Die Trendpflanze bei der Heckenpflanzung in der modernen Gartengestaltung schlechthin ist die Lorbeerkirsche (Prunus laurocerasus), auch Kirschlorbeer genannt. Ihr großes, glänzendes, immergrünes Laub bildet eine blickdichte grüne Mauer und wird deshalb nur allzu oft entlang von Grundstücksgrenzen gepflanzt. Dabei gibt es viele vogel- und insektenfreundlichere Alternativen, die ebenfalls sehr schnittverträglich sind und perfekte Hecken bilden. Denn die Lorbeerkirsche hat ökologisch wenig Wert und wird darüber hinaus auch als potentiell invasiv eingestuft - vom Naturschutzbund wurde sie sogar zum "Neophyt des Jahres 2026 gewählt"
Ähnliches Erscheinungsbild und lange grün: Gemeiner Liguster
Der Gemeine Liguster (Ligustrum vulgare) ist wohl die heimische Alternative, die am nächsten liegt, da er der Lorbeerkirsche sehr ähnelt. Der bis zu 4,5 m hohe und dicht verzweigte Strauch wirft sein Laub erst spät im Winter ab und treibt bereits im Frühfrühling wieder aus. So dient er im Garten als guter Sichtschutz und Nistmöglichkeit. Eine typisch wintergrüne Art ist der Liguster zwar nicht, viele Sorten zielen aber darauf ab, lange Laub zu tragen. Im Mai beginnt der Strauch weiß zu blühen, duftet stark süß und lockt dadurch viele verschiedene Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten an. Er blüht an den einjährigen Trieben, deswegen kommt sein Wert für blütenbesuchende Insekten besser an Wildhecken zum Tragen, die seltener geschnitten werden. Ab September reifen die kleinen, runden, schwarzen Früchte, die schwach giftig sind (vor allem für Menschen und Säugetiere), aber dennoch gern Winternahrung von Vögeln wie Amseln, Rotkehlchen oder Gimpeln genutzt werden.

Sicherer Brutplatz: Eingriffeliger und Zweigriffeliger Weißdorn
Diese beiden nahe verwandten Arten (Crataegus monogyna und laevigata) zählen zu den besten Vogelsträuchern. Ist man bereit, lange Zeit grüne Blätter gegen eine leuchtendgelbe Herbstfärbung einzutauschen, ist der Weißdorn die beste Wahl. Aufgrund des Klimawandels und der immer längeren Trockenphasen ist zum Eingriffeligen Weißdorn (Crataegus monogyna) zu raten, da dieser besser mit warmen und trockenen Standorten zurechtkommt. Beide Arten besitzen Dornen, wodurch sie für Vögel als Brutgehölz besonders attraktiv sind. Durch die Dornen bieten die Sträucher einen Ort, der vor Fressfeinden schützt und in dem Jungvögel sicher großgezogen werden können. Besonders in Gärten mit viel „Katzenverkehr“ kann der Weißdorn einen natürlichen Schutz bieten. Zusätzlich verbreiten die weißen Blüten im gesamten Garten einen angenehmen Duft und bieten wertvolle Nahrung für eine Vielzahl unterschiedlichster Insekten. Die roten Früchte reifen ähnlich wie die des Ligusters im September und bleiben bis in den Winter an den Sträuchern hängen. Sie werden von einer Reihe von Vogelarten gerne gefressen, neben verschiedenen Drosseln und Finken auch von einem seltenen Wintergast, dem Seidenschwanz. Aber auch für Menschen ist die Frucht essbar und schmeckt besonders gut als Marmelade oder Sirup.

Immergrün: Europäische Eibe
Falls die Notwendigkeit einer immergrünen Hecke für einen ganzjährlichen Sichtschutz besteht, ist die heimische Eibe (Taxus baccata) der geeignete Kandidat. Sie ist sehr schatten- und trockenheitstolerant, und im Gegensatz zu vielen anderen Nadelgehölzen duldet die Eibe starke Rückschnitte und treibt schnell wieder aus. Die Samen der Eibe sind von einem, in der Vogelwelt beliebten, Samenmantel (Arillus) umgeben. Vor allem Stare und verschiedene Drosselarten zeigen großes Interesse an der roten Mahlzeit und verteidigen die Sträucher sogar. Beim Kauf einer Eibe ist zu bedenken, dass sie zweihäusig ist und es somit männliche und weibliche Individuen gibt. Es kann also sein, dass eine einzelne gekaufte Eibe niemals Früchte tragen wird. Außerdem sollte man wissen, dass alle Pflanzenteile bis auf den roten Samenmantel giftig sind.

Warum überhaupt Alternativen?
Oft hört man: „Lorbeerkirschen sind doch eh extrem ökologisch, bei mir summt‘s und singt‘s in den Sträuchern die ganze Zeit“. Diese Aussage ist auch nicht völlig falsch, denn die Blüten werden sehr wohl von Bienen und Hummeln angeflogen, allerdings kaum von anderen Insekten. Zudem fressen verschiedene Drosselarten die Früchte. Genau deshalb ist das Pflanzen einer Lorbeerkirsche kritisch. Die blausäurehaltigen Kerne werden unverdaut ausgeschieden und keimen, wodurch sich der bereits in Gärten weit verbreitete Strauch noch mehr Boden erobert. Aus diesem Grund zählt die Lorbeerkirsche zu den invasiven Pflanzen und ihr Ausbringen wurde in der Schweiz bereits 2024 verboten. Alle Pflanzenteile sind giftig, auch die Blätter, die auf Grund des hohen Blausäuregehaltes schlecht kompostierbar sind. Beim nächsten Pflanzenkauf sollte deshalb lieber zu einer oben genannten ökologischeren Pflanze gegriffen werden, um die unkontrollierte Expansion von Prunus laurocerasus in Schach zu halten.
Haben Sie das gewusst?
"Damit die Vögel in Ihrem Garten ungestört ihre Nester bauen und Jungtiere aufzuziehen können, sollten Sie auf einen Heckenschnitt zwischen Anfang März und Anfang September verzichten."
Evelyn Hofer, MSc
Bildung & Vogelschutz ums Haus










