
Gelegeschutz Waasen - Hanság und Parndorfer Platte - Heideboden 2025/2026
Dank Förderungen durch die EU und das Land Burgenland werden seit 2013 über die Naturschutzabteilung des Landes aus Fördertöpfen der Ländlichen Entwicklung, des Landschaftsfonds und des ÖPUL alljährlich konkrete Maßnahmen zum Schutz der Wiesenvögel in den Europaschutzgebieten „Waasen - Hanság“ und „Parndorfer Platte - Heideboden“ umgesetzt. 2025 und 2026 wurden die jeweils einjährigen Projekte aus der Sonderrichtlinie des Landes Burgenland zur Umsetzung EU/Land - finanzierter Projektmaßnahmen der Ländlichen Entwicklung im Rahmen des GAP-Strategieplans Österreich 2023-2027 - Naturschutz gefördert (Projekt-Anträge LE-78-03-BGLD-2024-33658 sowie LE-78-03-BGLD-2025-55203).

Von zentraler Bedeutung ist die Regelung der Mahdtermine im Grünland, die durch finanzielle Abgeltung an die Bewirtschafter:innen nach den Bedürfnissen des Schutzes von Gelegen und Jungvögeln der Wiesenvögel jahreszeitlich angepasst werden können. Ausgangsbasis dafür ist ein Mähplan der alljährlich aufgrund der Kartierungen ausgewählter Wiesenvogelarten erstellt wird. Wichtige Partner dabei sind die Grundeigentümer:innen und Bewirtschafter:innen, die Jägerschaft, der Verein BERTA, sowie BirdLife Österreich, die zum Wohl der Vogelwelt zusammenarbeiten. BirdLife Österreich führt die Vogelerhebungen durch und erstellt den Mähplan, der durch den Verein BERTA an die Landwirt:innen kommuniziert wird. Bei der Erhebung werden durch direkte Beobachtungstätigkeit aber auch mittels Wildtierkameras, die Gelege und Aufzuchtgebiete der Wiesenvögel lokalisiert sowie der Bruterfolg festgestellt. Seit 2025 kommt auch eine Wärmebilddrohne zum Einsatz, die die Verortungen exakter macht und damit auch bei der Wiesenmahd eine räumlich genauer abgestimmte Vorgehensweise ermöglicht. Naturschutzfachliche Schutzaspekte und der enorme zeitliche Aufwand lassen einen Drohneneinsatz aber nur im beschränkten Ausmaß zu. Flankierend werden weitere Maßnahmen gesetzt, die gezielt
Strukturen in die Landschaft einbringen. Dies umfasst die Anlage von Brachstreifen, das Belassen von Wiesenrandstreifen und ein gezieltes Einbringen von Kleingehölzen. Der Kommunikation der Akteure untereinander wird ebenfallsbesonderes Augenmerk geschenkt.
Durch die Maßnahmen haben sich teils wesentliche Verbesserungen für Großtrappe, Wiesenweihe, Rohrweihe, Kaiseradler, Sumpfohreule, Wachtelkönig, Schwarzkehlchen und Grauammer ergeben. Die Gelege von Großem Brachvogel, Rotschenkel und Braunkehlchen sind vor Mahdverlusten ebenfalls weitgehend gesichert, allerdings ist bei diesen Arten trotzdem der Bruterfolg (sehr) gering. Ungünstige Wasserstandsverhältnisse und vermutete Prädation sind nachteilige Faktoren. Der Einfluss der örtlichen Beweidung ist differenziert zu bewerten und kann derzeit nicht abschließend beurteilt werden. Insbesondere den Einflüssen dieser Faktoren wird in Zukunft gezielt Aufmerksamkeit geschenkt werden.
Hintergrundinformationen
Lebensraum
Der Hanság oder Waasen im Grenzgebiet Österreich/Ungarn zwischen den Ortschaften Pamhagen, Andau, Osli und Lébény stellt ein ehemals ca. 560 km² großes Niedermoorgebiet dar, das durch großflächige Entwässerungsmaßnahmen im 19. und 20. Jahrhundert stark verändert wurde. Etwa 100 km² umfasst der Anteil im heute in Österreich liegenden Gebiet, knapp 2/3 davon entfielen im ausgehenden 18. Jahrhundert auf Sumpfflächen, denen im Ausmaß von 1/3 Wiesen und Weiden vorgelagert waren. Die ehemalige Nutzung des Gebiets für Torfabbau, traditionelle Heumahd, extensive Beweidung, Schilfgewinnung und Fischerei hat sich zugunsten einer modernen Grünlandbewirtschaftung, Ackerwirtschaft und Viehhaltung verändert. Damit einhergehend hat sich die Landschaft gewandelt: Heute prägen einige wenige ursprüngliche Wiesenbestände mit Pfeifengras, Grünlandflächen aus Ackerstilllegungen, Standweiden und Ackerflächen mit Gemüse-, Mais- und Getreideanbausowie Kleingehölze und Windschutzstreifen die Landschaft.
Die Vogelwelt Ungeachtet vieler Veränderungen beherbergt der Hanság als vogelartenreichstes Wiesengebiet Österreichs auch heute noch eine Vielzahl teils hochgradig gefährdeter Vogelarten, die vor allem bezüglich der Großtrappe schon seit den 1970er Jahren Schutzbemühungen erfahren. Das ca. 140 ha große ehemalige Trappenschutzgebiet wurde 1993 als Bewahrungszone „Waasen - Hanság“ des Nationalparks Neusiedler See - Seewinkel ausgewiesen. Um dem Schutz weiterer Wiesenvögel Rechnung zu tragen, wurde 2008 das Europaschutzgebiet „Waasen - Hanság“
im Ausmaß von ca. 3000 ha eingerichtet. 13 Vogelarten werden als konkrete Schutzgüter ausgewiesen, darunter die lokalen Brutvögel Weißstorch (Ciconiaciconia), Wiesenweihe (Circus pygargus), Kaiseradler (Aquila heliaca), Wachtelkönig (Crexcrex), Großtrappe (Otis tarda), Großer Brachvogel (Numenius arquata), Sumpfohreule (Asioflammeus), Blaukehlchen (Luscinia svecica) und Braunkehlchen (Saxicola rubetra). Als Nahrungsgäste, Durchzügler und winterliche Besucher umfasst der Schutz auch Seeadler (Haliaeetus albicilla), Kornweihe (Circus cyaneus), Rotfußfalke (Falco vespertinus) und Merlin (Falco columbarius). Aktuelle Schutzbemühungen betreffen weitere Arten mit regional bedeutenden Beständen wie etwa Tüpfelsumpfhuhn (Porzana porzana), Bekassine (Gallinago gallinago), Rotschenkel (Tringa totanus), sowie Schwarzkehlchen (Saxicola rubicola), Neuntöter (Lanius collurio) und Grauammer (Emberiza clandra). Die zwei erstgenannte Feuchtgebietsarten haben derzeit aber keine Brutvorkommen als Folge nachteiliger Wasserstandsverhältnisse.
Die reichhaltige Vogelwelt mit insgesamt über 100 möglichen bzw. gesicherten Brutvogelarten und vielen weiteren Durchzüglern und Nahrungsgästen zieht alljährlich eine Vielzahl an vogelkundlich interessierten Menschen und Naturtourist:innen an. Dank klarer Wegegebote, Beobachtungseinrichtungen und Aufsichtsdiensten seitens des Nationalparks „Neusiedler See - Seewinkel“ steht dieser „Vogeltourismus“ weitgehend im Einklang mit den Schutzzielen.
