Naturschutzpolitik

Österreichs Feld- und Wiesenvögel im Tiefflug – weiteres Hoffen auf Trendumkehr

Auf diesem Foto sehen sie eine BirdLife-Mitarbeiterin namens Lisa Lugerbauer.
Lisa Lugerbauer, BA10.08.2026
Ein singender Girlitz.
© Michael Dvorak

PRESSEAUSSENDUNG

Wien, 10.08.2026 – Verbesserungen der biodiversitätsfördernden Maßnahmen im österreichischen Agrarumweltprogramm (ÖPUL) haben den Sinkflug unserer heimischen Feld- und Wiesenvögeln in den letzten zwölf Jahren gebremst, dennoch ist der Trend immer noch leicht abnehmend. Der Indexwert für das Jahr 2025 ist mit 53,3 Prozent der niedrigste seit 1998. Das heißt, der Bestand typischer Wiesen- und Feldvögel Österreichs hat sich seither in etwa halbiert. Das zeigt der aktuell von der Vogelschutzorganisation BirdLife Österreich veröffentlichte Bericht zum Farmland Bird Index (FBI). Am stärksten ist der Rückgang in Grünlandlebensräumen.

Aus einer Auswahl 23 häufiger Vogelarten der Kulturlandschaft wird im Auftrag des Landwirtschaftsministeriums seit 1998 alljährlich der Farmland Bird Index (FBI) berechnet. Sein Verlauf zeigt eine klar negative Entwicklung über den Gesamtzeitraum (1998-2025). In den letzten zwölf Jahren kam es zu einer Abflachung, jedoch zu keiner Trendumkehr. 2025 liegt der FBI auf dem bisher niedrigsten Wert, bei 53,3 Prozent. Das bedeutet, dass seit 1998 jeder zweite Feld- und Wiesenvogel verschwunden ist. Im europäischen Vergleich steht Österreich jedoch besser da als die meisten anderen EU-Mitgliedsstaaten: EU-weit ist noch keine Abflachung im Abwärtstrend zu beobachten.

„Gemäß der Verordnung zur Wiederherstellung der Natur muss der Farmland Bird Index in Österreich bis zum Jahr 2030 um fünf Prozent gesteigert werden. Bisher wurde diese Trendumkehr leider noch nicht geschafft“, erklärt Teufelbauer, Projektleiter bei BirdLife Österreich. „Ehemalige Allerweltsvögel wie die Feldlerche oder die Goldammer haben sich seit 1998 in ihrem Bestand halbiert.“ Daher fordert BirdLife Österreich: „Dafür braucht es die Fortführung und noch zielgerichtetere Weiterentwicklung eines starken Agrarumweltprogramms, vor allem mit dem Erhalt der bunten Blumenwiesen und der Betonung von Ackerbrachen!“

Details zu Bestandstrends heimischer Feld- und Wiesenvögel

Im Vergleich zum Vorjahr war bei der Mehrzahl der Indikatorarten der errechnete Indexwert niedriger. Bei 14 der 23 Indikatorarten (61%) ist der Indexwert 2025 kleiner als 2024, bei den verbleibenden neun Arten (39%) ist es umgekehrt.

Langzeittrends ab dem Jahr 1998 können für 20 der 23 Arten berechnet werden. Die Ergebnisse zeichnen sich durch eine hohe Konstanz aus. Hier ist – wie auch in den Vorjahren – die Bestandsentwicklung bei 14 Arten (70%) gesichert als negativ zu bezeichnen (Rebhuhn, Turteltaube, Kiebitz, Feldlerche, Sumpfrohrsänger, Dorngrasmücke, Wacholderdrossel, Braunkehlchen, Europäisches Schwarzkehlchen, Baumpieper, Bluthänfling, Girlitz, Grauammer, Goldammer), vier Arten (20%) hatten im Betrachtungszeitraum stabile Bestände (Wendehals, Neuntöter, Star, Feldsperling), und bei zwei Arten (10%) kam es zu Zunahmen (Turmfalke, Stieglitz) - siehe Tabelle 1.

Die Verlierer – zwischen Hoffnungslosigkeit und Funken der Hoffnung

Die größten Bestandsabnahme hat die Grauammer mit einem Minus von 97 Prozent zu verzeichnen. Der aktuelle österreichische Bestand wird nur mehr auf ca. 500 Reviere geschätzt . Damit zählt sie zu den am stärksten bedrohten Vogelarten des Landes. Die Grauammer (Vogel des Jahres 2024) besiedelt offene Kulturlandschaften mit blütenreichen Brachen, kleinen Gehölzen, Einzelbüschen und Bäumen. Intensive Landwirtschaft, fehlende Brachen und Feldraine sowie der massive Einsatz von Pestiziden sind die Hauptursachen für den dramatischen Rückgang.

„Das Schicksal der Grauammer macht uns besonders betroffen. Aufgrund des seit 2023 weiter gesteigerten ÖPUL-geförderten Brachenanteils wäre zu erwarten gewesen, dass sich dieser positiv auf die Bestände auswirkt. Doch diese Art ist mittlerweile so selten geworden, dass sie kurz vor dem Aussterben steht“, so Norbert Teufelbauer, Projektverantwortlicher bei BirdLife Österreich. Es gibt jedoch ganz aktuelle Hinweise darauf, dass es zumindest lokal Zunahmen im Bestandstrend gibt, die mit der Zunahme an Brachen zusammenhängen könnten. Dies gibt Hoffnung auf eine doch noch einsetzende Wirkung des landwirtschaftlichen Förderprogramms.

Ähnlich düster ist die Aussicht des Braunkehlchens, einer Zeigerart für den Artenverlust im Grünland: genauere Daten aus Projektgebieten zeigen, dass das Bestandsminus sogar fast 90 Prozent beträgt. Die rund 700 bis 1.000 Brutpaare sind nur noch lückenhaft verbreitet. Der spezialisierte Lebensraumanspruch von extensiv genutzten Wiesen und Altgrasstreifen wird diesem Grünlandbewohner zum Verhängnis. Um diesen attraktiven Brutvogel bei uns zu erhalten – am wahrscheinlichsten ist das in höheren Lagen und in speziell betreuten Gebieten – sind größere Anstrengungen für den Erhalt von artenreichen Mähwiesen mit spätem Schnittzeitpunkt erforderlich.

Beim Schwarzkehlchen bestehe laut Auskunft des Experten nach dem katastrophalen Einbruch im Jahr 2012, verursacht durch ein massives Schlechtwetter im Vorfrühling, eine realistische Chance auf Erholung. Im Langzeittrend könnte der Bestand aller Voraussicht nach in den nächsten Jahren weiter ansteigen.

Auch beim Rebhuhn ist es in den letzten Jahren zu einer positiveren Entwicklung gekommen: nach dramatischen Bestandseinbrüchen von -69% nach 2006 kam es zu einer leichten Erholung seit 2018. Da zeitgleich der Anteil an Stilllegungs- und Blühflächen in Österreichs Ackerlandschaft aufgrund landwirtschaftlicher Förderauflagen im ÖPUL wieder leicht gestiegen ist, lässt dies auch positive Auswirkungen auf weitere Arten erhoffen.

Norbert Teufelbauer: „Die Ausrichtung des ÖPUL ist einer der entscheidenden Hebel, um nicht nur den Farmland Bird Index – und damit die Vogelwelt – sondern auch die gesamte Biodiversität in der Agrarlandschaft zu fördern. Ziel muss es sein, landwirtschaftliche Fördermittel fokussierter so zu lenken, dass sie den Bestand typischer Agrarvogelarten aktiv unterstützen.“

Was ist der Farmland Bird Index und warum ist er so bedeutend?

Der Farmland Bird Index gehört zum Gemeinsamen Begleitungs- und Bewertungsrahmen zur Evaluierung der Maßnahmen für die Entwicklung des ländlichen Raumes (CMES – Common Monitoring and Evaluation System) im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU (GAP). Er gilt als ein offizieller Biodiversitätsindikator Österreichs und der EU im Rahmen der Ländlichen Entwicklung (aktuelle Programmperiode 2023–2027). Der FBI ist auch ein Kernindikator für die Bewertung des Zustands und der Wiederherstellung landwirtschaftlicher Ökosysteme laut EU-Wiederherstellungsverordnung. Der FBI muss neben anderen Indikatoren bereits bis 2030 verbessert werden, zur Erreichung dieses Ziels müssen Maßnahmen zur Wiederherstellung ergriffen werden.

Die politische, ökologische und steuernde Rolle des Farmland Bird Index wird im Zuge der Wiederherstellungsverordnung weiter gestärkt.

Datengrundlage

Datengrundlage für den österreichischen Farmland Bird Index ist das „Monitoring der Brutvögel Österreichs“, ein Bestandserfassungsprogramm für häufige Vogelarten, das von BirdLife Österreich durchgeführt wird, sich überwiegend auf die Mitarbeit Freiwilliger stützt („Citizen Science“) und von Expert:innen qualitätsgesichert und ausgewertet wird. Dieses Zählprogramm läuft seit dem Jahr 1998. Die Erhebungen erfolgen standardisiert nach genau vorgegebener Methode. Aus den jährlichen Zählergebnissen kann für alle in ausreichender Zahl erfassten Vogelarten die Bestandsentwicklung berechnet werden. Aus einer Auswahl 23 häufiger Vogelarten der Kulturlandschaft wird in einem zweiten Schritt der Farmland Bird Index berechnet.

Tabelle 1: Bestandsveränderungen der 23 Indikatorarten des Farmland Bird Index. Alle Angaben in Prozent. Für den Langzeittrend (1998–2025) sind standardisierte Einstufungen angegeben: ↑↑ starke Zunahme, ↑ leichte Zunahme, – stabil, ↓ leichte Abnahme, ↓↓ starke Abnahme. Die Einstufungen beziehen jeweils sowohl den Verlauf der Bestandsentwicklung als auch die statistische Unsicherheit mit ein. Bei 1 ist der Langzeittrend nur für den Zeitraum 2008–2025 verfügbar.

Abbildung 1: Farmland Bird Index für Österreich 1998-2025 (23 Arten).

Im Auftrag des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft.

Rückfragehinweis

Lisa Lugerbauer 1150 Wien, Diefenbachgasse 35/1/6 Mobil: +43 (0) 660 6726537 lisa.lugerbauer@birdlife.at

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