PRESSEAUSSENDUNG BirdLife Österreich kürt einen Bewohner naturnaher Fließgewässer zum Jahresvogel Österreichs und setzt damit ein starkes Zeichen für den Schutz unserer heimischen Flüsse.
Wien, 13. Oktober 2026 – Der Flussuferläufer (Actitis hypoleucos) ist zwar noch in den meisten Bundesländern zu finden, kann aber nur noch an wenigen Stellen beobachtet werden. Sauberes Wasser und naturnahe Flüsse mit Rückhalteräumen, die unsere Städte und Dörfer bei Hochwasser schützen, sind für ihn genauso wie für uns Menschen von zentraler Bedeutung. Weil der Bestand des Uferbrüters in Österreich gefährdet ist, soll die Kür zum österreichischen Vogel des Jahres 2027 mehr Verständnis für ihn und seinen bedrohten Lebensraum schaffen. Maßgeschneiderte Schutzmaßnahmen wie die Renaturierung von Fließgewässern und Schutzzonen an wichtigen Gewässerabschnitten können dazu beitragen, den Flussuferläufer und seinen Lebensraum zu bewahren.
Die alljährliche Kür zum Vogel des Jahres soll auf die Gefährdung der Tierart und ihrer Lebensräume aufmerksam machen. Seit dem Jahr 2000 wird der Jahresvogel in Österreich von der Vogelschutzorganisation BirdLife Österreich ausgerufen. „Dass der Flussuferläufer ein Sorgenkind ist, zeigt die Einstufung als „gelbe Art“ auf der Österreichischen Ampelliste für den Vogelschutz. Aufgrund seiner Gefährdung und der rückläufigen Bestandsentwicklung besteht eine hohe Priorität für seinen Schutz und entsprechende Maßnahmen“, erklärt Dr. Gábor Wichmann, Geschäftsführer von BirdLife Österreich. „Helfen wir dem Flussuferläufer, helfen wir auch anderen bedrohten Arten und nicht zuletzt uns selbst“, ergänzt Wichmann. Denn naturnahe Flusslandschaften fungieren als Wasserspeicher, reduzieren die Abflussgeschwindigkeit und helfen, das Grundwasser zu sichern. Sie sind somit nicht nur die Grundlage für einen wirksamen Hochwasserschutz, sondern auch für eine nachhaltige Wasserversorgung.
Gefährdungsursachen: Lebensraumverlust und Freizeitdruck
Der Flussuferläufer lebt an natürlichen, kies- und sandreichen Ufern größerer Fließgewässer – etwa an Abschnitten von Rhein, Lech, Inn, Enns, Donau, March, Drau und Mur. Er brütet an Flüssen in ganz Österreich, nur in Wien und im Burgenland, wo er ursprünglich ein Brutvogel war, ist er in den letzten Jahrzehnten verschwunden.
Der Flussuferläufer ist ein Bodenbrüter, welcher sein Nest mit meist vier gut getarnten Eiern auf Schotterbänke und Schotterufer mit schütterer Vegetation baut. Diese hochdynamischen Lebensräume sind durch die weitläufigen Flussregulierungen im 20. und 21. Jahrhundert vielerorts verloren gegangen. Verschärft wird dieser Verlust an geeignetem Brutlebensraum, indem die verbliebenen naturnahen Flussabschnitte zunehmend dem Freizeitdruck durch Badegäste und Wassersportler:innen ausgesetzt sind. Nicht selten werden die Vögel – oft unbemerkt – von ihren Nestern vertrieben und so die Brut aufgegeben. Aufgrund der nahezu perfekten Tarnung können die Eier oder Jungvögel auch versehentlich zertrampelt werden. „Oft passiert das ganz unbewusst und ohne böse Absicht. Deshalb braucht es entsprechende Bewusstseinsbildung, um Menschen für die Bedürfnisse des Flussuferläufers zu sensibilisieren“, stellt Wichmann klar.
So lässt sich der Flussuferläufer schützen
Um dem gefährdeten Flussuferläufer wirksam zu helfen, müssen naturnahe Flusslandschaften erhalten und wiederhergestellt werden. Dabei ist es wichtig, dass die Flüsse genügend Raum für natürliche Umlagerungsprozesse haben. Nur so können sich ausreichend dynamische Kies- und Schotterbänke bilden, die der Flussuferläufer als Brutlebensraum benötigt. Eine umsichtige Umsetzung der EU-Wiederherstellungsverordnung bietet dabei große Chancen, um die Lebensräume des sensiblen Uferbewohners langfristig zu sichern.
Weiters sollten die Nistplätze während der Brutzeit von April bis Juli möglichst vor Störungen durch Menschen und Hunde geschützt werden. Besonders wichtig ist es daher, in dieser Zeit auf ausgewiesenen Wegen zu bleiben und Kies- und Schotterbänke nicht zu betreten. Sind dort aufgeregte Altvögel zu sehen oder zu hören, kann dies auf ein Brutpaar hinweisen. In diesem Fall gilt: Abstand halten und den Ort möglichst rasch und umsichtig wieder verlassen. Weiterführende Links
Hintergrund zum Flussuferläufer
Status: regelmäßiger Brutvogel Bestandstrend: Früher starke Abnahme, in den letzten Jahren auf niedrigem Niveau stabil Ampelliste: Gelb Rote Liste (AT): Gefährdet (VU) Bestandszahl: 210-270 Brutpaare
Wie erkenne ich einen Flussuferläufer? Der Flussuferläufer ist ein kleiner, kurzbeiniger Vogel mit graubrauner Oberseite und scharf abgegrenzter weißer Unterseite. Charakteristisch ist der weiße Keil an den Brustseiten, der vom Bauch aufwärts reicht und Brust sowie Flügel voneinander trennt („Hosenträger“). Sein Schwanz ist vergleichsweise lang, die Flügelspitzen ragen deutlich hervor. Im Flug fällt der markante weiße Flügelstreif sofort ins Auge.
Wird häufig verwechselt mit Der Flussuferläufer kann in Österreich leicht mit dem Bruchwasserläufer oder dem Waldwasserläufer verwechselt werden. Beide Arten haben jedoch längere Beine und wirken dadurch hochbeiniger und größer. Im Gegensatz zum Flussuferläufer haben sie keinen weißen Keil an den Brustseiten. Im Flug fehlt der gut sichtbare weiße Flügelstreif des Flussuferläufers, dafür zeigen sie einen weißen Bürzel, der vor allem beim Waldwasserläufer sehr auffällig ist.
Fun Fact Flussuferläufer können nicht nur fliegen, sondern auch schwimmen und tauchen, was sie aber selten, meist nur bei unmittelbarer Gefahr oder Störung tun. Dann können sie sich aber sogar mehrere Sekunden unter Wasser aufhalten und mehrere Meter fortbewegen.
Stimme Der Ruf des Flussuferläufers klingt hoch und aufgeregt „Hii-di-diii“, wobei die erste Silbe betont wird. Diesen charakteristischen Ruf stößt der Flussuferläufer im Abflug, aber auch im Sitzen aus, und er ist sehr ähnlich dem Gesang.
Nahrung Auf dem Speiseplan stehen Insekten (vorwiegend Käfer und Fliegen), die direkt von der Bodenoberfläche aufgelesen oder gefangen werden. Seltener aber auch Insektenlarven und kleine Fische.
Verhalten Auffällig ist sein häufiges Wippen mit seinem Schwanz, mit dem er optische Signale in seinem meist von Wasserrauschen geprägten Lebensraum gibt. Bei kurzen Flügen fliegt der Flussuferläufer oft mit stark gewölbten Flügeln und schnellen Flügelschlag schaukelnd knapp über dem Wasser. Gerne sitzt er auf etwas erhöhten Plätzen am Wasser, wie z. B. Baumstämmen und Steinen. Das Nest wird gerne in Deckung wie Treibholz oder lückiger Vegetation angelegt – sofern vorhanden.
Rückfragehinweis
Lisa Lugerbauer, Leitung Kommunikation 1150 Wien, Diefenbachgasse 35/1/6 Mobil: +43 (0) 660 6726537 lisa.lugerbauer@birdlife.at
Beigefügtes Foto sowie die Inhalte der Pressemappe stehen Ihnen bei Angabe des angeführten Fotoautors/der angeführten Fotoautor:in © und im Zusammenhang mit dieser Aussendung zur Verfügung.












