Nach jahrzehntelanger wissenschaftlicher Forschung und jahrelangen Kampagnen, maßgeblich vorangetrieben von BirdLife Europe, hat das Europäische Parlament den Weg für eine EU-weite Beschränkung von Bleischrot geebnet.
Mit der gestrigen Abstimmung hat das Parlament zwei Versuche zurückgewiesen, den Vorschlag der Europäischen Kommission zu blockieren. Damit kann die Beschränkung den nächsten Schritt auf dem Weg zu ihrer endgültigen Verabschiedung gehen.
44.000 Tonnen Blei gelangen jedes Jahr in die Umwelt
Blei gehört zu den giftigsten Schwermetallen und wurde deshalb bereits vor Jahrzehnten aus Benzin, Farben und Rohrleitungen weitgehend verbannt. Dennoch gelangen in der Europäischen Union jedes Jahr mehr als 44.000 Tonnen Blei durch Jagd, Sportschießen und Angeln in die Umwelt. Böden und Gewässer werden dadurch erheblich belastet.
Mit diesem Beschluss soll diese Belastung nun deutlich reduziert werden.
Die Abstimmung im Europäischen Parlament vereitelte zwei Anträge, die Beschränkung zu blockieren. Ein Antrag war bereits am Montag im Ausschuss für Umweltfragen, öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (ENVI) abgelehnt worden. Beide Anträge scheiterten anschließend auch im Plenum.
Verbot soll künftig für die gesamte EU gelten
Sobald die neue Beschränkung in Kraft tritt, soll die Verwendung von Bleischrot EU-weit verboten werden – nicht nur in Feuchtgebieten, sondern auch in der übrigen Landschaft und beim Sportschießen. Vorgesehen ist eine Übergangsfrist von sieben Jahren.
Die Regelung gilt in der gesamten Europäischen Union, im Europäischen Wirtschaftsraum und in Nordirland.
Damit wird das bereits bestehende Verbot von Bleischrot in Feuchtgebieten ausgeweitet. Dieses gilt seit dem 15. Februar 2023 in allen 27 EU-Mitgliedstaaten.
Dieser Beschluss schließt damit eine weitere wichtige Lücke beim Schutz von Umwelt und Gesundheit. Er folgt zudem auf die Abstimmung des Europäischen Parlaments zu Beginn dieses Sommers, mit der der Einsatz von Blei in Angelgeräten eingeschränkt wurde. Damit werden zunehmend die wichtigsten Wege geschlossen, über die Blei durch Jagd, Schießsport und Angeln in die europäische Umwelt gelangt.
Eine Million tote Vögel, eine Million Kinder betroffen
Die Belastung durch Bleimunition hat einerseits gravierende Folgen für die Tierwelt. Nach den vorliegenden Angaben sind mindestens 92 Vogelarten gefährdet, jährlich sterben etwa eine Million Vögel an den Folgen einer Bleivergiftung. Das ist aber nur die Spitze des Eisbergs, denn die neue Beschränkung könnte nach den zugrunde liegenden Schätzungen den Schutz für insgesamt 135 Millionen Vögel verbessern, die der Gefahr durch Bleischrot besonders ausgesetzt sind.
Am meisten profitieren davon diverse Wasservogelarten, die Bleischrot häufig als Grit zur Förderung der Verdauung aufnehmen. Aber auch Greif-, Raben- und Hühnervögel sind von Vergiftungen durch Bleischrot betroffen.
Darüber hinaus soll die Beschränkung dazu beitragen, das Expositionsrisiko für rund eine Million Kinder in der EU zu verringern. Das neurotoxische Schwermetall mindert nachweislich die Gehirnfunktion und führt bei Heranwachsenden zu unumkehrbaren Entwicklungsverzögerungen. Dabei gibt es keine unbedenkliche Aufnahmemenge und jedes bisschen Blei hat negative Auswirkungen auf die Gesundheit.
Hintergrund
BirdLife und seine Partner in ganz Europa haben seit vielen Jahren auf ein umfassendes EU-Verbot gedrängt – durch wissenschaftliche Belege, politische Lobbyarbeit und öffentliche Kampagnen, darunter die Kampagne #BanLeadNow und eine Petition, die von mehr als 60.000 Bürger:innen unterzeichnet wurde. Der ursprüngliche Vorschlag wurde aufgrund von Lobbydruck und Bedenken hinsichtlich der militärischen Verteidigungsfähigkeit deutlich eingeschränkt und die Übergangsfrist ausgeweitet. So gilt die neue Beschränkung ausschließlich für Bleischrot. Bleigeschosse (Büchsenmunition) wurden aus dem Vorschlag der Kommission gestrichen, und BirdLife wird sich weiterhin dafür einsetzen, dass auch diese beschränkt werden.












