Lebensraumschutz

Neophytenreduktion für den Wiesenvogelschutz

Dr. Susanne Schreiner18.06.2026
Eine Gruppe Großtrappen.
© Hans-Martin Berg

PRESSEAUSSENDUNG

Wien/Apetlon 18.06.2026 – Das ehemalige Niedermoor Hanság, ein bedeutendes Wiesenvogelgebiet im Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel, ist Lebensraum für hochgradig gefährdete Arten wie Großtrappe, Wiesenweihe und Sumpfohreule. Diese Wiesenbrüter sind durch die moderne Landwirtschaft gefährdet, weil sie nur bei später Wiesenbewirtschaftung überleben können. Die Bestände konnten sich nur durch langjährige Bemühungen von BirdLife Österreich und dem Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel gemeinsam mit betroffenen Landwirt:innen sowie dem Verein BERTA halten. Im Rahmen eines Gelegeschutz-Programms werden Entschädigungen für eine verzögerte Mahd ausbezahlt. Die Spätmahd hatte allerdings ein weiteres Problem zur Folge: Die Ausbreitung der invasiven Goldruten, die die heimische Feuchtwiesenvegetation verdrängen, machen nun neue Lösungsansätze notwendig. Heuer konnte in der Bewahrungszone „Waasen - Hanság“ des Nationalparks mit aufwändigem Drohneneinsatz erstmals ein Kompromiss zwischen den gegensätzlichen Managementstrategien gefunden werden. Die Zukunft der wertvollen Wiesen im Hanság hängt von einem gemeinsamen Handeln aller Akteure aus Naturschutz, Landwirtschaft und Politik ab.

Goldrute versus Großtrappe

Um die Bodengelege und Jungvögel der Wiesenbrüter im Hanság zu schützen, wird seit Jahren auf der etwa 140 ha großen Fläche des Nationalparks die sonst mit Anfang Juni beginnende Mahd in den Juli und August verlegt. Gelege und Jungvögel bleiben so vor fatalen Verlusten durch die Mähwerke verschont. Das führt erfreulicherweise zu Bestandszunahmen der stark gefährdeten Wiesenweihe und Sumpfohreule, aber auch der Großtrappe.

Die späte Mahd hat aber eine rasante Ausbreitung der ursprünglich in Nordamerika heimischen Goldruten zur Folge, die die ehemals im Gebiet vorherrschende Feuchtwiesenvegetation – die wertvollen Pfeifengraswiesen – verdrängen. Langfristig sind die dichten Bestände der Goldruten auch für die Wiesenbrüter ein Nachteil, etwa bei der erschwerten Fortbewegung der Jungvögel in den dichten Beständen dieser Pflanzen. Darüber hinaus ist der Aufwuchs als Tierfutter nicht besonders gut geeignet, was die sinnvolle Verwertung des Mähguts erschwert. Der Einsatz neuer Technologien im Wiesenvogelschutz ist gefragt.

Umsichtige Erprobung neuer Technologien im Nationalpark

Um einerseits den Wiesenvogelschutz bestmöglich umzusetzen und andererseits dennoch die invasiven Goldruten zurückzudrängen, wurde 2026 erstmals auf Nationalparkflächen begonnen, eine Drohne in Kombination mit Wärmebildtechnik einzusetzen. „Wir sind uns sehr bewusst, dass Drohnen eine Störung verursachen können, was gerade bei sensiblen Arten wie der Großtrappe ein besonders umsichtiges Vorgehen nötig macht“, so BirdLife-Projektleiter Bernhard Paces.

„In insgesamt über 36 Drohnen-Flugstunden im Mai und Juni konnten wir Gelege von Großtrappen, Wiesenweihen, Sumpfohreulen und anderen Wiesenbrütern lokalisieren. Basierend auf diesem Wissen, konnten wir Flächen für die gefahrlose Frühmahd freigeben. Das hilft den Vögeln unter anderem, weil diese bei langfristiger Wiederholung die Goldrutenbestände reduziert und so hochwertige Brutflächen für die Wiesenvögel erhält“, berichtet Paces: „Der möglichst umsichtige Drohneneinsatz gibt uns neue und sehr detailreiche Einblicke in die Vogelwelt des Hanság. Er ermöglicht so ein maßgeschneidertes Vorgehen im Vogelschutz, das auch anderen Aspekten der Artenvielfalt, wie etwa der Pflanzenwelt, besser gerecht werden kann.“

Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel-Fachbereichsleiter Michael Kroiss ergänzt: „Als Nationalpark sehen wir uns in der Verantwortung, die Natur mit allen ihren Aspekten zu bewahren. Die Kooperation mit BirdLife Österreich im Hanság leitet seit Jahren einen wichtigen Beitrag dazu. 2026 hat uns BirdLife mit umfangreichem Know-How beim Wärmebild-Drohneneinsatz zum Schutz der Wiesenbrüter unterstützt.“

Eine gesicherte Zukunft der Wiesenvögel im Hanság?

Neben der Lenkung der Mahd gibt es im Hanság viele Parameter, die für die Zukunft der Wiesenvögel mitentscheidend sind. Technisierung der Mahd, Aufgabe der Wiesennutzung, Erhalt der Futterqualität, Klimawandel, Trockenheit oder noch wenig bekannte Einflüsse von Prädatoren zählen dazu.

„Hier ein gemeinsames konstruktives Vorgehen der betroffenen Akteure aus Naturschutz, Landwirtschaft, Wasserbau, Jägerschaft und Politik zu erreichen, ist der Schlüssel, um vor dem Hintergrund der vielfältigen Interessen im Hanság eine Zukunft für die Wiesenvögel zu ermöglichen“, erhofft Hans-Martin Berg, assoziierter Ornithologe am Naturhistorischen Museum Wien und Projektbearbeiter in der Region.

Hintergrundinformationen

BirdLife Österreich ist seit mehr als 15 Jahren im Hanság zum Schutz der Vogelwelt tätig. In einem „Gelegeschutz-Programm“ das seitens der Naturschutzabteilung des Landes Burgenland und der EU aus Mitteln der „Ländlichen Entwicklung“ gefördert wird, werden alljährlich durch Kartierungen Gelege der Wiesenvögel erhoben. Die Mahd wird auf den für die Brut genutzten Wiesenflächen gemeinsam mit dem Verein BERTA zurückgestellt und den Bewirtschafter:innen eine Abgeltung aus dem ÖPUL-Programm dafür ausgezahlt.

Rückfragehinweis

Dr. Susanne Schreiner, Pressesprecherin BirdLife Österreich 1150 Wien, Diefenbachgasse 35/1/6 Mobil: +43 (0) 699 181 555 65 susanne.schreiner@birdlife.at

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