Seit einigen Jahren wird der Internationale Tag der Streuobstwiese am letzten Freitag des Aprils gefeiert. Dieses Jahr möchten wir Ihnen passend zur Feier dieser artenreichen Kulturlandschaft fünf Obstarten vorstellen, die Sie, auch wenn Sie nicht den Platz für eine Streuobstwiese zur Verfügung haben, in Ihrem Garten pflanzen und ihn dadurch ökologischer, vogel- und insektenfreundlicher gestalten können.
Warum werden Streuobstwiesen gefeiert?
Seit jeher erfüllen Streuobstwiesen eine wichtige ökologische Funktion. Sie gehören zu den artenreichsten heimischen Lebensräumen und dienen als Refugium für gefährdete Arten. Von ihnen profitieren neben Vögeln ebenso Insekten und Säugetiere, wie beispielsweise Igel und Siebenschläfer. Leider werden heutzutage kaum mehr Streuobstwiesen angelegt, da der kommerzielle Obstanbau immer mehr in den Vordergrund rückt. Die verbliebenen ursprünglichen Streuobstwiesen sind wahre Naturoasen, Wohlfühlorte und speziell erhaltenswerte Lebensräume.
Der Kulturapfel
Das typischste Gehölz einer Obstwiese ist mit Sicherheit der Kulturapfel (Malus domestica). Sein Wuchs variiert je nach Sorte und verwendeter Unterlage. Der Apfelbaum-Hochstamm ist die klassische und empfehlenswerte Form, da er Struktur in den Garten bringt und Vögeln Schutz bietet. Vielfältigere Strukturen bilden vor allem alte Apfelsorten. Darüber hinaus sind sie im Allgemeinen robuster, benötigen keine Behandlung mit Pestiziden und liefern Tieren kleinere Früchte. Die genannten Vorteile gelten für folgende Sorten: Bittenfelder Sämling, Rote Sternrenette, Weißer Wintertaubenapfel.
Im phänologischen Kalender leiten die weißen bis zart rosa Blüten den Vollfrühling ein und sind nicht nur ein echter Hingucker für den Menschen, sondern bieten auch Honig- und Wildbienen ein Festmahl. Auch wenn es verlockend ist, alle reifen Äpfel zu pflücken und zu verarbeiten, freuen sich zahlreiche Vögel im Herbst und Winter über Äpfel, die noch am Baum hängen geblieben sind, oder auch über Falläpfel am Komposthaufen.
Oder probieren Sie die „Wildform“ des Kulturapfels, den Holzapfel (Malus sylvestris). Seine Früchte sind besonders beliebt bei Drosseln. Er kann als Baum erzogen werden, ziert als Strauch aber auch bunte Naturhecken. Die sehr nektar- und pollenreichen Blüten des Holzapfels sind ein besonderer Insektenmagnet.

Die Kulturbirne
Obwohl man sprichwörtlich Äpfel nicht mit Birnen vergleichen soll, sind Birnbäume im ökologischen Sinn genauso wertvolle Futterquellen wie Apfelbäume. Ähnlich wie beim Kulturapfel variieren auch bei der Kulturbirne (Pyrus communis) die Höhe und der Wuchs stark je nach Sorte und Unterlage. Die Höhe, die ein Birnbaum erreichen kann, liegt zwischen 5-15 m. Geeignete alte Sorten sind folgende: Mostbirne, Gute Luise, Pastorenbirne.
Wenn Sie kein:e ausgesprochene:r Birnenliebhaber:in sind, bietet es sich an, die „Wildform“, die Holzbirne (Pyrus pyraster) in Ihren Garten zu holen. Durch ihre Dornen wird sie zur sicheren Kinderstube für Jungvögel.
Die Süßkirsche
Wer von uns erfreut sich im Frühling nicht an den wunderschönen Blüten der Kirschbäume? Für Streuobstwiesen typisch sind die zwei Unterarten Prunus avium subsp. juliana und duracina.
Pirole und Amseln lieben die weiß-gelb bis dunkelroten Früchte. Auch die Kerne werden nicht verschmäht, sie werden von Kernbeißern geknackt, um das Innere zu fressen. Der Genuss der Kerne ist für Menschen nicht zu empfehlen, weil sie Blausäure enthalten. Als Kissenfüllung hingegen sind sie hervorragend geeignet.
Generell ziehen Kirschbäume abgesehen von Vögeln auch Wildbienen an. Die Wildform subsp. avium, wird häufig auch Vogelkirsche genannt, was schon zeigt, dass ihre kleinen Früchte für Vögel besonders attraktiv sind, weniger jedoch für den Menschen.

Die Echte Mispel
Wer gerne eine Besonderheit im eigenen Garten anbauen möchte, sollte die Mispel (Mespilus germanica) in Erwägung ziehen. Der mit nur 3-6 m hohe Kleinbaum punktet mit seinem knorrigen Wuchs, den die Mispel mit voranschreitendem Alter entwickelt, und wirkt so fast magisch.
Anders als der botanische Name vermuten lässt, ist die Mispel nicht ursprünglich in Österreich heimisch. Bereits die Römer haben die Mispel eingeführt, weshalb die Blüten Nahrung für ein breites Spektrum an Insekten bieten.
Die goldbraune Frucht ist in der Regel 3-5 cm groß und erst nach dem ersten Frost genießbar. Danach kann man sie entweder selbst weiterverarbeiten oder den im Winter nach Futter suchenden Vögeln überlassen. Arten, die Interesse an der Frucht zeigen, sind zum Beispiel Ringeltauben, Amseln und Kernbeißer.
Der Speierling
Innerhalb der Gattung Sorbus wird standardmäßig die Vogelbeere (Sorbus aucuparia) vorgestellt, da sie, wie der Name bereits vermuten lässt, eine Nahrungsquelle darstellt, die bei verschiedensten Vogelarten äußerst beliebt ist. Passender für den Obstgarten oder die Streuobstwiese ist jedoch der Speierling (Sorbus domestica). Er ist, wie auch die Mispel, eine Rarität und zählt zu den seltensten Bäumen Österreichs. Somit ist die Pflanzung eines Speierlings nicht nur eine Vogelschutzmaßnahme, sondern sichert zugleich den Bestand des Baumes, der langsam wächst und eine Höhe bis zu 15 m erreichen kann.
An den apfelähnlichen Früchten, die erst nach dem ersten Frost gegessen werden sollten, erfreuen sich viele Drosselarten und Stare, weshalb der Speierling auch als ein sehr gutes Vogelgehölz angesehen wird.
Ein Garten, der Tiere willkommen heißt
Wenn Sie in Ihrem Garten Ihr eigenes kleines "Naturschutzgebiet" anlegen möchten, lassen Sie Früchte am Baum hängen und in der Wiese liegen. Strengen Sie sich nicht zu sehr beim Laubrechen an, denn ein sauberer Garten ist kein bietet wenig Nahrung und Lebensraum für Tiere.
Das Pflanzen von jungen Obstbäumen ist eine Investition in die Zukunft Ihres Gartens, denn je älter die Bäume werden, umso höher wird auch ihr ökologischer wert. Oft entstehen in ihnen natürliche Baumhöhlen, die von höhlenbrütenden Vogelarten, wie zum Beispiel Gartenrotschwanz, Wiedehopf und Specht als natürliche Nistplätze geschätzt werden. Wenn Sie alte Obstbäume in Ihrem Garten oder auf Ihrem Grundstück haben, freuen Sie sich über diesen Naturschatz und erhalten Sie die Bäume unbedingt, auch wenn sie nicht mehr so viel tragen!
Stirbt ein Baum ab, entfernen Sie ihn bitte nicht. Auch in den Skeletten der Bäume finden Vögel geeignete Brutplätze, in denen Sie ihre Jungen aufziehen können. Und selbst Totholz erfüllt eine wichtige Funktion. Sollten Sie die Biodiversität in Ihrem Garten durch das Anlegen von Totholzhaufen fördern wollen, empfiehlt es sich, hier weiterzulesen.











