Naturschutzpolitik

Renaturierung ausgebremst: Österreichs Wiederherstellungsplan mit gravierenden Lücken

Auf diesem Foto sehen sie eine BirdLife-Mitarbeiterin namens Lisa Lugerbauer.
Lisa Lugerbauer, BA19.10.2026
Eine Uferschnepfe watet im Wasser eines naturnahen Teichs.
Renaturierung hilft, das Überleben der Uferschnepfe zu sichern.
© Samuel Schnierer

PRESSEAUSSENDUNG

BirdLife Österreich kritisiert im Zuge der öffentlichen Konsultation gravierende Lücken und fehlende Finanzierung und fordert konkretere Maßnahmen, verbindliche Ziele für die Wiederherstellung der Natur und ausreichend finanzielle Mittel.

Wien, 19.20.2026 – Österreich hat seinen Entwurf für den nationalen Wiederherstellungsplan (WHP) am 1. September 2026 an die Europäische Kommission übermittelt. Doch statt eines ambitionierten Fahrplans zur Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme liegt ein in wesentlichen Bereichen unvollständiges Dokument vor. Die Vogelschutzorganisation BirdLife Österreich kritisiert in einer offiziellen Stellungnahme vom 15.10.2026, dass zahlreiche fachliche Empfehlungen und gemeinsam erarbeitete Maßnahmen aus dem Beteiligungsprozess nicht berücksichtigt wurden. Besonders schwer wiegen fehlende Maßnahmen für geschützte Lebensräume und Arten sowie die weiterhin ungeklärte Finanzierung.

„Die Wiederherstellung unserer Natur ist keine freiwillige Zusatzaufgabe, sondern eine Investition in unsere Zukunft. Umso enttäuschender ist es, dass der vorliegende Plan trotz intensiver fachlicher Vorarbeiten wesentliche Lücken aufweist. Österreich muss jetzt dringend nachbessern“, stellt Gábor Wichmann, Geschäftsführer von BirdLife Österreich klar.

Fachliche Vorarbeiten unzureichend berücksichtigt

Seit der Verabschiedung der EU-Wiederherstellungsverordnung 2024 arbeiten die Mitgliedstaaten an nationalen Plänen zur Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme. BirdLife Österreich brachte seine langjährige Expertise aus Forschung, Vogelmonitoring und Naturschutzprojekten intensiv in die Erarbeitung des österreichischen Plans ein. Die Organisation beteiligte sich an Arbeitsgruppen zu geschützten Arten und Lebensräumen, Landwirtschaft, Wald und städtischen Ökosystemen und unterstützte überdies WWF Österreich bei der Auswahl relevanter Fließgewässerabschnitte.

Dennoch fehlen im übermittelten Entwurf wesentliche, gemeinsam erarbeitete Inhalte. Besonders kritisch ist, dass der Abschnitt zu den geplanten Maßnahmen für geschützte Lebensräume und Arten bislang überhaupt nicht vorgelegt wurde.

„Da stellt sich die Frage, welchen Stellenwert der Artenschutz bei den Verantwortlichen tatsächlich hat. Es geht um weit mehr als den Schutz einzelner Arten und Lebensräume: Es geht um das ökologische Gleichgewicht, das zunehmend an seine Grenzen stößt – und damit um nichts weniger als unsere gemeinsame Zukunft“, stellt Wichmann klar.

Auch bei den landwirtschaftlichen Lebensräumen, die besonders stark vom Verlust der Artenvielfalt betroffen sind, bleibt der Entwurf vage: Konkrete Maßnahmenpakete, verbindliche Flächenziele und regionale Schwerpunkte fehlen, obwohl dazu in der Arbeitsgruppe gemeinsam wesentliche Vorarbeiten geleistet wurden. Wie der dramatische Rückgang gefährdeter Feld- und Wiesenvögel gestoppt werden soll, bleibt damit völlig offen. Der Abschnitt zu städtischen Ökosystemen wurde überhaupt erst nach der Übermittlung des Plans an Brüssel veröffentlicht, ist jedoch weiterhin unvollständig.

Finanzierung weiterhin ungeklärt

Neben den inhaltlichen Defiziten sieht BirdLife Österreich vor allem die fehlende Finanzierung als zentrales Problem. Während EU-weite und nationale Sparvorgaben die Diskussion bestimmen, wird die notwendige Summe für Investitionen in notwendige Renaturierungsmaßnahmen nicht genannt.

„Naturschutz ist keine finanzielle Belastung ohne Gegenwert. Intakte Ökosysteme schützen uns vor Hochwasser, halten wertvolles Niederschlagswasser in der Landschaft, sichern die Grundlagen einer nachhaltigen Landwirtschaft und machen unsere Wälder widerstandsfähiger gegenüber der Klimakrise. Wer heute bei der Wiederherstellung der Natur spart, riskiert morgen deutlich höhere Kosten“, warnt Wichmann.

BirdLife fordert rasche Nachbesserungen

Nun liegt es an der Europäischen Kommission, den Entwurf zu prüfen. Bis zur vorgegebenen Fertigstellung im Spätsommer 2027 bleibt wenig Zeit. BirdLife Österreich fordert einen vollständigen Wiederherstellungsplan samt ausreichend Zeit für die öffentliche Konsultation der nachgereichten Planbestandteile, mit konkreten, überprüfbaren Maßnahmen, verbindlichen Zielen und einer gesicherten Finanzierung, nicht nur durch die EU und private Geldgeber, sondern auch durch Bund und Länder. Die Vogelschutzorganisation wird den weiteren Prozess kritisch begleiten und sich im Rahmen der öffentlichen Konsultationen weiterhin für eine ambitionierte Wiederherstellung der Natur einsetzen.

Rückfragehinweis

Lisa Lugerbauer, Leitung Kommunikation BirdLife Österreich 1150 Wien, Diefenbachgasse 35/1/6 Mobil: +43 (0) 660 6726537 lisa.lugerbauer@birdlife.at

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