PRESSEAUSSENDUNG
BirdLife Österreich berichtet über heurige Brutsaison der Kaiseradler
Wien, 01.09.2026 – Die Bestände des Kaiseradlers (Aquila heliaca) sind weiter im Aufwind. Im Jahr 2026 konnten in Österreich knapp 70 Reviere der weltweit bedrohten Art festgestellt werden. Ein deutliches Plus zum Vorjahr – allerdings verlief die Brutsaison mit dem niedrigsten Bruterfolg seit 15 Jahren für viele Brutpaare durchwachsen.
„Der Kaiseradler breitet sich weiterhin in Österreich aus und besiedelt zunehmend die geeigneten Lebensräume. Unsere intensiven Schutzbemühungen sowie auch die unserer Partner im benachbarten Ausland helfen bei der natürlichen Wiederbesiedlung seines ursprünglichen Habitats“, berichtet Matthias Schmidt, Greifvogelexperte von BirdLife Österreich: “Ein Sinnbild dieser partnerschaftlichen und engen Zusammenarbeit ist der Bruterfolg der Kaiseradlerdame „Theodora“. Sie wurde 2022 als Jungvogel im Horst in einer Kooperation zwischen BirdLife Österreich und BirdLife Ungarn (MME) im Grenzgebiet beringt und besendert. Nun vier Jahre später hat sie erstmals erfolgreich mit ihrem Partner, ein im selben Jahr im Rahmen eines Schutzprogramms besenderter Wildvogel aus der Slowakei, zwei Jungvögel im Wiener Becken aufgezogen.“ Bei Theodora handelt es sich zudem um einen kleinen Filmstar. 2022 wurde ihre Beringung in einer ARTE-Dokumentation über Kaiseradler und ihre illegale Verfolgung filmisch begleitet. Durch das GPS-Tracking sind die enorm zurückgelegten Strecken über Polen an die Ostsee, in die Slowakei und nun bis zum Brüten nach Niederösterreich lückenlos nachvollziehbar. Die Geschichte des jungen Paares zeigt, wie wichtig internationale Schutzbemühungen und Kooperationen sind.
Reviere und Bruterfolge
Heuer konnte BirdLife Österreich in Summe 68 Reviere des Kaiseradlers erfassen, bei 56 davon haben die Vögel auch tatsächlich gebrütet. Das ist in etwa ein Anstieg von 10% zum Vorjahr. Der Anstieg der Brutpaare 2026 hat aber leider nicht zum erwarteten Anstieg von Jungvögeln geführt: Der Bruterfolg war so gering wie seit 15 Jahren nicht mehr. Entgegen den Erwartungen war der Auslöser dafür nicht die unmittelbare Hitze, sondern regionale, kurze und heftige Schlechtwetter-Phasen. Einzelne, lokale Wetterereignisse Mitte Mai haben offenbar bei einer Reihe von Paaren zu einem Verlust der frisch geschlüpften Jungvögel geführt. Während dieser sensiblen Phase reichen wenige Tage mit viel Niederschlag und geringen Temperaturen aus, dass die Jungvögel im Nest verenden können.
Regionale Unterschiede
Vor allem Brutpaare im westlichen Weinviertel sowie im Bereich des Tullnerfelds waren massiv betroffen. Im Nordburgenland und südlichen Wiener Becken hingegen war der Bruterfolg gut.
Dort konnte auch der Großteil an Bruten verzeichnet werden, bei denen sogar drei Jungvögel erfolgreich ausfliegen konnten. Bei der Erfassung der Kaiseradler beteiligt sich ein breites Netzwerk engagierter Greifvogelbeobachter:innen, denen an dieser Stelle für ihren Einsatz sehr herzlich gedankt sei.
Hintergrund zum Kaiseradler
Der Kaiseradler war in Österreich lange Zeit ausgestorben und ist erst vor wenigen Jahrzehnten wieder zurückgekehrt. Österreich ist das westlichste Verbreitungsgebiet des Kaiseradlers. Hier kommt er vom Nordburgenland über das Wein- bis ins östliche Waldviertel vor. Sie bevorzugen weitläufige, beutereiche und störungsarme Offenlandschaften. Ihre Horste bauen sie meist auf größeren Bäumen mit freiem Anflug, sowohl im Wald als auch auf Einzelbäumen oder in Baumstreifen in Agrargebieten.
Rückfragehinweis
Lisa Lugerbauer, Leitung Kommunikation 1150 Wien, Diefenbachgasse 35/1/6 Mobil: +43 (0) 699 181 555 65 lisa.lugerbauer@birdlife.at
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