Vogel des Jahres

Zu Ostern liegen sie wieder im Feld: Kiebitz-Eier

Auf diesem Foto sehen sie eine BirdLife-Mitarbeiterin namens Lisa Lugerbauer.
Lisa Lugerbauer, BA30.03.2026
Ein typisches Kiebitz-Gelege am Feld.
Ein typisches Kiebitz-Gelege auf einem Feld.
© Barbara Rems-Hildebrandt

PRESSEAUSSENDUNG

Wien, 30.03.2026 – Während zu Ostern traditionell bunt gefärbte Eier gesucht werden, liegen auf Österreichs Feldern ganz andere Eier, perfekt getarnt und vom Aussterben bedroht. Der Kiebitz (Vanellus vanellus), Vogel des Jahres 2026, hat mit seiner Brut begonnen. BirdLife Österreich macht auf das dramatische Verschwinden unserer Feld- und Wiesenvögel aufmerksam und verweist auf Schutzmaßnahmen jetzt im Frühjahr für den gefährdeten Jahresvogel.

Der Kiebitz ist ein typischer Frühlingsbote. Gerade jetzt, kurz vor Ostern, beginnt die Hauptlegezeit: Von Ende März bis in den Juni hinein sucht das Weibchen geeignete Stellen in Wiesen oder zunehmend auch auf Äckern. Typischerweise werden vier Eier gelegt. Diese sind oliv- bis sandfarben mit dunklen Flecken und hervorragend getarnt – ein entscheidender Schutz vor Fressfeinden. Anders als die auffälligen Ostereier sind sie für das ungeübte Auge nahezu unsichtbar. Genau das wird ihnen zum Verhängnis, denn die Brutzeit fällt mit der intensiven Frühjahrsarbeit in der Landwirtschaft zusammen.

Herausforderungen für den Bruterfolg – gerade jetzt im Frühjahr

Während der gesamten Brut- und Aufzuchtzeit – also genau in jener Zeit, in der die landwirtschaftliche Frühjahrsarbeit auf Hochtouren läuft – sind Kiebitze zahlreichen Gefahren ausgesetzt:

Moderne Mechanisierung der Landwirtschaft: Frühjahrs-Bodenbearbeitung, Säen und Düngung zerstören häufig Gelege, noch bevor die Eier schlüpfen.

Vegetationsdichte: In Getreideflächen wächst die Vegetation ab Mai rasch zu dicht, sodass Küken kaum Nahrung finden oder sich nicht mehr frei bewegen können.

Prädation: Füchse, Marder, Katzen und andere Fressfeinde stellen in ausgeräumten Landschaften ein zusätzliches Risiko dar.

„Bodenbearbeitung, Düngung und frühe Mahd zerstören viele Gelege, bevor die Küken schlüpfen“, so BirdLife-Experte Daniel Leopoldsberger. „Hinzu kommen Nahrungsmangel durch dichte Vegetation sowie hoher Druck durch Fressfeinde. Seit 1998 sind die Bestände des Kiebitzes in Österreich um rund 57 Prozent zurückgegangen. Heute gibt es österreichweit nur noch etwa 3.800–6.900 Brutpaare!“

Lösungsansätze zum Kiebitzschutz – gerade jetzt im Frühjahr

Diese für den Kiebitz lebensbedrohenden Abläufe können mittels einfacher Maßnahmen gestoppt werden.

„Gezielter Lebensraumschutz für den Kiebitz umfasst etwa das Anlegen und die Erhaltung von Sutten, Brachen sowie von Feuchtwiesenresten in der Ackerlandschaft. Das Einrichten sogenannter unbewirtschafteter „Kiebitz-Inseln“ in Feldern hat sich vielfach bewährt. Eine verzögerte Aussaat von Mais oder Soja bis zum 10. Mai verhilft Kiebitz-Kolonien zu gutem Schlupferfolg der Erstgelege. Zusätzlich ist das Abstecken von aktuellen Neststandorten, um sie bei der Bearbeitung auszusparen, eine wirksame lokale Maßnahme, um den Bruterfolg zu erhöhen“, so Projektleiter Leopoldsberger: „Kiebitz-Schutz kann in modernen Feldbewirtschaftungstechniken bestens funktionieren! Bäuerinnen und Bauern spielen beim Schutz von Feld- und Wiesenvögeln eine entscheidende Schlüsselrolle.“

Warum Vogel des Jahres 2026?

Als Schirmart für Feld- und Wiesenvögel steht der Kiebitz exemplarisch für die Dringlichkeit einer naturschutzfreundlichen Agrarpolitik. Mit der Auszeichnung zum Vogel des Jahres 2026 macht BirdLife Österreich auf den Verlust an Biodiversität aufmerksam und fordert konkrete Maßnahmen wie extensivere Bewirtschaftung, Gelegeschutzprogramme und eine verzögerte Mahd.

„Der Kiebitz ist eine Symbolart der Agrarlandschaft und eignet sich aufgrund seiner Beliebtheit besonders gut, um die Bevölkerung für die Bedeutung einer biodiversitätsfreundlichen Landwirtschaft zu sensibilisieren“, betont Daniel Leopoldsberger und weiter: „Gerade jetzt, zur Osterzeit, erinnert uns der Kiebitz daran, dass Eier nicht nur Symbol für neues Leben sind, sondern dass dieses Leben in unseren Feldern und Wiesen aktiven Schutz braucht. Jedes unversehrte Kiebitz-Ei zählt, um dem Jahresvogel unter die Schwingen zu greifen!“

Weiterführende Links

Vogelporträt zum Kiebitz

Projektseite "Gemeinsam für den Kiebitz"

Podcastfolge über den Kiebitz

„Das Projekt „Gemeinsam für den Kiebitz“ wird im Rahmen des GSP 2023-27 vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) und der EU gefördert“.

Rückfragehinweis

Lisa Lugerbauer, BirdLife Österreich 1150 Wien, Diefenbachgasse 35/1/6 Mobil: +43 (0) 699 181 555 65 lisa.lugerbauer@birdlife.at

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