Vogel des Jahres

Jeder Kiebitz zählt: Halbierung des Bestands in nur 25 Jahren

Dr. Susanne Schreiner23.02.2026
Kiebitz in Wiese
© Michael Dvorak

PRESSEAUSSENDUNG

Wien, 23.02.2025 – In den nächsten Wochen kehren die Kiebitze (Vanellus vanellus) aus ihren Überwinterungsgebieten im Mittelmeerraum zurück nach Österreich. Es werden nur noch halb so viele sein, als noch vor 25 Jahren. Der Jahresvogel 2026 zählt als Bewohner des Ackerlandes zu den stark unter Druck stehenden Feld- und Wiesenvögeln, denen es von allen Vogelartengruppen Österreichs am schlechtesten geht. Diese leiden vor allem unter der Intensivierung der Landwirtschaft und dem Lebensraumverlust geeigneter Brut- und Nahrungsflächen im ländlichen Raum. Doch dem optisch sehr auffälligen Kiebitz kann unter die Flügel gegriffen werden, wie die österreichweite Initiative „Gemeinsam für den Kiebitz“ unter der Federführung der Vogelschutzorganisation BirdLife Österreich und dem Verein thema: natur zeigt.

Die Kiebitze gehören zu den Kurzstreckenziehern unter den Zugvögeln. Ab Mitte Februar ziehen sie vom Mittelmeerraum in das offene Agrarland, entlang Tallandschaften großer Flüsse und Seen in den Niederungen Österreichs oder weiter in den Norden.

„Aktuell sind Gruppengrößen von bis zu 300 Kiebitzen in Vorarlberg, Ober- und Niederösterreich sowie auch im Burgenland zu beobachten“, weiß Daniel Leopoldsberger, Projektverantwortlicher bei BirdLife Österreich. „Im März vergangenen Jahres wurde der größte gemeldete Trupp mit rund 2.000 Kiebitzen im Nordburgenland dokumentiert. Eine nahezu unglaubliche Anzahl, denn aktuell gehen wir von rund 3.800–6.900 Brutpaaren österreichweit aus, das sind um 57 Prozent weniger als 1998 (Quelle: Monitoring der Brutvögel Österreichs, BirdLife Österreich 2024)“, so Leopoldsberger.

Der Kiebitz gilt daher in Österreich laut Roter Liste als potenziell gefährdet und ist auf der BirdLife-Ampelliste in der Kategorie mit der höchsten Handlungspriorität geführt.

Warum ist die Brutzeit für den Kiebitz problematisch?

Da bereits einzelne Kiebitz-Männchen mit ihren charakteristischen Ausdrucksflügen beginnen, wird die sehr empfindliche Phase der Balz und anschließenden Brutzeit eingeläutet: Viele Gelege werden in dieser Zeit unbeabsichtigt durch landwirtschaftliche Bewirtschaftung zerstört.

„Auf Äckern ist es die Bodenbearbeitung, das Vorbereiten des Bodens, das Einsäen und zum Teil auch die Düngung der Flächen, die die Nester zerstört, noch bevor die Küken schlüpfen können. Im Grünland ist es vor allem die frühe Mahd“, so Leopoldsberger. „Weil der Kiebitz ab März seine Eier bevorzugt auf unbebaute Äcker ablegt und dort brütet, gerät er seit Jahrzehnten in die Mühlen der modernen Technik der Feldbewirtschaftung. Viele Erstgelege des Bodenbrüters werden zumeist vollständig durch die maschinelle Bewirtschaftung im April vernichtet.“

Welche Lösungsansätze gibt es, um die Kiebitze zu schützen?

Diese für den Kiebitz lebensbedrohenden Abläufe können mittels einfacher Maßnahmen gestoppt werden. „Gezielter Lebensraumschutz für den Kiebitz umfasst etwa das Anlegen und die Erhaltung von Sutten, Brachen sowie von Feuchtwiesenresten in der Ackerlandschaft. Das Einrichten sogenannter von bis Mitte Juni unbewirtschafteter „Kiebitz-Inseln“ in Feldern hat sich vielfach bewährt. Ein verzögertes Ansähen von Mais oder Soja bis zum 10. Mai verhilft Kiebitz-Kolonien zu gutem Schlupferfolg der Erstgelege. Zusätzlich ist das Abstecken von aktuellen Neststandorten, um sie bei der Bearbeitung auszusparen, eine wirksame lokale Maßnahme, um den Bruterfolg zu erhöhen“, so Projektleiter Leopoldsberger: „Kiebitz-Schutz kann in moderner Feldbewirtschaftungstechniken bestens funktionieren, weil: Jeder Kiebitz zählt!“

Weiterführende Links

Vogelporträt zum Kiebitz

Podcastfolge über den Kiebitz

„Das Projekt „Gemeinsam für den Kiebitz“ wird im Rahmen des GSP 2023-27 vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) und der EU gefördert“.

Rückfragehinweis

Dr. Susanne Schreiner, Pressesprecherin BirdLife Österreich 1150 Wien, Diefenbachgasse 35/1/6 Mobil: +43 (0) 699 181 555 65 susanne.schreiner@birdlife.at

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