Wildtierkriminalität

Vergiftete Gänsegeier: Neue Spuren im Kärntner Giftfall

Dr. Susanne Schreiner18.06.2026
Einer der vergifteten Gänsegeier.
© Michael Kurz

PRESSEAUSSENDUNG

Klagenfurt/Wien, 18. Juni 2026 - Im Fall der im April vergifteten Gänsegeier im Kärntner Lesachtal gibt es neue Erkenntnisse. Zumindest drei der verendeten Vögel hatten Fleisch vom Rotwild im Magen, berichten der WWF und BirdLife Österreich auf Basis neuer Analysen des Forschungsinstituts für Wildtierkunde und Ökologie (FIWI). Genetisch untersucht wurden die Nahrungsreste in den Mägen der Gänsegeier.

Die neuen Erkenntnisse erhärten den Verdacht auf einen gezielten Giftanschlag gegen geschützte Wildtiere. Rotwild zählt zur Hauptbeute von Wölfen, die wiederholt Ziel von Vergiftungen gewesen sind. Daher liegt der Verdacht nahe, dass auch im Lesachtal Wölfe getroffen werden sollten“, sagt WWF-Expertin Christina Wolf-Petre. Historisch zählten Vergiftungen zu den Hauptursachen für die ursprüngliche Ausrottung des Wolfs in Österreich. Erst im April wurden in Italien zumindest 18 Wölfe mit dem EU-weit verbotenen Carbofuran vergiftet.

„Gänsegeier spüren Kadaver über große Distanzen auf und nutzen sie als Aasfresser. Ein gezielter Anschlag auf die Geier ist zwar nicht ausgeschlossen, aber bisher deutet Vieles darauf hin, dass es sich um einen Kollateralschaden handelt, der in Kauf genommen wurde“, sagt Johannes Hohenegger, Greifvogelexperte bei BirdLife Österreich.

„Der Fall zeigt die besondere Gefahr von Giftködern: Sie wirken völlig unkontrollierbar und können zahlreiche geschützte Arten treffen. Ein einziger präparierter Kadaver kann Wölfe, Geier, Greifvögel und andere Wildtiere gefährden“, sagt Christina Wolf-Petre vom WWF.

Carbofuran ist ein hochgiftiges Nervengift und in der Europäischen Union seit 2008 verboten, wird aber bis heute immer wieder illegal eingesetzt. Bereits geringe Mengen können nicht nur für Wildtiere, sondern auch für Haustiere und Menschen gefährlich sein. Der WWF und BirdLife fordern daher mehr Ressourcen für die ermittelnden Behörden und eine konsequente Verfolgung von Wildtierkriminalität.

Meldemöglichkeiten

Für eine lückenlose Aufklärung sind Hinweise aus der Bevölkerung essenziell. Wer verdächtige Beobachtungen im Zusammenhang mit Wildtierkriminalität macht oder Hinweise auf illegale Tötung geschützter Arten hat, wird gebeten, sich zu melden. Jede Information kann helfen, die Täter:innen zur Rechenschaft zu ziehen.

Grenzüberschreitendes EU-LIFE-Projekt „wildLIFEcrime“

Im Rahmen des EU-geförderten wildLIFEcrime-Projekts (LIFE22-GIE-DE-wildLIFEcrime) arbeiten 13 Organisationen aus Österreich und Deutschland an der Reduktion der Wildtierkriminalität. Eine Koalition aus Naturschutzverbänden, Polizei, Universitäten, Behörden und Veterinärmedizinern setzt sich für den besseren Schutz gefährdeter Arten ein, wodurch dieses Projekt bis 2028 dazu beitragen soll, die Wildtierkriminalität in Deutschland und Österreich zu reduzieren.

Weiterführende Links: https://wildlifecrime.info/projekt/

https://www.birdlife.at/birdcrime/

https://www.wwf.at/das-schuetzen-wir/bedrohte-arten/wildtierkriminalitaet/

Rückfragehinweis

Dr. Susanne Schreiner, Pressesprecherin BirdLife Österreich 1150 Wien, Diefenbachgasse 35/1/6 Mobil: +43 (0) 699 181 555 65 susanne.schreiner@birdlife.at

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