PRESSEAUSSENDUNG
Wien, 14. Jänner 2026 – Erneuter Fall von Wildtierkriminalität im Bezirk Neusiedl (Burgenland)! Zwei geschützte Waldohreulen wurden Ende November 2025 im Gemeindegebiet St. Andrä am Zicksee nachweislich erschossen. Damit bestätigt der Bezirk Neusiedl am See einmal mehr seinen traurigen Ruf als Brennpunkt von Wildtierkriminalität. BirdLife Österreich erstattete Anzeige gegen Unbekannt und fordert in diesem Zusammenhang einmal mehr eine umfassende Evaluierung und Reform der Jagdaufsicht.
Am 26. November 2025 wurde dem Projektpartner WWF Österreich der Fund zweier toter Greifvögel gemeldet. Vor Ort bot sich den BirdLife-Ornitholog:innen ein grausames Bild: Zwei Waldohreulen wurden am Rand eines Teiches im Gemeindegebiet von St. Andrä am Zicksee (Bezirk Neusiedl) tot aufgefunden, beide mit offensichtlichen Blutspuren im Gefieder. Die Röntgenbilder zeigen nun zweifelsfrei, dass die Vögel mit Schrot erschossen wurden.
„Einer der Waldohreulen wurde offensichtlich in den Kopf geschossen, das Röntgenbild zeigt über 50 Schrotkugeln im Kopfbereich“, so Johannes Hohenegger, Experte für Greifvogelschutz bei BirdLife Österreich: „Die andere Eule hatte Schrotkörner in Flügel und Bein sowie mehrere Knochenbrüche.“
Wie alle wildlebenden Vogelarten ist auch die Waldohreule im Burgenland geschützt. Gemäß § 2 der Burgenländischen Wildstandregulierungsverordnung 2017 unterliegt die Waldohreule, wie alle Tag- und Nachtgreifvögel, dem Jagdrecht und ist ganzjährig geschont, weshalb Fang und Tötung verboten sind. Daher erstattete BirdLife Anzeige nach §222 Tierquälerei StGB sowie wegen Verstoßes gegen das burgenländische Jagdgesetz.
Neusiedl am See – trauriger Hotspot der Wildtierkriminalität
Allein im Jahr 2025 wurden BirdLife Österreich im Bezirk Neusiedl am See neben den Waldohreulen zahlreiche weitere Fälle von illegaler Nachstellung bzw. Tötung gemeldet: zwei erschossene Mäusebussarde, mehrere Greifvogel-Fallen, zum Teil mit gefangenen Mäusebussarden bzw. in einem Fall mit einer Elster als Lebendköder. Weiters konnte der Einsatz verbotener Lockgeräte bei der Wachteljagd umfassend dokumentiert werden.
„Darüber hinaus wurden in den vergangenen Jahren auch streng geschützte Arten wie Kaiseradler oder Kornweihe illegal getötet. Obwohl die Anzahl der bekannten Fälle bereits erschreckend ist, dürfte dies nur die Spitze des Eisbergs sein - es ist zu befürchten, dass die Dunkelziffer ein Vielfaches höher ist!“, so Hohenegger.
BirdLife und WWF fordern Reform der Jagdaufsicht
BirdLife Österreich hat im aktuellen Fall Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Neben einem längst überfälligen nationalen Aktionsplan gegen Wildtierkriminalität fordern die Organisationen konsequente Maßnahmen auf regionaler und lokaler Ebene, um dieses Problem wirksam zu bekämpfen. Insbesondere beim Fallenfang fehle es im Burgenland an klaren gesetzlichen Bestimmungen, welche einen arten- und tierschutzkonformen Einsatz gewährleisten. Zudem greife das aktuelle Kontrollsystem der Jagd offenbar zu kurz, so BirdLife.
„Eine umfassende Evaluierung und Reform des Jagdaufsichtssystems, das die Einhaltung der jagdrechtlichen Bestimmungen gewährleistet, ist dringend notwendig. Vor allem in Hotspot-Regionen scheint das bestehende Aufsichtssystem – nicht zuletzt aufgrund der lokalen Verankerung – regelmäßig zu versagen“, so Johannes Hohenegger und weiter: „Unabhängige, revierfremde Jagdaufseher:innen könnten mögliche Interessenkonflikte vermeiden und konsequent gegen illegale Praktiken wie Abschüsse, Fang oder die Nutzung verbotener Lockmethoden vorgehen. Aktuell sind konsequente Kontrollen zwingend notwendig, um Greifvögel und andere bedrohte Arten nachhaltig zu schützen sowie illegale Handlungen wirksam zu unterbinden!“
Meldemöglichkeiten
Für eine lückenlose Aufklärung sind Hinweise aus der Bevölkerung essenziell. Wer verdächtige Beobachtungen im Zusammenhang mit Wildtierkriminalität macht oder Hinweise auf illegale Tötung geschützter Arten hat, wird gebeten, sich zu melden. Jede Information kann helfen, die Täter:innen zur Rechenschaft zu ziehen.
BirdCrime Hotline: +43 660 869 2327
E-Mail: meldung@wildlifecrime.at
Anonyme Meldeplattform: https://c07.aygonet.org/anonyme-meldeplattform-fuer-wildtierkriminalitaet/
Grenzüberschreitendes EU-LIFE-Projekt „wildLIFEcrime“
Im Rahmen des EU-geförderten wildLIFEcrime-Projekts (LIFE22-GIE-DE-wildLIFEcrime) arbeiten 13 Organisationen aus Österreich und Deutschland an der Reduktion der Wildtierkriminalität. Eine Koalition aus Naturschutzverbänden, Polizei, Universitäten, Behörden und Veterinärmedizinern setzt sich für den besseren Schutz gefährdeter Arten ein, wodurch dieses Projekt bis 2028 dazu beitragen soll, die Wildtierkriminalität in Deutschland und Österreich zu reduzieren.
Weiterführende Links: Das Projekt wildLIFEcrime – wildLIFEcrime
Rückfragehinweis
Dr. Susanne Schreiner, Pressesprecherin BirdLife Österreich 1150 Wien, Diefenbachgasse 35/1/6 Mobil: +43 (0) 699 181 555 65 susanne.schreiner@birdlife.at
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