In unserer monatlichen Reihe "Seltene Gäste in Österreich: Vogel-Highlights im..." stellen wir eine Auswahl der spannendsten Vogelbeobachtungen des letzten Monats vor, die auf ornitho.at bis zum letzten Tag des jeweiligen Monats gemeldet wurden. Diese Meldeplattform dient dazu, wissenschaftlich verwertbare bzw. naturschutzrelevante Daten über Vögel in Österreich zu sammeln. Die Dokumentationen zur Sichtung sehr selten auftretender Vogelarten werden regelmäßig von der Avifaunistischen Kommission Österreich (AFK) überprüft. Bei aktuellen Meldungen ist das noch nicht erfolgt; die Nennung hier erfolgt daher mit Vorbehalt. Über die Ergebnisse ihrer Arbeit veröffentlicht die AFK regelmäßig Berichte auf ihrer Website.
Der Herbst ist nun eindeutig in unseren Breiten angekommen und mit ihm ist auch der herbstliche Vogelzug am Höhepunkt – eine hervorragende Zeit, um nach seltenen Durchzüglern zu suchen. Im September war die Freude, einen solchen zu finden, einigen Beobachter:innen vergönnt.
Limikolen-Peak mit einigen Highlights
Zum Höhepunkt des Limikolenzugs haben sich auch heuer wieder einige Raritäten finden lassen. Dabei bestätigte sich das Rheindelta/V als herausragendes Beobachtungsgebiet: Das Highlight war dabei wohl ein Grasläufer (Calidris subruficollis) im Jugendkleid. Die Sichtung stellt bei Anerkennung durch die AFK Österreichs 24. Nachweis dar. Auch ein Triel (Burhinus oedicnemus) und ein Austernfischer (Haematopus ostralegus) konnten dort beobachtet werden. Letzterer wurde ebenso am Ossiacher See/K beobachtet. Weiters liegt eine Meldung des Teichwasserläufers (Tringa stagnatilis) aus dem Rheindelta/V vor, abseits des Seewinkels durchaus eine Rarität. Auch ein Jungvogel des Graubruststrandläufers (Calidris melanotos) konnte im Rheindelta/V ausgiebig beobachtet werden; zusätzlich wurde ein adulter Vogel dieser seltenen Art an den Großwilfersdorfer Teichen/Stmk entdeckt.
Haben Sie das gewusst?
"Der Graubruststrandläufer brütet im nördlichen und östlichen Sibirien, sowie in den Tundragebieten Nordamerikas. Männchen fliegen in der kurzen Paarungszeit des Arktischen Sommers dabei teils enorme Strecken zwischen verschiedenen Brutkolonien auf der Suche nach paarungsbereiten Weibchen. Dabei wurden Distanzen von mehr als 10.000 km nachgewiesen! Nicht minder spannend ist, dass die Art einen Kehlsack besitzt, der während der Balzflüge rhythmisch aufgeblasen und zusammengezogen wird".

Redaktionsteam
Gleichzeitig ließen sich im Rheindelta/V auch bis zu zwei Pfuhlschnepfen (Limosa lapponica) spotten. Gleich drei Individuen konnten im Seebad Breitenbrunn/B entdeckt werden, sowie ein Exemplar am Unteren Inn/O und in Hohenau/N. Von Österreichs Westen in den Osten: neben einem Sumpfläufer (Calidris falcinellus) im Seewinkel/B konnte in Hohenau/N ein weiteres Highlight des Monats entdeckt werden: Der 25. Nachweis des Steppenkiebitzes (Vanellus gregarius) für Österreich, auch diesmal ein Jungvogel. Abseits des Seewinkels durchaus rar ist der Seeregenpfeifer (Charadrius alexandrinus); am Völkermarkter Stausee/K war er kurzzeitig zugegen. Vorbehaltlich der Anerkennung durch die Avifaunistische Kommission (AKF) liegt aus dem Seewinkel auch eine Meldung des Terekwasserläufers (Xenus cinereus) vor. Zum Watvogel-Abschluss sei natürlich auch der Mornellregenpfeifer (Eudromias morinellus) erwähnt: Diese charismatische Limikole wurde sowohl inneralpin (Goldberggruppe/K/Sbg, Fischbacher Alpen/Stmk, und am Hochwechsel/Stmk) als auch außerhalb der Alpen (Waldviertel/N, Bernhardsthaler Ebene/N, Flughafen Linz-Hörsching/Ö) am Zug festgestellt.
Weitere wassergebundene Vögel, Greife und Geier
Neben vielen besonderen Limikolen konnten auch Rallenreiher (Ardeola ralloides) an drei Gewässern in Niederösterreich, dem Burgenland und der Steiermark gesehen werden. Die Raritäten unter den Seeschwalben waren im September durch eine Küstenseeschwalbe (Sterna paradisaea) und drei Brandseeschwalben (Thalasseus sandvicensis) vertreten – allesamt im Rheindelta/V. Doch nicht nur für Seeschwalben lohnte sich der Blick auf Österreichs große Seen, auch für Raubmöwen war die Jahreszeit perfekt. So konnten im Rheindelta/V, im Seewinkel/B und in Hohenau/N Schmarotzerraubmöwen (Stercorarius parasiticus) festgestellt werden, im Rheindelta/V hielt sich sogar kurz eine Falkenraubmöwe (Stercorarius longicaudus) auf.
Nun aber vom Wasser in die Luft, denn auch Greifvögel-Liebhaber:innen kamen im letzten Monat auf ihre Kosten: mit dem 32. Nachweis des Gleitaars (Elanus caeruleus) im Schweizer Ried/V gelang auch in dieser Artengruppe ein Top-Nachweis. Im Weinviertel/N und Waldviertel/N wurden Adlerbussarde (Buteo rufinus) gesehen und am Schönauer Teich, sowie bei gleich drei Gelegenheiten im Weinviertel/N konnten Schreiadler (Clanga pomarina) bestaunt werden. Auch Schlangenadler (Circaetus gallicus) hielten sich vereinzelt in Niederösterreich, Oberösterreich, Vorarlberg und dem Burgenland auf. Zum Abschluss des Geier-Sommers hatte auch der Mönchsgeier (Aegypius monachus) im September noch ein echtes Spektakel im Talon: Gleich fünf Individuen wurden ebenso wie 112 Gänsegeier von einem Schafskadaver an die Samnaungruppe/T gelockt – es handelt sich dabei um Österreichs bislang größten dokumentierten Trupp dieser Art. Einzeltiere wurden auch an der Goldberggruppe/K/Sbg,in den Lienzer Dolomiten/K/T und den Stubaier Alpen/T beobachtet.
Abschließende Ausnahmeerscheinungen und Ausblick
Durchziehende Ortolane (Emberiza hortulana) machten im Rheindelta/V, den Milser Feldern/T und im Walser Feld/Sbg halt. Eine Blauracke (Coracias garrulus) konnte im Kärntner Drautal beobachtet werden, ein Gelbbrauenlaubsänger (Phylloscopus inornatus) in Mellach/Stmk. Wie schon im Sommer, wurde auch in diesem Monat ein Sprosser (Luscinia luscinia) an einer Beringungsstation im Zuge der wissenschaftlichen Vogelberingung festgestellt – diesmal im Hartberger Gmoos/Stmk.

Der September hat bereits eindrucksvoll bewiesen, welche Raritäten zur Zeit des starken Vogelzugs in unseren Breiten auftauchen können. Der Oktober ist traditionell einer der besten Monate für extreme Raritäten, deshalb lohnt es sich bestimmt auch in nächster Zeit die Augen für Seltenheiten offen zu lassen.
Disclaimer
Vogelbeobachtung soll Freude bereiten – aber stets im Einklang mit dem Wohl der Vögel! Ein verantwortungsvolles Verhalten ist dabei unerlässlich. Absichtliche Störungen, das Beineinträchtigen von Lebensräumen sowie das bewusste Aufscheuchen oder Anlocken von Vögeln durch Klangattrappen lehnen wir entschieden ab. Eine „bessere“ Beobachtung oder ein vermeintlich „perfektes“ Foto rechtfertig so ein Verhalten unter keinen Umständen! Bitte bleiben Sie auf ausgeschriebenen und regelmäßig genutzten Wegen und vermeiden Sie das Betreten von Privatgrundstücken oder geschützten Flächen ohne Erlaubnis. Unbedachtes Verhalten kann nicht nur die beobachteten Vögel belasten, sondern auch andere Arten in der Umgebung unnötig stressen. Darüber hinaus sollten Sie als Naturliebhaber:in mit gutem Beispiel vorangehen. Rücksichtnahme ist der Schlüssel zu einem harmonischen Naturerlebnis!
Wir legen Ihnen zudem nahe, Ihre Anreise so klimafreundlich wie möglich zu gestalten – idealerweise ohne CO₂-Emissionen. Nutzen Sie öffentliche Verkehrsmittel, gehen Sie zu Fuß oder fahren Sie mit dem Fahrrad. Wenn eine Fahrt mit dem Auto notwendig ist, bilden Sie doch Fahrgemeinschaften – gemeinsam Vögel zu beobachten macht nicht nur mehr Freude, sondern schont auch die Umwelt!
Wir bedanken uns an dieser Stelle bei Linus Jerabek und Noah Pondorfer für ihre Fotos.
Beobachtungen wildlebender Vogelarten können an BirdLife über die Meldeplattform www.ornitho.at gemeldet werden. Bei sehr seltenen Vogelarten (oder Unterarten) sollte zusätzlich auch eine Dokumentation bei der Avifaunistischen Kommission von BirdLife erfolgen. Die Überprüfung durch die Kommission ist die Grundlage für die weitere Verwendung dieser Beobachtungen (z. B. in Publikationen aller Art). Welche Arten gemeldet werden sollten, ist hier ersichtlich.












