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Wien, 21.08.2026 – Mit dem Spätsommer kommt der Vogelzug in Österreich voll in Gang: Viele Langstreckenzieher wie Kuckuck, Nachtigall, Klappergrasmücke und Wespenbussard verlassen bereits im August ihre Brutgebiete. Auch die wohl bekanntesten heimischen Zugvögel, die Weißstörche, machen sich nun auf den Weg in den Süden. Unter ihnen sind die Jungstörche, die heuer in den mittlerweile rund 600 österreichischen Storchenhorsten geschlüpft sind. Zumindest in Ostösterreich haben die Weißstörche den trockenen Sommer gut überstanden: Nach einer ersten Zwischenbilanz zeichnet sich erneut ein erfreulich hoher Bruterfolg ab.
Weißstörche – ziehen oder bleiben?
Die meisten Jungstörche verlassen den elterlichen Horst bereits vor Mitte August, um in den Süden zu ziehen, während die Altvögel oft noch etwas länger verweilen. Anfang September ist der Storchenabzug dann weitgehend abgeschlossen. Die ostösterreichischen Störche ziehen dabei Richtung Südosten und umrunden das Mittelmeer im Osten, bevor sie ins östliche Afrika kommen, die westösterreichischen Richtung Südwesten. Bei den westziehenden Störchen gibt es mittlerweile allerdings einen nicht unerheblichen Anteil, der gar nicht mehr bis Westafrika zieht, sondern in Südwesteuropa überwintert.
„Einige bleiben sogar den gesamten Winter über in Mitteleuropa – mit etwas Glück kann man daher sogar zu Weihnachten am Bodensee Störche beobachten“, weiß Eva Karner-Ranner von BirdLife Österreich.
Zwischenbilanz der Storchensaison 2026
Der Vogelschutzverein BirdLife Österreich zählt mit Hilfe zahlreicher Partnerorganisationen, Gemeinden sowie vieler Ehrenamtlicher jährlich die österreichischen Weißstorchbrutpaare und ihre Jungvögel. Nach den bisher vorliegenden Daten von 210 Horsten aus dem Burgenland, Niederösterreich und Kärnten (die Information über die restlichen Horste treffen im Lauf der zweiten Jahreshälfte ein) liegt der Bruterfolg bei 2,31 ausgeflogenen Jungvögeln je besetztem Horst. Dies ist erneut ein erfreulich hoher Wert. (In den letzten 20 Jahren pendelt der durchschnittliche Bruterfolg über ganz Österreich gerechnet zwischen 1,5 und 2,3.)
Über besonders viele Jungvögel konnten sich Storchenfans im Waldviertel und im burgenländischen Bezirk Oberwart freuen – hier wurde sogar ein durchschnittlicher Bruterfolg von über 2,7 ermittelt. Etwas weniger Glück hatten die Störche in der Buckligen Welt/Niederösterreich und im südlichsten Burgenland (Bezirke Güssing und Jennersdorf) mit 1,8 bzw. 1,86. Hier könnten die wenigen starken Regenfälle, die es in der Brutsaison gab, einigen kleinen Jungstörchen zum Verhängnis geworden sein.
Warum haben die Störche die Trockenheit relativ gut überstanden?
Die erste Junihälfte – eine besonders wichtige Phase, in der die kleinen Jungvögel noch mit weicher Nahrung wie Regenwürmern gefüttert werden – lag bei den Niederschlägen ungefähr im langjährigen Durchschnitt. Erst ab der zweiten Junihälfte und vor allem im Juli und August setzte die ausgeprägte Trockenheit ein. Zu diesem Zeitpunkt waren die Jungvögel jedoch bereits größer und die Störche konnten auf andere Nahrungsquellen ausweichen.
„Prinzipiell können Störche auch in trockeneren Regionen wie in Südeuropa oder Nordafrika gut zurechtkommen, wenn es ein ausreichendes Insektenangebot gibt“, weiß die Expertin.
Neben größeren Insekten wie Heuschrecken, die von warmer, trockener Witterung sogar profitieren können – solange die Trockenheit nicht zu extrem wird –, spielen bei der Aufzucht der Jungvögel auch Mäuse eine wichtige Rolle. Denn völlig ausgetrocknete Wiesen, wie sie im August vielerorts zu finden waren, bieten selbst Heuschrecken kaum noch ausreichend Nahrung und Lebensraum.
Besonders schwierig wird es für Weißstörche in trockenen Jahren in jenen Regionen, in denen sie stark auf Nahrung aus Überschwemmungsflächen, Feuchtwiesen oder Gewässerufern angewiesen sind. Das zeigte sich heuer etwa im burgenländischen Seewinkel: Dort lag der durchschnittliche Bruterfolg bei zwei ausgeflogenen Jungvögeln pro Brutpaar. Das ist im langjährigen Vergleich zwar kein schlechter Wert, liegt aber unter den Spitzenwerten der erfolgreichsten Brutgebiete.
„Besonders gespannt sind wir auf die Auswertung aus den Augebieten an March und Thaya sowie den Feuchtwiesen des Rheintals. Denn dort sind die Weißstörche eng an wasserreiche Lebensräume gebunden“, erklärt Eva Karner-Ranner von BirdLife Österreich.
Hintergrund: Weißstorch-Brutbestand in Österreich (Ergebnis der Zählung von 2025)
2025 brüteten in Österreich bereits 600 Weißstorch-Paare – so viele wie noch nie seit Beginn der Weißstorchzählungen in den 1950er Jahren. Mehr als 1.300 Jungstörche konnten im Vorjahr erfolgreich großgezogen werden. In den letzten 10 Jahren konnte der Weißstorch in Österreich deutlich zulegen – 2015 waren es noch 386 Brutpaare.
Burgenland bleibt Storchen-Hotspot: Mit 166 Horstpaaren ist das Burgenland weiterhin das storchenreichste Bundesland. Gleichzeitig zeigt der Bestand hier deutlich nach oben – 2015 brüteten 138 Paare.
Vorarlberg an zweiter Stelle: Besonders dynamisch entwickelt sich seit Jahren der Bestand im Vorarlberger Rheintal. Mit 138 Horstpaaren wurde hier 2025 ein neuer Rekord aufgestellt und fast eine Verfünffachung seit 2015 verzeichnet, als nur 28 Paare im Ländle brüteten.
Steiermark auf hohem Niveau: Mit 135 Horstpaaren konnte der Vorjahrsrekord von 135 Horstpaaren gehalten werden – langfristig bestätigt sich der positive Bestandstrend (2015 106 Paare).
Niederösterreich an vierter Stelle: 2025 wurden 114 Horstpaare gezählt, fast so viel wie 2024 (115) und um 11 Paare mehr als 2015. Vor allem im Mostviertel gab es in den letzten Jahren neue Ansiedlungen – eine Entwicklung, die auch in Oberösterreich (22 Horstpaare) und Salzburg (8 Horstpaare) zu beobachten ist.
In Kärnten steigert sich der Bestand langsam aber sicher: 2025 konnten 17 Horstpaare gezählt werden, im Vergleich zu 5 im Jahr 2015.
Österreich liegt mit der Bestandszunahme im internationalen Trend – die Weißstorchzahlen nehmen in den meisten europäischen Ländern zu. Die besonders starke Steigerung in Vorarlberg ist wohl in erster Linie darauf zurückzuführen, dass die westziehenden Störche heute überwiegend eine kürzere Zugstrecke zurücklegen und dadurch weniger Gefahren auf dem Zug ausgesetzt sind.
Vergleich 2015 und 2025

2025 im Detail

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Lisa Lugerbauer 1150 Wien, Diefenbachgasse 35/1/6 Mobil: +43 (0) 660 6726537 lisa.lugerbauer@birdlife.at
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