In unserer monatlichen Reihe "Seltene Gäste in Österreich: Vogel-Highlights im..." stellen wir eine Auswahl der spannendsten Vogelbeobachtungen des letzten Monats vor, die auf ornitho.at bis zum letzten Tag des jeweiligen Monats gemeldet wurden. Diese Meldeplattform dient dazu, wissenschaftlich verwertbare bzw. naturschutzrelevante Daten über Vögel in Österreich zu sammeln. Die Dokumentationen zur Sichtung sehr selten auftretender Vogelarten werden regelmäßig von der Avifaunistischen Kommission Österreich (AFK) überprüft. Bei aktuellen Meldungen ist das noch nicht erfolgt; die Nennung hier erfolgt daher mit Vorbehalt. Über die Ergebnisse ihrer Arbeit veröffentlicht die AFK regelmäßig Berichte auf ihrer Website.
Wie jeden Mai befanden sich zahllose Vögel noch auf dem Frühjahrszug und legten bei uns einen Zwischenstopp auf ihrer Reise ein. Unter ihnen lassen sich regelmäßig auch seltenere Arten entdecken. Auch dieses Jahr brachte der Mai eine beachtliche Palette an Seltenheiten in unsere Breiten, an denen sich Beobachter:innen erfreuen konnten.
Schreitvögel und ziehende Greife
Wie in den letzten Jahren konnten im Mai zahlreiche Rallenreiher (Ardeola ralloides) quer durch Österreich beobachtet werden. Dabei kamen Birder:innen aus Kärnten, der Steiermark, dem Burgenland sowie aus Salzburg und Oberösterreich auf ihre Rechnung. Auch der Sichler (Plegadis falcinellus) hat sich in letzter Zeit immer mehr als regelmäßig auftretender Gast gezeigt. Es konnte je ein Individuum am Völkermarkter Stausee/K, im Rückhaltebecken Zelting/Stmk, in Hohenau/N, im Machland/O und im Seewinkel/B nachgewiesen werden, gleich 13 Individuen waren im Rheindelta/V zu entdecken.
Auch der Anblick seltener Greifvögel auf der Durchreise kamen im Mai nicht zu kurz: Im Hansag/B und im Weinviertel/N konnte je ein Gleitaar (Elanus caeruleus) beobachtet werden, im Seewinkel/B ein Adlerbussard (Buteo rufinus), und im Feistritzer Moos/K, der Mühldorfer Au/K und dem Seewinkel/B wurden Rötelfalken (Falco naumanni) entdeckt. Auch einige seltene Adler traten im vergangenen Monat auf. So wurde in den Gurktaler Alpen/K ein Schlangenadler (Circaetus gallicus) festgestellt, im Seewinkel/B und am Ossiachersee/K konnten Zwergadler (Aquila pennata) beobachtet werden. Schreiadler (Clanga pomarina) waren im Mai vergleichsweise zahlreich zugegen, vergönnt war die Art Beobachter:innen im Krappfeld/K, im Seewinkel/B, bei Engelhartstetten/N und mit zwei Individuen im Weinviertel/N.
"Limiparty" in Österreichs Hotspots
Ähnlich wie in den Vorjahren bot der Mai erneut die Gelegenheit, Trupps rastender Limikolen auf Seltenheiten zu durchmustern. Bis zu drei Pfuhlschnepfen (Limosa lapponica) waren im Seewinkel zugegen und konnten von zahlreichen Beobachter:innen gesehen werden. Auch am Unteren Inn/OÖ, in Graz/Stmk und in der Bernhardsthaler Ebene/NÖ wurde die Art aufgespürt. Vom Unteren Inn/OÖ, aus dem Seewinkel und dem Rheindelta/V wurden Austernfischer (Haematopus ostralegus) gemeldet, ein Triel (Burhinus oedicnemus) aus den Milser Feldern/T und Mornellregenpfeifer (Charadrius morinellus) aus dem Tiefland im Seewinkel/B und hoch oben vom Hochschwab/N/Stmk.
Auch aus der Gruppe der Strandläufer (Calidris-Arten) erreichten einige Raritäten unsere Breiten. Jährlich nachgewiesen, machte auch heuer wieder der eine oder andere Sumpfläufer (Limicola falcinellus) im Seewinkel/B Rast. Highlight war dabei ein Trupp von 16 Individuen. Durchaus seltener wurde ein Graubrust-Strandläufer (Calidris melanotos) ebenso aus dem Seewinkel/B gemeldet. Das "Calidris-Highlight" wurde jedoch am anderen Ende Österreichs nachgewiesen: Einen Tag lang war im Rheindelta/V Österreichs vermutlich 22. Grasläufer (Calidris subruficollis) zu beobachten – eine „echte Rarität“ unter den Raritäten!

Doch damit noch nicht genug von den Limikolen. Bemerkenswerterweise wurden im Mai beide in Europa brütende Brachschwalben in Österreich nachgewiesen. Mehrere Tage hielt sich eine Rotflügelbrachschwalbe (Glareola pratincola) im Seewinkel/B auf, eine Schwarzflügelbrachschwalbe (Glareola nordmanni) im Prachtkleid hingegen wurde im Rheindelta/V entdeckt – dabei handelt es sich bei Anerkennung durch die AFK um den 15. Nachweis für Österreich.
Haben Sie das gewusst?
"Die Rotflügelbrachschwalbe brütet lokal vor allem in trockenen Steppen- und Halbwüstengebieten Südosteuropas. Die Schwarzflügelbrachschwalbe hingegen besiedelt überwiegend Feuchtgebiete und Überschwemmungsflächen der asiatischen Steppenzone und erreicht immer wieder den äußersten Osten Europas. Sie ist die wesentlich seltenere „Brachschwalbe“ in Österreich."

Redaktionsteam
Gegen Ende des Monats wurden aus dem Seewinkel/B noch zwei Odinshühnchen (Phalaropus lobatus) gemeldet, und die Doppelschnepfe (Gallinago media) konnte im Seewinkel/B, mit fünf Individuen in den Zitzmannsdorfer Wiesen/B und am Völkermarkter Stausee/K entdeckt werden.
Seltene Seeschwalben und ein Sumpfhuhn
Nach dem herausragenden Brutnachweis letztes Jahr konnte auch heuer wieder für kurze Zeit die Anwesenheit eines Zwergsumpfhuhns (Porzana pusilla) im Burgenland festgestellt werden.
Gleich drei Arten seltener Seeschwalben erfreuten Österreichs Vogelbeobachter:innen im vergangenen Monat: Beobachtungen der Lachseeschwalbe (Gelochelidon nilotica) glückten im Rheindelta/V und im Seewinkel/B, die Brandseeschwalbe (Thalasseus sandvicensis) wurde am Wörthersee/K und am Bodensee bei Bregenz/V entdeckt. Von der Zwergseeschwalbe (Sternula albifrons) liegen Meldungen von den Schwarzlteichen/Stmk und aus dem Seewinkel/B vor.
Singvogel-Highlights aus dem Mai
Auch seltene Singvögel sorgten im vergangenen Monat landesweit für Freude: Je drei Kurzzehenlerchen (Calandrella brachydactyla) konnten im Krappfeld/K, der Mühldorfer Au/K und den Thaurer Feldern/T bestaunt werden. Eine Rötelschwalbe (Cecropis daurica) konnte im Seewinkel/B entdeckt werden, gleich zwei am Draustau Feistritz/K. Im Hohenau/N rastete eine Zitronenstelze (Motacilla citreola), ein Sprosser (Luscinia luscinia) in St. Pölten/N war leider nur wenige Stunden zu hören und damit nur dem Entdecker vergönnt. Ebenso singend konnten in Vorarlberg und in Osttirol Orpheusspötter (Hippolais polyglotta) nachgewiesen werden.
Mit der Rückkehr der Neuntöter verschlug es auch zwei Rotkopfwürger (Lanius senator) nach Österreich: Ein Individuum wurde im Hansag/B entdeckt, ein weiteres im Weststeirischen Randgebirge/K-Stmk.
Innerhalb weniger Tage glückten gleich mehrere Beobachtungen des Rosenstars (Sturnus roseus) in Trupps von "gewöhnlichen" Staren. Nach jeweils einem Individuum dieser charismatischen Art im Seewinkel/B und einem in Donnerskirchen/B konnten gleich acht Vögel an den Großwilfersdorfer Teichen/Stmk und ein weiterer am Flughafen Graz-Thalerhof/Stmk entdeckt werden. Erneut gab es Beobachtungen des Ortolans (Emberiza hortulana) im Mai: sowohl in Graz/Stmk, im Seewinkel/B als auch in Nußdorf-Debant/T war die Art zugegen. Letzterer Spot beherbergte auch für kurze Zeit eine Blauracke (Coracias garrulus), wie auch der Seewinkel/B und St. Margarethen/B.

Drei Unterarten zum Abschluss
Zwar keine eigenständigen Arten, jedoch trotzdem nennenswert sind eine Beobachtung des Taigazilpzalps (Unterart "tristis" des Zilpzalps) aus dem Rheindelta/V, vorbehaltlich der Anerkennung durch die AFK, eine Tundramöwe (Unterart "heuglini" der Heringsmöwe) aus dem Seewinkel/B und eine Trauerbachstelze (Unterart "yarellii" der Bachstelze) aus dem Innviertel/OÖ.
Wir freuen uns bereits auf die ersten Seltenheiten des Frühsommer und blicken gespannt dem restlichen Juni entgegen – Viel Spaß beim Beobachten!
Disclaimer
Vogelbeobachtung soll Freude bereiten – aber stets im Einklang mit dem Wohl der Vögel! Ein verantwortungsvolles Verhalten ist dabei unerlässlich. Absichtliche Störungen, das Beineinträchtigen von Lebensräumen sowie das bewusste Aufscheuchen oder Anlocken von Vögeln durch Klangattrappen lehnen wir entschieden ab. Eine „bessere“ Beobachtung oder ein vermeintlich „perfektes“ Foto rechtfertig so ein Verhalten unter keinen Umständen! Bitte bleiben Sie auf ausgeschriebenen und regelmäßig genutzten Wegen und vermeiden Sie das Betreten von Privatgrundstücken oder geschützten Flächen ohne Erlaubnis. Unbedachtes Verhalten kann nicht nur die beobachteten Vögel belasten, sondern auch andere Arten in der Umgebung unnötig stressen. Darüber hinaus sollten Sie als Naturliebhaber:in mit gutem Beispiel vorangehen. Rücksichtnahme ist der Schlüssel zu einem harmonischen Naturerlebnis!
Wir legen Ihnen zudem nahe, Ihre Anreise so klimafreundlich wie möglich zu gestalten – idealerweise ohne CO₂-Emissionen. Nutzen Sie öffentliche Verkehrsmittel, gehen Sie zu Fuß oder fahren Sie mit dem Fahrrad. Wenn eine Fahrt mit dem Auto notwendig ist, bilden Sie doch Fahrgemeinschaften – gemeinsam Vögel zu beobachten macht nicht nur mehr Freude, sondern schont auch die Umwelt!
Wir bedanken uns an dieser Stelle bei Samuel Schnierer, Richard Blach und Lisa Lugerbauer für die Fotos.
Beobachtungen wildlebender Vogelarten können an BirdLife über die Meldeplattform www.ornitho.at gemeldet werden. Bei sehr seltenen Vogelarten (oder Unterarten) sollte zusätzlich auch eine Dokumentation bei der Avifaunistischen Kommission von BirdLife erfolgen. Die Überprüfung durch die Kommission ist die Grundlage für die weitere Verwendung dieser Beobachtungen (z. B. in Publikationen aller Art). Welche Arten gemeldet werden sollten, ist hier ersichtlich.










