In unserer monatlichen Reihe "Seltene Gäste in Österreich: Vogel-Highlights im..." stellen wir eine Auswahl der spannendsten Vogelbeobachtungen des letzten Monats vor, die auf ornitho.at bis zum letzten Tag des jeweiligen Monats gemeldet wurden. Diese Meldeplattform dient dazu, wissenschaftlich verwertbare bzw. naturschutzrelevante Daten über Vögel in Österreich zu sammeln. Die Dokumentationen zur Sichtung sehr selten auftretender Vogelarten werden regelmäßig von der Avifaunistischen Kommission Österreich (AFK) überprüft. Bei aktuellen Meldungen ist das noch nicht erfolgt; die Nennung hier erfolgt daher mit Vorbehalt. Über die Ergebnisse ihrer Arbeit veröffentlicht die AFK regelmäßig Berichte auf ihrer Website.
Voller Motivation machten sich auch im neuen Jahr wieder zahlreiche Vogelbeobachter:innen auf die Suche nach Seltenheiten, um an ein erfolgreiches Birding-Jahr 2025 anzuknüpfen. Mit einigen gut erreichbaren Raritäten aus der klassischen „Wintervogel-Palette“ war der Start ins Jahr 2026 auch für viele Vogelfans direkt ein Erfolg.
Spektakel seltener Schwäne
Typischerweise nutzen Gänse und mitunter auch Schwäne vor allem die Region um den Neusiedler See bzw. Bodensee als Überwinterungsgebiet. Bei genauer Durchsicht der "klassischen" Überwinterer können dabei auch durchaus Seltenheiten auftauchen. Von den Zwergschwänen (Cygnus columbarius), welche letzten Dezember im Rheindelta/V in einem großen Trupp von Singschwänen (Cygnus cygnus) entdeckt wurden, verblieben zumindest zwei Individuen noch bis Jahresanfang. Da Singschwäne abseits des traditionellen Vorarlberger Überwinterungsgebiets durchaus kein häufiger Anblick sind, sollen auch sechs Individuen im Innviertel/OÖ und zwei weitere Tiere an der Unteren Enns/OÖ/NÖ nicht unerwähnt bleiben. Letztere wurden später im Monat in Ardagger Markt/NÖ wiedergefunden werden, und konnten – wie auch die Vögel im Innviertel – von zahlreichen Beobachter:innen bewundert werden.
Altbekannte Gänse mit einem Highlight
Auch im neuen Jahr wurden im Seewinkel/B sowohl eine Zwerggans (Anser erythropus) als auch zwei Rothalsgänse (Branta ruficollis) entdeckt. Beobachtungen beider Arten blieben jedoch selten, da das Nahrungsangebot im zentralen Seewinkel durch vereiste Lacken und stark überfrorene Äcker stark eingeschränkt war. Ein Großteil der Gänse wich daher zumindest zeitweise auf andere Überwinterungsgebiete aus. Am Westufer des Neusiedler Sees stellte sich die Situation hingegen offenbar weniger problematisch dar, denn dort konnten bereits die ersten größeren Gänsetrupps beobachtet werden. Und in einem solchen wurde zwischen Purbach und Donnerskirchen/B schließlich auch eines der Monatshighlights gefunden: eine Ringelgans (Branta bernicla). Der Vogel der dunkelbäuchigen Unterart "bernicla" war zumindest bis Ende des Monats zugegen und konnte so täglich von einigen Beobachter:innen gesehen werden.
Haben Sie das gewusst?
"Die Ringelgans (Branta bernicla) brütet rund um den Globus weit im Norden in niedriger, küstennaher Tundra. Nach ihren Brutgebieten werden drei Unterarten unterschieden: Die „Dunkelbäuchige Ringelgans“ (ihr wissenschaftliche Name trägt den Zusatz „ssp. bernicla“) brütet in der sibirischen Tundra. Sie überwintert an den Küsten Nordwesteuropas und ist die am häufigsten in Österreich auftretende Unterart. Neben der in Spitzbergen und Grönland brütenden „Hellbäuchigen Ringelgans“ (ssp. hrota), gibt es noch die „Pazifische Ringelgans“ (ssp. nigricans), welche es nur sehr selten aus Ostsibirien oder Nordamerika nach Europa verschlägt.

Redaktionsteam

Weitere Highlights auf dem Wasser
Doch damit ist aus der Kategorie der Wasservögel noch nicht genug, denn das Rheindelta/V stellte seine besondere Anziehungskraft für ebendiese Artengruppe noch weiter unter Beweis: Im Lauf des Jänners konnten hier eine Eiderente (Somateria mollissima), eine Eisente (Clangula hyemalis) und ein Eistaucher (Gavia immer) immer wieder beobachtet werden. Eine weitere Eisente stellte sich zudem am Murstau Graz-Puntigam/St ein. Ein zweiter Eistaucher war praktisch den gesamten Jänner am Wörthersee/K zugegen und konnte dort von einigen Interessierten „getwitcht“ werden.
Haben Sie das gewusst?
"In der Vogelbeobachtung bezeichnet ein "Twitch", bzw. das Verb "twitching", das gezielte Anreisen zum Beobachtungsort einer seltenen oder außergewöhnlichen Vogelart, oft unmittelbar nachdem deren Auftreten bekannt geworden ist. In der englischen Sprache hat das Verb auch die – gut zu diesem Verhalten der Beobachter:innen passende – Bedeutung "zucken"."

Redaktionsteam
Anfang Jänner konnte im Rheindelta/V außerdem eine vorjährige Dreizehenmöwe (Rissa tridactyla) entdeckt werden; ihr Anblick war aber nur wenigen Personen vergönnt. Ähnlich ging es Ende des Monats mit einem weiteren, diesmal adulten Vogel dieser Art am Attersee/OÖ zu.

Abseits der Gewässer
Zwar fokussieren sich die Raritäten im Winter hauptsächlich auf unsere Gewässer, doch auch andere Lebensräume können durchaus Seltenheiten beherbergen. Neben einem Gleitaar (Elanus caeruleus) im Burgenland wurden auch zwei Adlerbussarde (Buteo rufinus) gemeldet: einer aus dem Weinviertel/NÖ und einer von der Parndorfer Platte/B. Gegenwärtig ist die Art tatsächlich wieder zur Seltenheit geworden.
Und auch Meldungen der Schneeammer(Plectrophenax nivalis) dürfen nicht fehlen. Neben Sichtungen aus dem Seewinkel/B und der Bernhardsthaler Ebene/NÖ gelang auch ein herausragender Nachweis: Ein Individuum konnte im Zuge von Forschungsarbeiten in 2200 m Seehöhe am Steinermandl auf dem Zettersfeld/T in einem Trupp Schneesperlinge (Montifringilla nivalis) entdeckt werden. Ein sehr bemerkenswerter Fund, denn Schneeammern werden in der Regel nur in den Niederungen nachgewiesen. Der letzte Tiroler Nachweis liegt aus 2017 weit zurück und stammt aus dem Inntal!
Danke fürs Lesen und ein schönen Start in den Vorfrühling!
Disclaimer
Vogelbeobachtung soll Freude bereiten – aber stets im Einklang mit dem Wohl der Vögel! Ein verantwortungsvolles Verhalten ist dabei unerlässlich. Absichtliche Störungen, das Beineinträchtigen von Lebensräumen sowie das bewusste Aufscheuchen oder Anlocken von Vögeln durch Klangattrappen lehnen wir entschieden ab. Eine „bessere“ Beobachtung oder ein vermeintlich „perfektes“ Foto rechtfertig so ein Verhalten unter keinen Umständen! Bitte bleiben Sie auf ausgeschriebenen und regelmäßig genutzten Wegen und vermeiden Sie das Betreten von Privatgrundstücken oder geschützten Flächen ohne Erlaubnis. Unbedachtes Verhalten kann nicht nur die beobachteten Vögel belasten, sondern auch andere Arten in der Umgebung unnötig stressen. Darüber hinaus sollten Sie als Naturliebhaber:in mit gutem Beispiel vorangehen. Rücksichtnahme ist der Schlüssel zu einem harmonischen Naturerlebnis!
Wir legen Ihnen zudem nahe, Ihre Anreise so klimafreundlich wie möglich zu gestalten – idealerweise ohne CO₂-Emissionen. Nutzen Sie öffentliche Verkehrsmittel, gehen Sie zu Fuß oder fahren Sie mit dem Fahrrad. Wenn eine Fahrt mit dem Auto notwendig ist, bilden Sie doch Fahrgemeinschaften – gemeinsam Vögel zu beobachten macht nicht nur mehr Freude, sondern schont auch die Umwelt!
Wir bedanken uns an dieser Stelle bei Charel Klein, Leonhard Oberreiter und Christoph Winter für die Fotos.
Beobachtungen wildlebender Vogelarten können an BirdLife über die Meldeplattform www.ornitho.at gemeldet werden. Bei sehr seltenen Vogelarten (oder Unterarten) sollte zusätzlich auch eine Dokumentation bei der Avifaunistischen Kommission von BirdLife erfolgen. Die Überprüfung durch die Kommission ist die Grundlage für die weitere Verwendung dieser Beobachtungen (z. B. in Publikationen aller Art). Welche Arten gemeldet werden sollten, ist hier ersichtlich.










