PRESSEAUSSENDUNG
Wien, 05.10.2026 – Beim diesjährigen EuroBirdwatch wurden europaweit 4.8 Millionen Vögel von 23.700 Menschen auf ihrem Weg in die Winterquartiere gezählt. Auch in Österreich waren mehr als 130 Vogelbegeisterte bei geführten Exkursionen in sieben Bundesländern unterwegs und dokumentierten das herbstliche Zuggeschehen. Für einen besonderen Höhepunkt sorgte dabei der Rotkehlpieper: Mehr als 20 Individuen dieser in Österreich seltenen, nordischen Vogelart konnten in fünf Bundesländern beobachtet werden. Die jährliche Zählaktion von BirdLife International verbindet Naturerlebnis mit wertvollen Daten zum Vogelzug und macht zugleich auf die zahlreichen Gefahren aufmerksam, denen Zugvögel ausgesetzt sind – von Lebensraumverlust und schwindenden Nahrungsangeboten bis hin zum Verlust wichtiger Rastplätze, Jagd und den Folgen der Klimakrise.
Ergebnisse aus Europa und Zentralasien
Eine erste Auswertung unmittelbar nach dem Aktionswochenende zeigt beeindruckende Ergebnisse: 34 BirdLife-Partner beteiligten sich am diesjährigen EuroBirdwatch, 28 davon gaben bereits erste Zahlen preis. So nahmen mindestens 23.700 Menschen an den zahlreichen Veranstaltungen teil und zählten mehr als 4.8 Millionen Vögel auf ihrem Weg in die Winterquartiere.
Die meisten Vögel wurden in Finnland, Schweden und Ungarn gezählt. Letzteres Land verbuchte auch die größte Anzahl an Teilnehmer:innen, gefolgt von der Schweiz und Griechenland.
Europaweit wurden Weißwangengans, Star und Buchfink am häufigsten beobachtet.
Damit zeigt sich eine deutliche Parallele zu den Ergebnissen in Österreich, wo ebenfalls Buchfink und Star die ersten beiden Ränge belegten. Die Weißwangengans in großen Massen fehlt bei uns hingegen.
Ergebnisse aus Österreich
Im Rahmen von sieben Exkursionen im Burgenland (Illmitz), Kärnten (Seichtwasserbiotop Föderlach), Niederösterreich (Ehrenecker Kogel bei Eschenau), Oberösterreich (Flughafen Linz), der Steiermark (Grazer Feld), Tirol (Milser Felder) und Vorarlberg (Furkapass) haben mehr als 135 Vogelbegeisterte österreichweit knapp 8.300 Vögel erfasst. Dabei machten es die Wetterbedingungen den Beobachter:innen nicht immer leicht: Am Flughafen Linz hielt sich der Nebel in den Morgenstunden hartnäckig. Während er die ziehenden Vögel kaum beeinträchtigte, erschwerte er deren Beobachtung erheblich. Ebenso ließ strahlender Sonnenschein anderenorts die hoch ziehenden Vögel schwer erkennen.
Am häufigsten wurden österreichweit Buchfinken mit 1.607 Individuen erfasst, gefolgt von Staren mit 1.178 und Ringeltauben mit 915 Individuen.
Für einen besonderen Höhepunkt sorgten die mehr als 20 Rotkehlpieper, die im Rahmen der Exkursionen in fünf Bundesländern (Burgenland, Nieder- und Oberösterreich, Steiermark und Tirol) beobachtet werden konnten. Abseits dieser Registrierungen konnte frühmorgens im Seewinkel ein rastender Nahrungstrupp mit über 70 Individuen entdeckt werden – für Österreich eine außergewöhnliche Beobachtung.
Das europäische Brutgebiet dieser seltenen Vogelart liegt im hohen Norden, insbesondere in Norwegen, Schweden und Finnland. Auf ihrem Zug in die Überwinterungsgebiete, die größtenteils südlich der Sahara liegen, ziehen Rotkehlpieper regelmäßig aber in geringer Zahl über Österreich. Als Langstreckenzieher legen sie dabei weite Distanzen zurück.
Rotkehlpieper ziehen überwiegend tagsüber und sind viel häufiger zu hören als zu sehen. Charakteristisch ist ihr markanter Flugruf, ein abrupt hervorgebrachtes „pssiih“, das mit Abstand wiederholt wird. Die zahlreichen Beobachtungen und der große Zugtrupp machen den Rotkehlpieper zu einem besonderen Highlight des diesjährigen EuroBirdwatch in Österreich.
Hintergrundinformation
Den Auftakt für die internationale Vogelbeobachtungsaktion bildete der erste „World Birdwatch“ am 9. und 10. Oktober 1993. BirdLife-Partner in mehr als 100 Ländern beteiligten sich an der gemeinsamen weltweiten Aufklärungsaktion. In Europa entstand darüber hinaus die Idee, eine eigene Aktion ins Leben zu rufen, um einen Überblick über die beobachteten Vögel, die durchgeführten Veranstaltungen und die Zahl der teilnehmenden Personen zu erhalten. Initiiert und organisiert wurde der erste europäische Birdwatch von Johanna Winkelman (Vogelbescherming Nederland) und Fritz Hirt (BirdLife Schweiz), die beide Mitglieder des Europäischen Komitees von BirdLife waren. Aus dieser Initiative entwickelte sich der heutige EuroBirdwatch, an dem sich mittlerweile jedes Jahr mehr als 30 BirdLife-Partner in Europa und Zentralasien beteiligen. Die Aktion trägt dazu bei, das Bewusstsein für den Vogelzug und seine Bedeutung zu stärken und über die zahlreichen Gefahren auf den Zugrouten sowie mögliche Schutzmaßnahmen zu informieren.
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Rückfragehinweis
Lisa Lugerbauer, Leitung Kommunikation 1150 Wien, Diefenbachgasse 35/1/6 Mobil: +43 (0) 699 181 555 65 lisa.lugerbauer@birdlife.at
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