In unserer monatlichen Reihe "Seltene Gäste in Österreich: Vogel-Highlights im..." stellen wir eine Auswahl der spannendsten Vogelbeobachtungen des letzten Monats vor, die auf ornitho.at bis zum letzten Tag des jeweiligen Monats gemeldet wurden. Diese Meldeplattform dient dazu, wissenschaftlich verwertbare bzw. naturschutzrelevante Daten über Vögel in Österreich zu sammeln. Die Dokumentationen zur Sichtung sehr selten auftretender Vogelarten werden regelmäßig von der Avifaunistischen Kommission Österreich (AFK) überprüft. Bei aktuellen Meldungen ist das noch nicht erfolgt; die Nennung hier erfolgt daher mit Vorbehalt. Über die Ergebnisse ihrer Arbeit veröffentlicht die AFK regelmäßig Berichte auf ihrer Website.
Der April überraschte mit zahlreichen spannenden Beobachtungen seltener Vogelarten – einige davon hätten wohl nur die wenigsten erwartet. Hier ein Überblick über die aufregendsten Sichtungen des Monats.
Seltene Enten und Limikolen
Die Feuchtgebiete waren im April besonders artenreich. Am Wörthersee/K wurde ein Eistaucher (Gavia immer) gesichtet – dieses Individuum hält sich schon länger in Kärnten auf. Es bleibt spannend, ob es sich bald auf den Weg in seine Brutgebiete macht – neben Nordamerika sind das in Europa Island und Spitzbergen. Seetaucher habe in Kärnten auch schon übersommert.
Am Ossiacher See/K zeigte sich ein Singschwan (Cygnus cygnus), während im Rheindelta/V gleich mehrere seltene Entenarten zu beobachten waren: eine Eisente (Clangula hyemalis) und jenes Eiderenten-Männchen (Somateria mollissima), dass sich bereits seit Monaten im Gebiet aufhält. Wir werden fortan nur noch über das Auftreten von Eiderenten in Österreich berichten, wenn mehr als jenes Individuum auftaucht oder an einem anderen Ort gesehen wird. Im selben Gebiet konnte auch ein Triel (Burhinus oedicnemus) entdeckt werden. In Österreich ist die Art abseits der wenigen Brutvögel ein sehr seltener Durchzügler.
Auch Seeregenpfeifer (Charadrius alexandrinus) und Mornellregenpfeifer (Charadrius morinellus) wurden im Rheindelta registriert, letzterer zudem an mehreren Orten wie im Waldviertel/NÖ, bei den Schwarzlteichen/STMK, auf der Veitschalpe/STMK und beiBernhardsthal/NÖ. Austernfischer (Haematopus ostralegus) wurden am Donaukraftwerk Freudenau/W, auf der Parndorfer Platte/B und im Rheindelta/V gesichtet.
Ein besonderes Highlight waren drei Pfuhlschnepfen (Limosa lapponica), die im Seewinkel/B während der Pannonian Bird Experience von vielen Beobachter:innen gesehen wurden und ein weiterer Vogel am Unteren Inn/OÖ, der sich im Prachtkleid befand – ein besonderer Anblick in Österreich.
Nachweise der Doppelschnepfe (Gallinago media) – eine weitere seltene Limikolenart – gab es am Völkermarkter Stausee/K, am Flugplatz Völtendorf/NÖ, im Seewinkel/B, im Hartberger Gmoos/STMK und bei Bruckneudorf im Naturschutzgebiet Batthyányfeld/B.
Greifvögel: Adler und Falken im Fokus
Die Greifvogelbeobachtungen im April waren besonders vielfältig. In Niederösterreich wurden ein Schlangenadler (Circaetus gallicus) in Hohenau im Marchtal und ein weiterer im Weinviertel gesichtet. Eine dunkle Morphe des Zwergadlers (Aquila pennata) zeigte sich im Mostviertel/NÖ, während ein Schreiadler (Aquila pomarina) in Marchtrenk/OÖ zu sehen war. Ein besonders interessanter Fund war ein Schell- x Schreiadler-Hybrid an der Unterer Enns/OÖ/NÖ. Ein Adlerbussard (Buteo rufinus) wurde in Arnoldstein/K beobachtet.

Auch die Falkenartigen waren gut vertreten: Am Ossiacher See/K wurde ein Eleonorenfalke (Falco eleonorae) gesichtet. Vorbehaltlich der Anerkennung durch die AFK handelt es sich bei dem nach Nordost ziehenden Vogel der dunklen Morphe um Österreichs vierten Nachweis. Aus Dedenitz/STMK und Graz wurden gegen Ende des Monats je ein Rötelfalke (Falco naumanni) gemeldet, darauf folgte die Sichtung von bis zu zwei Individuen im Krappfeld/K.
Schwalben, Schmätzer, Lerchen und ein Appell
Im Rheindelta/V und an den Schwarzlteichen/STMK wurde jeweils eine Rötelschwalbe (Cecropis daurica) unter Rauchschwalben entdeckt – eine Vogelart, die im Süden Europas brütet und die es am Frühlingszug immer wieder einmal nach Österreich verschlägt.
Auch der Wüstensteinschmätzer (Oenanthe deserti), der im März an den Thaurer Feldern/T auftauchte, wurde noch Anfang April zum letzten Mal gesichtet. Damit liegt der 5. Nachweis dieser Vogelart in Österreich vor.
Unter die drei bei uns heimischen Lerchenarten – Feldlerche, Heidelerche und Haubenlerche – haben sich im April auch noch zwei andere Vertreter dieser im, ersten Moment wenig spektakulären Vogelfamilie, gemischt: Drei Kurzzehenlerchen (Calandrella brachydactyla) wurden im Tachenberger Moos/STMK beobachtet. Und am Ostersonntag wurde im Kremstal/OÖ eine Ohrenlerche (Eremophila alpestris) mitten in einer Kiebitz-Kolonie dokumentiert. Was zunächst bei vielen Vogelbeobachter:innen für Freude sorgte, endete leider mit einem bitteren Nachgeschmack: Drei Fotograf:innen missachteten die Verhaltensregeln und betraten das Feld über einen längeren Zeitraum, um die Ohrenlerche besser fotografieren zu können. Dadurch wurden die selten gewordenen Kiebitze aufgescheucht und ihre schwer zu erkennenden Gelege gefährdet – und das in einer Kolonie, in der BirdLife seit Jahren intensive Schutzbemühungen unternimmt. Ein solches Verhalten müssen wir streng verurteilen. Wir ersuchen alle Beobachter:innen und Fotograf:innen, das Wohl der Vögel beim Beobachten und Fotografieren an oberste Stelle zu setzen (siehe unseren Disclaimer am Ende dieses Beitrags). Die meisten Personen verhalten sich im Feld vorbildlich und wir finden, dass es schade ist, dass durch das Verhaklen weniger Personen ein negativer Beigeschmack und vielleicht sogar ein direkter Schaden für die Vogelwelt entsteht.

Singvögel und weitere Highlights
Der Ortolan (Emberiza hortulana), der in Österreich bereits als ausgestorben gilt, wurde an mehreren Orten gesichtet, darunter im Rheindelta/V, bei Nußdorf-Debant/Ost-T, im Krappfeld/K, in den Lechauen/T, im Schweizer Ried/V, auf den Milser Feldern/T und am Flughafen Graz-Thalerhof/STMK.
Haben Sie das gewusst?
"Von diesen Vorkommen zur Zugzeit kann man leider nicht erwarten, dass die Vögel wieder bei uns zu Brüten beginnen. Die bei uns auftretenden Vögel sind auf der Durchreise in ihre verbliebenen Brutgebiete im Nordosten Europas (z. B. Polen, Fennoskandien). Geeigneter Lebensraum ist bei uns rar, und weiters macht auch die überregional negative Bestandsentwicklung eine dauerhafte Wiederansiedlung derzeit eher unwahrscheinlich."

Redaktionsteam
Ein farbenfrohes Highlight stellt die Sichtung von Stelzen dar: ein Männchen der Zitronenstelze (Motacilla citreola) fand sich in einem Retentionsbecken der Traisen/NÖ, während Gelbkopf-Schafstelzen (Motacilla flava flavissima) im Rheindelta/V und in Meiningen/V zu sehenwaren.
Ein Taigazilpzalp (Phylloscopus collybita tristis) wurde in der Lobau/W registriert, und Mariskenrohrsänger (Acrocephalus melanopogon) zeigten sich an mehreren Orten außerhalb des Seewinkler Brutgebiets, beispielsweise in Hohenau, Bernhardsthal, einer Schottergrube in Jettsdorf und in Steinfeld (alle NÖ).
Spektakulär ist auch der Nachweis eines Seggenrohrsänger (Acrocephalus paludicola) im Rheindelta/V – eine weltweit bedrohte Vogelart, die in Österreich schon lange ausgestorben ist.
Möwen, Seeschwalben, Reiher & Co.
Im Seewinkel/B wurden gleich drei Lachseeschwalben (Gelochelidon nilotica) beobachtet. Die Beobachtung einer Tundramöwe (Larus fuscus heuglini) – die als nordöstliche Unterart der Heringsmöwen angesehen wird– würde im Falle einer derzeit nur provisorischen Anerkennung durch die AFK den 18. Nachweis für Österreich darstellen.
Der Sichler (Plegadis falcinellus) war im April besonders präsent: Zwei Individuen wurden am Unterer Inn/OÖ beobachtet, je eines am Völkermarkter Stausee/K an der Gurkmündung/K und zwei weitere im Rheindelta/V.
Rallenreiher (Ardeola ralloides) wurden in Kärnten sowie an drei Standorten in der Steiermark gesichtet – ein seltener, aber regelmäßiger Gast in Österreichs Feuchtgebieten.
Der April 2026 war wieder ein ereingisreicher Monat für Vogelbeobachter:innen in Österreich. Von seltenen Enten über beeindruckende Greifvögel bis hin zu eleganten Singvögeln – die Vielfalt der Sichtungen zeigt, wie wichtig der Schutz unserer bestehenden Lebensräume ist.
Achtung: Vom Samstag, 16. Mai, 15 Uhr, bis Sonntag, 17. Mai, 15 Uhr, findet das 23. Österreichische BirdRace statt. Traditionell werden zu dieser Jahreszeit auch immer seltene Vogelarten entdeckt.
Wir freuen uns über eine rege Teilnahme – suchen Sie nicht nur nach seltenen Vogelarten, sondern sammeln Sie auch gleichzeitig Spenden für den Artenschutz! Jede gesichtete Art trägt dazu bei, Spenden für den Vogelschutz zu sammeln. Mitmachen können alle – egal ob erfahrene Ornitholog:innen oder Einsteiger:innen. Wichtig ist lediglich, dass nur sicher bestimmte Vogelarten gemeldet werden.
Disclaimer
Vogelbeobachtung soll Freude bereiten – aber stets im Einklang mit dem Wohl der Vögel! Ein verantwortungsvolles Verhalten ist dabei unerlässlich. Absichtliche Störungen, das Beineinträchtigen von Lebensräumen sowie das bewusste Aufscheuchen oder Anlocken von Vögeln durch Klangattrappen lehnen wir entschieden ab. Eine „bessere“ Beobachtung oder ein vermeintlich „perfektes“ Foto rechtfertig so ein Verhalten unter keinen Umständen! Bitte bleiben Sie auf ausgeschriebenen und regelmäßig genutzten Wegen und vermeiden Sie das Betreten von Privatgrundstücken oder geschützten Flächen ohne Erlaubnis. Unbedachtes Verhalten kann nicht nur die beobachteten Vögel belasten, sondern auch andere Arten in der Umgebung unnötig stressen. Darüber hinaus sollten Sie als Naturliebhaber:in mit gutem Beispiel vorangehen. Rücksichtnahme ist der Schlüssel zu einem harmonischen Naturerlebnis!
Wir legen Ihnen zudem nahe, Ihre Anreise so klimafreundlich wie möglich zu gestalten – idealerweise ohne CO₂-Emissionen. Nutzen Sie öffentliche Verkehrsmittel, gehen Sie zu Fuß oder fahren Sie mit dem Fahrrad. Wenn eine Fahrt mit dem Auto notwendig ist, bilden Sie doch Fahrgemeinschaften – gemeinsam Vögel zu beobachten macht nicht nur mehr Freude, sondern schont auch die Umwelt!
Wir bedanken uns an dieser Stelle bei Samuel Schnierer, Richard Blach und Lisa Lugerbauer für die Fotos.
Beobachtungen wildlebender Vogelarten können an BirdLife über die Meldeplattform www.ornitho.at gemeldet werden. Bei sehr seltenen Vogelarten (oder Unterarten) sollte zusätzlich auch eine Dokumentation bei der Avifaunistischen Kommission von BirdLife erfolgen. Die Überprüfung durch die Kommission ist die Grundlage für die weitere Verwendung dieser Beobachtungen (z. B. in Publikationen aller Art). Welche Arten gemeldet werden sollten, ist hier ersichtlich.










