“ Beobachtung oder ein vermeintlich „perfektes“ Foto rechtfertig so ein Verhalten unter keinen Umständen! Bitte bleiben Sie auf ausgeschriebenen und regelmäßig genutzten Wegen und vermeiden Sie das Betreten von Privatgrundstücken oder geschützten Flächen ohne Erlaubnis. Unbedachtes Verhalten kann nicht nur die beobachteten Vögel belasten, sondern auch andere Arten in der Umgebung unnötig stressen. Darüber hinaus sollten Sie als Naturliebhaber:in mit gutem Beispiel vorangehen. Rücksichtnahme ist der Schlüssel zu einem harmonischen Naturerlebnis!
Wir legen Ihnen zudem nahe, Ihre Anreise so klimafreundlich wie möglich zu gestalten – idealerweise ohne CO₂-Emissionen. Nutzen Sie öffentliche Verkehrsmittel, gehen Sie zu Fuß oder fahren Sie mit dem Fahrrad. Wenn eine Fahrt mit dem Auto notwendig ist, bilden Sie doch Fahrgemeinschaften – gemeinsam Vögel zu beobachten macht nicht nur mehr Freude, sondern schont auch die Umwelt!
Wir bedanken uns an dieser Stelle bei Stephan Trösch und Herta Mangeng für die Fotos.
Beobachtungen wildlebender Vogelarten können an BirdLife über die Meldeplattform www.ornitho.at gemeldet werden. Bei sehr seltenen Vogelarten (oder Unterarten) sollte zusätzlich auch eine Dokumentation bei der Avifaunistischen Kommission von BirdLife erfolgen. Die Überprüfung durch die Kommission ist die Grundlage für die weitere Verwendung dieser Beobachtungen (z. B. in Publikationen aller Art). Welche Arten gemeldet werden sollten, ist hier ersichtlich.










