Vogel des Jahres

Kiebitze kurz vor Abreise ins Winterquartier: Vogel des Jahres 2026 blickt auf herausfordernde Brutsaison zurück

Jan Dreer, BA18.09.2026
Kiebitz im Flug.
© Manfred Hesch

PRESSEAUSSENDUNG

Wien, 18. September 2026 – Aktuell bereiten sich Kiebitze (Vanellus vanellus) auf ihren Zug ins Winterquartier vor. Neben den heimischen Brutvögeln sind vermehrt auch Durchzügler aus Nord- und Osteuropa auf ihrem Vogelzug in den Süden bei uns zu sehen. Die Feuchtgebiete Österreichs sind dabei zentrale Raststätten. Vor allem im Oktober und November sind zunehmend größere Trupps auf geeigneten Rastflächen anzutreffen, bevor es für sie wegen der hiesigen winterlichen Temperaturen weiter ans Mittelmeer geht. Die Situation um den Brutbestand des Vogels des Jahres 2026 bleibt weiterhin angespannt! Trotz guter Schlupferfolge in vielen betreuten Gebieten haben nur wenig Jungkiebitze überlebt. Neben den fehlenden Rückzugsorten waren sie heuer den herausfordernden Wetterbedingungen ausgesetzt. Die anhaltende Trockenheit hat die Nahrungssuche vor allem für die Jungvögel erheblich erschwert.

Beste Beobachtungszeit und -orte

Österreich ist ein wichtiges Durchzug- und Rastgebiet für Zugvögel aus den nördlichen und östlichen Nachbarländern. Der Vogel des Jahres 2026 lässt sich am Herbstzug zwischen Ende August und November besonders gut beobachten. Da Kiebitze in Trupps von mehreren hundert Individuen unterwegs sind, fallen sie auf ihren Rastplätzen auf. Besonders spektakulär zeigt sich das im Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel (BGLD), im Laaer Becken (NÖ) und am Unteren Inn (OÖ), wo sogar Ansammlungen von bis zu 3000 Individuen beobachtet werden können! Aber auch auf der Parndorfer Platte (BGLD), in den March-Thaya-Niederungen, dem Marchfeld, der Feuchten Ebene, dem Tullnerfeld (NÖ), am Bodensee (VBG), und in den großen Tallandschaften lässt sich dieses Naturschauspiel beobachten.

Erkennungsmerkmale des Kiebitz

Neben ihrem zahlreichen Auftreten fällt auch ihre markante Erscheinung auf. Kiebitze sind etwa taubengroß, schwarzweiß gefärbt, mit metallisch grünem Glanz am Rücken und einer langen dünnen Federholle (spitz zulaufender Federschopf) am Hinterkopf. Im Flug sind vor allem die breit gerundeten Flügel charakteristisch. Für ihre korrekte Bestimmung muss man also keine Vogelexpertin bzw. -experte sein.

Feuchtgebiete sind überlebenswichtig

In der Zugzeit zeigt sich abermals, wie essentiell Wasserstellen in der Landschaft für den Kiebitz, eine Limikolen-Art, sind: „Ackersutten, flache Gewässer oder Schottergruben als Rückzugsorte sind als Rastflächen und zur Nahrungsaufnahme für unsere Kiebitze überlebenswichtig – sowohl für die heimische Brutpopulation als auch für die Durchzügler aus dem Norden und Osten Europas“, erklärt Daniel Leopoldsberger, Projektverantwortlicher bei BirdLife Österreich. „In vielen Regionen ist es durch die anhaltende Trockenheit und den absinkenden Grundwasserspiegel nicht nur für die Kiebitze sehr bedrohlich“. Auch für die Zukunft bleibt der Erhalt naturbelassener Ufer, intakter Feuchtgebiete sowie eine rücksichtsvolle Bewirtschaftung von Ackerflächen für Rückzugsorte und Futterquellen für ihr Überleben unerlässlich.

Hilfe für den Kiebitz

Stellvertretend für alle Acker- und Wiesenbrüter stehen Kiebitze vor großen Herausforderungen. Da ihre Bestände in den letzten Jahrzehnten um mehr als die Hälfte eingebrochen sind, wurde der Kiebitz von BirdLife Österreich zum Vogel des Jahres 2026 gekürt. Zudem initiierte die Vogelschutzorganisation mit dem Verein thema: natur das Projekt Gemeinsam für den Kiebitz, unterstützt vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK), gefördert von der EU, um dem bedrohten, optisch sehr auffälligen Vogel gemeinsam „unter die Flügel“ zu greifen.

Das Projekt und die Schutzbemühungen werden 2027 weiter verfolgt, indem die aufgebauten und bestehenden Kooperationen mit Landwirt:innen und Stakeholder:innen fortgeführt und neue Kooperationen aufgebaut werden. Insbesondere die Zusammenarbeit mit den Landwirt:innen hat heuer gezeigt, wie wichtig die aktiven Schutzmaßnahmen am Acker für das erfolgreiche Schlüpfen der jungen Kiebitze sind. Das Wetter und die Witterung haben zudem verdeutlicht, dass Wasserrückhalt in der Landschaft für Kiebitz und Landwirtschaft gleichermaßen wertvoll sind.

Weiterführende Links

„Das Projekt „Gemeinsam für den Kiebitz“ wird im Rahmen des GSP 2023-27 vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) und der EU gefördert“.

Rückfragehinweis

Jan Dreer, Kommunikation BirdLife Österreich 1150 Wien, Diefenbachgasse 35/1/6 Mobil: +43 (0) 699 141 099 41 jan.dreer@birdlife.at

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