Lebensraumschutz

Brachen als unverzichtbare Lebensräume

Auf diesem Foto sehen sie eine BirdLife-Mitarbeiterin namens Lisa Lugerbauer.
Lisa Lugerbauer, BA16.07.2026
Eine Brache mit Königskerzen, Flockenblumen und Natternköpfen.
Eine Brache mit Königskerzen, Flockenblumen und Natternköpfen.
© Clara Neumeister

Kennt man das Sprichwort „Wer Brache sät, wird Unkraut ernten“ oder die Redewendung „etwas brach liegen lassen“, so assoziiert man damit oft etwas Negatives. Doch diese Wahrnehmung steht im Widerspruch zur tatsächlichen, unverzichtbaren Bedeutung von Brachen als ökologische Lebensräume.

Was versteht man unter einer Brache?

Eine Brache – oder Brachfläche – bezeichnet landwirtschaftliche Nutzflächen, aber auch Baulücken oder Industriegebiete, die vorübergehend oder dauerhaft nicht bewirtschaftet werden. Gerade diese Nicht-Nutzung macht sie zu wertvollen Rückzugs- und Lebensräumen: Auf Äckern und Feldern trägt sie zur Regeneration des Bodens bei und steigert auf natürliche Weise die Erträge in der Folgezeit Brachen sind somit nicht nur entscheidend für den Artenschutz und die Förderung der Biodiversität, sondern auch ein zentraler Baustein nachhaltiger Landwirtschaft.

Rahmenbedingungen für Brachen in Österreich

Nachdem im Jahr 2024 EU-weit die hart erkämpfte Verpflichtung für landwirtschaftliche Betriebe zur Anlage von 4 % nicht produktiver Flächen gefallen ist, obliegt es nun den Mitgliedsstaaten, durch freiwillige Fördermaßnahmen dieselbe Wirkung zu erreichen. Hierzulande werden im Rahmen des Agrarumweltprogramms (ÖPUL) auf freiwilliger Basis rund 85.000 Hektar Ackerland– über 6 % der Ackerflächen – als Biodiversitäts- und Naturschutzflächen bereitgestellt, diese entsprechen im wesentlichen Brachen. Dazu kommen noch ca. 2 % Naturschutzflächen, wo in der bewirtschafteten Fläche die Artenvielfalt im Vordergrund steht. Wir haben uns maßgeblich für diese Umsetzung eingesetzt und freuen uns, dass sie Realität ist! Nun gilt es, dieses Level für die nächste Förderperiode zu halten oder sogar auszubauen. Angesichts der politischen Entwicklungen kein leichtes Unterfangen!

Gefiederte Bewohner von Brachen

Arten wie Grauammer und Rebhuhn, deren Bestände laut Farmland Bird Index seit 1998 um über 80 bis 90 % zurückgegangen sind, sind auf Brachen im Ackerland existenziell angewiesen. Oft reicht bereits ein breiterer Streifen zwischen zwei Feldern aus, um ihnen sichere Brutplätze und Nahrungsquellen zu bieten. Doch nicht nur landwirtschaftliche Brachen sind wertvoll: Auch Industriebrachen – wie unbebaute Baulücken, stillgelegte Fabrikgelände oder ungenutzte Verkehrsflächen – können in ansonsten artenarmen Gebieten zu wahren Hotspots der Artenvielfalt werden. Hier finden etwa Schwarzkehlchen oder Neuntöter einen geeigneten Lebensraum.