Vogelsichtungen

Seltene Gäste in Österreich: Vogel-Highlights im Juli und August

Filip Reiter, Lisa Lugerbauer, Norbert Teufelbauer04.09.2026
Ein Thorshühnchen zu Besuch am Erlaufsee.
Ein Thorshühnchen zu Besuch am Erlaufsee.
© Gerhard Rieder

In unserer monatlichen Reihe "Seltene Gäste in Österreich: Vogel-Highlights im..." stellen wir eine Auswahl der spannendsten Vogelbeobachtungen des letzten Monats vor, die auf ornitho.at bis zum letzten Tag des jeweiligen Monats gemeldet wurden. Ausnahmsweise haben wir die Monate Juli und August in dieser Ausgabe zusammengefasst. Diese Meldeplattform dient dazu, wissenschaftlich verwertbare bzw. naturschutzrelevante Daten über Vögel in Österreich zu sammeln. Die Dokumentationen zur Sichtung sehr selten auftretender Vogelarten werden regelmäßig von der Avifaunistischen Kommission Österreich (AFK) überprüft. Bei aktuellen Meldungen ist das noch nicht erfolgt; die Nennung hier erfolgt daher mit Vorbehalt. Über die Ergebnisse ihrer Arbeit veröffentlicht die AFK regelmäßig Berichte auf ihrer Website.

Der Sommer neigt sich langsam dem Ende zu – Zeit, den Blick noch einmal auf die vergangenen beiden Monate zu richten. Und eines lässt sich dabei mit Sicherheit sagen: Langweilig war es in der Welt der seltenen Vögel keineswegs!

Ganz im Gegenteil: Vor allem das 20. Kärntner Greifvogelcamp sorgte für zahlreiche spannende Beobachtungen. Neben über 4.000 Wespenbussarden, die auf ihrem Zug in den Süden für ein beeindruckendes Schauspiel sorgten, ließ sich auch die eine oder andere seltene Vogelart blicken. So wurde der heurige Sommer einmal mehr zu einer abwechslungsreichen und überraschungsreichen Zeit für Vogelbeobachter:innen.

Von besonderen Greifvögeln

Vom Schlangenadler (Circaetus gallicus) wurden zahlreiche Beobachtungen in allen Bundesländern außer Wien getätigt. Eine der Beobachtungen in Niederösterreich lag nur unweit der Wiener Grenze im Nationalpark Donau-Auen. Auch wenn Meldungen dieser Art nach wie vor selten sind, waren sie vor 15 Jahren noch wirklich rar.

Ein Schlangenadler fliegt über Österreich.
Ein Schlangenadler zu Besuch in Österreich.
© Bernhard Zens

Die einzige Sichtung eines Gleitaars (Elanus caeruleus) gelang in Baldramsdorf/K.

Der Sommer hatte zudem Beobachtungen von Zwergadlern (Hieraaetus pennatus) zu bieten: beim Kärntner Greifvogelcamp in Oberstossau/K und in Arnoldstein/K. Weiters wurde mit einem Schreiadler (Clanga pomarina) ein Verwandter des Zwergadlers bei Knittelfeld/STMK entdeckt.

Neben zahlreichen übersommernden Gänsegeiern konnten auch mindestens drei Mönchsgeier (Aegypius monachus) in der Glocknergruppe/K/S/T nachgewiesen werden. Weitere Beobachtungen gelangen in der Goldberggruppe/K/S, den Lechtaler Alpen/T, der Kreuzeckgruppe/K, dem Drautal/K und den Stubaier Alpen/T.

Besondere Limikolen aus teils entfernten Regionen

In Aichfeld/STMK wurde ein Triel (Burhinus oedicnemus) gesichtet. Zudem gab es vier Nachweise von Austernfischern (Haematopus ostralegus): im Rheindelta/V, nun schon für zehn Tage am Ossiacher See/K und weit abseits erwartbarer Beobachtungsplätze am Erlaufsee (grenzüberschreitend NÖ/STMK). Letzterer Ort, der Erlaufsee/NÖ/STMK, bot Mitte August auch die Möglichkeit, ein Thorshühnchen (Phalaropus fulicarius) im 2. Kalenderjahr zu beobachten.

Teichwasserläufer (Tringa stagnatilis) zeigten sich an drei Örtlichkeiten: einer im Kremstal/OÖ, einer im Waldviertel/NÖ sowie einer am Wienerwaldsee/NÖ, der mittlerweile immer wieder mit dem Vorkommen seltenerer Arten aufhorchen lässt.

Zu den weiteren seltenen Gästen zählte eine Pfuhlschnepfe (Limosa lapponica), die im Rheindelta/V rastete. Ihre europäischen Hauptbrutgebiete liegen in den arktischen und subarktischen Tundren, den Mooren der Taiga sowie in feuchten Küstenbereichen, die sich von Nordskandinavien über Russland bis nach Sibirien erstrecken. Ergänzt wurde die Liste an Seltenheiten durch einen Sumpfläufer (Calidris falcinellus) im Jugendkleid im Seewinkel/B., dessen nächste Brutgebiete in Norwegen, Schweden und Finnland zu finden sind.

Haben Sie das gewusst?

"Den gegenwärtigen Weltrekord für den längsten bekannten Nonstop-Flug bei Land- und Wasservögeln führt eine junge Pfuhlschnepfe mit ca. 13.500 km an.“

Redaktionsteam

Limikolen am Berg? Eher unwahrscheinlich, aber möglich! Ab Mitte August kann man bei alpinen Wanderungen das Glück haben, auf durchziehende Mornellregenpfeifer (Eudromias morinellus) zu treffen. Erfolgreiche Beobachtungen in alpinen Lagen gelangen in Vorarlberg, Tirol, Kärnten. In tiefen Lagen in Niederösterreich und im Burgenland.

Ein Mornellregenpfeifer am Durchzug in Österreich.
Ein Mornellregenpfeifer am Durchzug in Österreich.
© Andreas Volz

Rare Reiher, marginal auftretende Möwen und seltene Seeschwalben

Im Juli und August konnten am Donaukraftwerk Altenwörth/N, im Seewinkel/B, im Rheindelta/V sowie im Schutzgebiet Herrschaftsteich bei Halbenrain/STMK mehrere Rallenreiher (Ardeola ralloides) beobachtet werden – stets handelte es sich um Einzeltiere, ganz im Gegensatz zu Kuhreihern, die gerne in kleinen bis größeren Gruppen auftreten.

Für besonderes Aufsehen sorgten vier Sichler (Plegadis falcinellus) im Rheindelta/V sowie ein weiterer im Seewinkel/B.

Ein echtes Highlight war die Sichtung von mindestens zwei Schmarotzerraubmöwen (Stercorarius parasiticus) im Seewinkel/B. Die Art zählt zu den insgesamt vier in Österreich nachgewiesenen Raubmöwenarten (Skua, Spatelraubmöwe, Schmarotzerraubmöwe, Falkenraubmöwe). Unter ihnen ist sie die am häufigsten beobachtete, während die Skua die größte Seltenheit darstellt – zuletzt konnte diese 2017 nachgewiesen werden.

Auch eine Lachseeschwalbe (Gelochelidon nilotica) wurde im Seewinkel erspäht dies blieb jedoch die einzige Beobachtung dieser Art für den gesamten Sommer. Ihre Verwandte, die Brandseeschwalbe (Thalasseus sandvicensis), zeigte sich hingegen deutlich präsenter und wurde an vier Standorten nachgewiesen: im Rheindelta/V, am Wörthersee/K, an den Kirchberger Teichen/STMK sowie am Donaukraftwerk Abwinden-Asten/OÖ. Schließlich konnten auch Zwergseeschwalben (Sternula albifrons) beobachtet werden: eine im Seewinkel/B und zwei Individuen am Rudmannser Teich/NÖ.

Eine Blauracke und seltene Singvögel

Im Drautal/K gelang erneut die Beobachtung einer Blauracke (Coracias garrulus). Abseits ihrer letzten Brutgebiete in der Südoststeiermark kommt sie in Österreich nur als Gastvogel vor.

Im Ehrwalder Becken/T wurde ein Zistensänger (Cisticola juncidis) nachgewiesen. Seine nächstgelegenen Brutgebiete finden sich in Italien und Kroatien, doch hat er mittlerweile in Deutschland und seit 2015 auch in Österreich bereits erfolgreich gebrütet.

Ebenso kann ein Brutauftreten des Grünlaubsängers (Phylloscopus trochiloides) in naher Zukunft nicht ausgeschlossen werden. Diese ursprünglich in der Taiga von Sibirien bis zur Ostsee beheimatete Art hat sich bereits in Deutschland als Brutvogel in geringer Zahl etabliert und auch aus der Schweiz liegt ein Nachweis erfolgreicher Reproduktion vor.; ein Individuum dieser leicht zu übersehenden Vogelart konnte diesen Sommer im Toten Gebirge/OÖ nachgewiesen werden.

Besonders erfreulich waren vier Nachweise des Sprossers (Luscinia luscinia): In Hohenau/NÖ und im Waldviertel, an der Biologische Station Neusiedler See im Seewinkel/B (jeweils beringt) sowie in Graz-Weinzödl, wo er mittels Fotofalle dokumentiert wurde.

Der Ortolan (Emberiza hortulana) gilt in Österreich seit 2015 als Brutvogel ausgestorben, weshalb aktuelle Beobachtungen in der Regel nur mehr Durchzügler betreffen. Auf den Schlinser Feldern/V konnten während des heurigen Vogelzugs bis zu 11 Individuen gesichtet werden – das ist allerdings kein Zeichen für eine Wiederansiedlung sondern im Rahmen des Vogelzugs in Verknüpfung mit besonderen Wetterumstände möglich.

Bleiben wir gespannt, welche Seltenheiten der September bringen wird!

Disclaimer

Vogelbeobachtung soll Freude bereiten – aber stets im Einklang mit dem Wohl der Vögel! Ein verantwortungsvolles Verhalten ist dabei unerlässlich. Absichtliche Störungen, das Beineinträchtigen von Lebensräumen sowie das bewusste Aufscheuchen oder Anlocken von Vögeln durch Klangattrappen lehnen wir entschieden ab. Eine „bessere“ Beobachtung oder ein vermeintlich „perfektes“ Foto rechtfertig so ein Verhalten unter keinen Umständen! Bitte bleiben Sie auf ausgeschriebenen und regelmäßig genutzten Wegen und vermeiden Sie das Betreten von Privatgrundstücken oder geschützten Flächen ohne Erlaubnis. Unbedachtes Verhalten kann nicht nur die beobachteten Vögel belasten, sondern auch andere Arten in der Umgebung unnötig stressen. Darüber hinaus sollten Sie als Naturliebhaber:in mit gutem Beispiel vorangehen. Rücksichtnahme ist der Schlüssel zu einem harmonischen Naturerlebnis!

Wir legen Ihnen zudem nahe, Ihre Anreise so klimafreundlich wie möglich zu gestalten – idealerweise ohne CO₂-Emissionen. Nutzen Sie öffentliche Verkehrsmittel, gehen Sie zu Fuß oder fahren Sie mit dem Fahrrad. Wenn eine Fahrt mit dem Auto notwendig ist, bilden Sie doch Fahrgemeinschaften – gemeinsam Vögel zu beobachten macht nicht nur mehr Freude, sondern schont auch die Umwelt!

Wir bedanken uns an dieser Stelle bei Gerhard Rieder, Bernhard Zens und Andreas Volz für ihre Fotos!

Beobachtungen wildlebender Vogelarten können an BirdLife über die Meldeplattform www.ornitho.at gemeldet werden. Bei sehr seltenen Vogelarten (oder Unterarten) sollte zusätzlich auch eine Dokumentation bei der Avifaunistischen Kommission von BirdLife erfolgen. Die Überprüfung durch die Kommission ist die Grundlage für die weitere Verwendung dieser Beobachtungen (z. B. in Publikationen aller Art). Welche Arten gemeldet werden sollten, ist hier ersichtlich.