PRESSEAUSSENDUNG
BirdLife Österreich und Nationalpark Donau-Auen: Erhebungen zeigen, wie Schutzmaßnahmen Populationen stärken
Wien, 01. Juli 2026 – Die Donau-Auen östlich von Wien zählen zu den letzten großen, naturnahen Auen Mitteleuropas und sind ein zentraler Rückzugsraum für heimische Greifvogelarten. Im Rahmen eines LE-Förderprojekts des Landes NÖ führte BirdLife Österreich im Auftrag der Nationalpark Donau-Auen GmbH 2025 eine Erhebung zu horstbrütenden Vogelarten durch. Mit zwei Masterarbeiten an der Universität Wien konnten zusätzlich die Wiener Nationalparkflächen und weitere Augebiete abgedeckt werden. Mit 11 von 18 in Österreich regelmäßig brütenden Greifvogelarten und rund sieben Prozent der nationalen Kaiseradler- und Seeadlerpopulation unterstreicht der Nationalpark Donau-Auen seine herausragende Bedeutung für den Artenschutz. Die Ergebnisse zeigen jedoch auch einen Rückgang der Besiedlungsdichte einiger Arten.
Bestandsentwicklung der Greifvögel im Nationalpark Donau-Auen
„Im vergangenen Jahr haben wir im Nationalpark Donau-Auen 789 Horste kartiert, von denen 126 besetzt waren“, erörtert Gábor Wichmann, Geschäftsführer von BirdLife Österreich, die Ergebnisse der Horstkartierung und Brutbestandskontrolle. „Insgesamt konnten wir 11 der 18 regelmäßig in Österreich brütenden Greifvogelarten mit 126 Brutpaaren nachweisen. Diese hohe Anzahl verdeutlicht den ökologischen Wert des Gebietes und die Bedeutung für den Schutz und Erhalt der heimischen Greifvogelpopulationen.“ „Natürliche Prozesse sowie der Schutz der Lebensräume stehen im Nationalpark Donau-Auen im Vordergrund. Dadurch begründet sich die hohe Artenvielfalt und die gute Bestandsentwicklung bei streng geschützten Vogelarten wie Seeadler und Kaiseradler“, sagt Nationalparkdirektorin Edith Klauser.
Artenspezifische Entwicklungen
Bei den artenspezifischen Entwicklungen zeigt sich insgesamt ein differenziertes Bild: „Der Mäusebussard bleibt mit 67 Brutpaaren die häufigste Art, doch seine Siedlungsdichte hat sich seit 1989 fast halbiert. Erfreulicherweise nehmen Rotmilan (10 Brutpaare) und Seeadler (7 Brutpaare) zu. Auch der Kaiseradler ist mit 4 Brutpaaren im Gebiet vertreten. Rückläufig sind dagegen Schwarzmilan (9 Brutpaare), Wespenbussard (7 Brutpaare), Habicht (6 Brutpaare), Turmfalke (6 Brutpaare) und Baumfalke (3 Brutpaare). Stabil bleiben die Bestände von Sakerfalke (1 Brutpaar) und Sperber (6 Brutpaare)“, so Wichmann zu den bedeutendsten Bestandsentwicklungen im Nationalpark Donau-Auen sowie den weiteren Augebieten, welche untersucht wurden.
Erfolgreiche Rückkehr von Kaiseradler und Seeadler
Die Schutzbemühungen im Nationalpark Donau-Auen zeigen Wirkung: Seeadler und Kaiseradler kehrten erfolgreich zurück. Der Seeadler, in Österreich bis 1999 ausgestorben gewesen, brütet seit 2005 wieder im Nationalpark – mit 7 Brutpaaren 2025. Auch der Kaiseradler, nach fast 200 Jahren Abwesenheit im Jahr 2011 in die Donau-Auen zurückgekehrt, brütete 2025 mit 4 Brutpaaren im Gebiet. „Der Nationalpark stellt für diese Arten einen bedeutenden Rückzugsraum dar, der sich gegenüber der umgebenden intensiv genutzten Landschaft durch weitgehend störungsarme Bereiche auszeichnet. So finden Sie hier unter anderem geeignete Horstbäume in beruhigten Waldbeständen“, so Klauser zu den erfreulichen Erkenntnissen.
Schwarzmilan als typischer Vertreter der Flusslandschaften
Der Schwarzmilan, eine einstmals typische Art für dynamische Auenlebensräume in Österreich mit starker Bindung an Gewässer bei der Brutplatzwahl, zeigt einen Rückgang: 1989 wurden im Nationalpark Donau-Auen dreimal so viele Brutpaare pro 100 km² gezählt - 2025 waren es 9 Brutpaare. Dies ist ein Indikator für die sich verändernden hydrologischen Verhältnisse in der Aulandschaft östlich von Wien, die zunehmend vom Klimawandel geprägt werden. Umso wichtiger sind die Renaturierungsprojekte im Nationalpark, die wieder vermehrt durchströmte Gewässerzüge und natürliche Ufer schaffen, sowie Maßnahmen zur Stabilisierung der Flussdynamik.
Hohe Bedeutung des Schutzgebiets
Angesichts der zunehmenden Landnutzung gewinnen Schutzgebiete wie der Nationalpark Donau-Auen immer mehr an Bedeutung. Sie bieten Groß- und Greifvogelarten einen geschützten Rückzugsraum in einer zunehmend industrialisierten Kulturlandschaft. „Besonders der Nationalpark Donau-Auen, eingebettet zwischen Wien und Bratislava sowie dem Marchfeld und dem Industrieviertel, spielt eine zentrale Rolle als Brutlebensraum, Wanderkorridor und Rastgebiet für viele heimische Vögel“, so Gábor Wichmann von BirdLife Österreich. „Durch die Außer Nutzung-Stellung des Gebiets vor 30 Jahren im Zuge der Nationalparkgründung und zahlreiche ökologische Wasserbauprojekte sind wertvolle Lebensräume für die Tierwelt entstanden, die im Nationalpark auch nachhaltig bewahrt werden können“, bestätigt Nationalparkdirektorin Edith Klauser.

Rückfragehinweis
Lisa Lugerbauer, Leitung Kommunikation 1150 Wien, Diefenbachgasse 35/1/6 Mobil: +43 (0) 699 181 555 65 lisa.lugerbauer@birdlife.at
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