Vogelschutz

Schwalben in Not: Dramatische Bestandseinbrüche

Dr. Susanne Schreiner12.05.2026
Eine fliegende Mehlschwalbe.
© Gerhard Loidolt

PRESSEAUSSENDUNG

Wien, 11. Mai 2026 – In den ersten Maitagen sind die meisten unserer Schwalben aus ihrem afrikanischen Winterquartier wieder nach Österreich zurückgekehrt – die allerersten Frühlingsboten ließen sich bereits im Februar bei uns zu blicken. Doch hinter ihren eleganten Flügen und typischen Rufen verbirgt sich eine zunehmend angespannte Situation: Die Bestände der Schwalben, insbesondere der Mehlschwalben (Delichon urbicum), sind seit Jahren stark rückläufig. Aktuelle Zahlen zeigen eine katastrophale Entwicklung: In nur einem Jahr (von 2024 auf 2025) brach der Bestand um 45 Prozent ein. BirdLife Österreich informiert über die Hintergründe und zeigt auf, warum gerade jetzt gezielte Schutzmaßnahmen entscheidend sind.

Das alljährliche Brutvogel-Monitoring der Vogelschutzorganisation BirdLife Österreich zeigt, dass der Bestand der Mehlschwalbe seit 1998 um im Schnitt 40 Prozent zurückgegangen ist. Besonders dramatisch ist jedoch die jüngste Entwicklung: 2025 brach der Bestand im Vergleich zum Vorjahr 2024 um 45 Prozent ein. Die Bestandsgröße für 2025 liegt um gut 60 Prozent unter dem Ausgangswert des Jahres 1998.

„Tagelanger Starkregen und ein plötzlicher Kälteeinbruch im September 2024 traf tausende Mehl-, Rauch- und Felsenschwalben während des Zuges in ihre Überwinterungsgebiete. Geschwächt, durchnässt und ohne die Möglichkeit, Insekten im Flug zu fangen, endete dieses Extremwetterereignis für viele tödlich!“, berichtet Evelyn Hofer von BirdLife Österreich. „Aktuell zeigen sich starke Hinweise auf das Ausmaß dieser Katastrophe: Der Verlust nahezu jeder zweiten Mehlschwalbe in nur einem Jahr ist alarmierend und trifft eine im Bestand ohnehin stark geschwächte Vogelart!“

Warum Schwalben so wichtig sind

Schwalben spielen eine zentrale Rolle in unserem Ökosystem. Evelyn Hofer: „Als Insektenfresser vertilgen sie täglich große Mengen an Fluginsekten, darunter auch viele Arten, die von uns Menschen als unangenehm empfunden werden, wie Fliegen und Gelsen. Damit tragen sie zur natürlichen Regulation der Insektenbestände bei und sind somit ein wichtiger Bestandteil funktionierender Nahrungsketten, die für das Gleichgewicht von Ökosystemen wesentlich sind.“

Zusätzlicher Druck durch den Menschen

Neben Extremwetterereignissen geraten Mehlschwalben zunehmend durch menschliche Eingriffe unter Druck. „Immer wieder werden Nester abgeschlagen – bei Renovierungen, Bauarbeiten oder schlicht aus Bequemlichkeit. Oft geschieht das sogar mitten in der Brutzeit. Was viele dabei unterschätzen: Mit jedem entfernten Nest geht nicht nur eine Brut verloren, sondern auch der Brutplatz, den Schwalben oft über viele Jahre nutzen. Das hat langfristige Auswirkungen auf die gesamte Population“, erklärt Hofer.

Gesetzlicher Schutz wird oft ignoriert

Die Rechtslage ist eindeutig: Die absichtliche Entfernung von Vogelnestern während der Brutzeit ist in Österreich grundsätzlich verboten. Darüber hinaus dürfen dauerhafte Brutstätten (Nester, die mehrfach genutzt werden können), wie die Nester von Schwalben auch außerhalb der Brutzeit nicht zerstört werden. Sofern Nester entfernt werden müssen, ist eine behördliche Bewilligung erforderlich. Die Missachtung kann eine Anzeige der jeweiligen Bezirksverwaltungsbehörde (Naturschutzgesetz des Landes & §222 Strafgesetzbuch - Misshandlung, absichtliche Tötung) und entsprechende Strafzahlungen zur Folge haben.

So kann den Schwalben geholfen werden

„Schwalben sind auf unsere Unterstützung angewiesen. Schon kleine Maßnahmen können einen großen Unterschied machen“, so Evelyn Hofer von BirdLife Österreich. Folgende konkrete Maßnahmen unterstützen die Schwalben:

  • Nester erhalten und dulden:

    Auch wenn Verschmutzung ein Thema ist, lassen sich mit einfachen Brettern unter den Nestern Kotablagerungen vermeiden.

  • Nistmaterial bereitstellen:

    Schwalben benötigen Lehm für den Nestbau. Kleine „Gatschlacken“, die feucht gehalten werden, können hier helfen.

  • Künstliche Nisthilfen anbringen:

    Diese werden gut angenommen und können als Initialzündung für eine neue Brutkolonie dienen.

  • Insekten fördern:

    Blühflächen, Naturwiesen und naturnah gestaltete Grünräume und Gärten sowie der Verzicht auf Insektizide.

Alle weiteren Informationen dazu, wie unseren Schwalben unter die Flügel gegriffen werden kann, finden Sie hier.

Rückfragehinweis

Evelyn Hofer 1150 Wien, Diefenbachgasse 35/1/6 Mobil: +43 (0) 676 9728260 evelyn.hofer@birdlife.at

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