Der Herbst mit seinen kühleren und regnerischen Tagen bietet den perfekten Zeitpunkt, um im eigenen Garten neue Gestaltungselemente einzubringen. Bei ausreichend Platz ist eine freiwachsende Hecke (Wildhecke) aus heimischen Sträuchern, die von unzähligen Vögeln als Versteck, Futterpflanze und Brutort genützt werden kann, die perfekte Ergänzung, um Ihren Garten zu einem Naturjuwel zu machen.
Was ist der Unterschied zu einer Formschnitthecke?
Im Gegensatz zu normalen Hecken lässt man den Sträuchern freie Bahn und schneidet sie kaum. Bei diesem pflegeleichten Sichtschutz müssen nur tote und in den Strauch hineinwachsende Triebe regelmäßig entfernt werden, um die Pflanzen gesund zu halten. Alle 5-7 Jahre kann ein Verjüngungsschnitt durchgeführt werden. Dabei wird ein von unten verkahlender, ausladender und kaum blütenbildender Strauch auf Stock gesetzt, also 30-50 cm über dem Boden abgeschnitten. Verjüngen Sie aber bitte nicht die gesamte Hecke auf einmal, sondern am besten immer nur einzelne Sträucher, und das bis Ende Februar, um Lücken im Bestand zu vermeiden. Die empfohlene schnittfreie Zeit zwischen März und September ist so auch leicht einhaltbar, um das Brutgeschehen nicht zu stören.
Da die Sträucher frei wachsen dürfen, muss man bei der Planung der Hecke jedoch viel Platz einräumen. Je nach Pflanzenwahl variiert die Breite. Für eine einreihige Hecke sollten mindestens 1,5 Meter Breite eingeplant werden. Doch dieser Platz ist keineswegs verloren oder verschwendet. Die Hecke bietet ein Paradies für die verschiedensten Lebewesen. Besonders Vögel gewinnen eine sichere Kinderstube mit eingebautem Buffet.
Besonders wertvoll sind solche Hecken, wenn sie aus mehreren Arten zusammengesetzt werden. Das führt dazu, dass mehr unterschiedliche Tiere dort ein Zuhause und Futter finden. Zusätzlich zieren sie den Garten in jeder Jahreszeit durch verschiedene Blütezeiten, Früchte, Herbstfärbungen und Wuchsformen.
Beispielplanung
Die folgende Skizze zeigt einen theoretischen Entwurf einer freiwachsenden Hecke. Dargestellt sind die zu erwartenden Kronengrößen.

Leitgehölze (Sie sind die größten Gehölze der Pflanzung und bilden das optische Rückgrat.):
Der Rote Hartriegel (Cornus sanguinea, C) ist vor allem ab Herbst beeindruckend. Nach der roten Herbstfärbung und dem Blattfall kommt seine rotgelbe Rinde zum Vorschein, die sich besonders an einem sonnigen Standort stark ausbildet. Seine schwarzen Früchte, die ab Ende August reifen, sind z. B. Nahrungsquelle für Mönchsgrasmücken, Drosseln und Stare.
Die Schlehe (Prunus spinosa, P) ist ein wunderbares Brutgehölz, dessen stark bedornten Äste die Nester optimal vor potentiellen Fressfeinden schützen. Die dekorativen dunkelblauen Früchte stellen bis in den Winter eine Nahrungsquelle für verschiedene Drosselarten dar.
Der Gemeine Schneeball (Viburnum opulus, V) belebt im Frühjahr jede Hecke mit seinen prachtvollen weißen Blüten und zieht im Herbst mit seinen Früchten viele Vogelarten, sogar den seltenen Seidenschwanz an.
Begleitgehölze (Sie sind kleiner und füllen den Raum um die Leitgehölze.):
Der Gewöhnliche Spindelstrauch (Euonymus europaeus, E) ist durch die aufgebrochene rosa Kapselfrucht und die leuchtend rote Blattfärbung DER Hingucker im Herbst. Besonders Rotkehlchen erfreuen sich an seinen Früchten.
Die Gewöhnliche Felsenbirne (Amelanchier ovalis, A) bietet bereits im Juli auch für uns wohlschmeckende Früchte – besonders beliebt etwa bei Grasmücken und Drosseln. Die aus derselben Gattung stammende Kupferfelsenbirne wird in der Gartengestaltung häufiger benützt. Sie stammt jedoch aus Nordamerika und ist somit nicht an das heimische Ökosystem angepasst, obwohl ihre Früchte ebenfalls gerne von Vögeln verspeist werden.
Die Hundsrose(Rosa canina, R) oder andere heimische Arten der Gattung Rosa sind nicht nur ein Insektenmagnet im Frühling, sie eignen sich wegen ihrer Dornen und den Hagebutten, die von vielen Vogelarten gefressen werden, auch besonders gut für die vogelfreundliche Wildhecke.
Bei der Pflanzung der Gewöhnlichen Berberitze (Berberis vulgaris, B) sollte darauf geachtet werden, dass in der Umgebung keine Getreidefelder liegen, da sie Zwischenwirt für den Getreideschwarzrost ist. Im Siedlungsraum, wenn die Gefahr für Krankheitsübertragung nicht besteht, ist sie jedoch eine perfekte Ergänzung, da sie durch ihre dornenreichen Triebe einen sicheren Brutplatz garantiert.
Daneben zählen etwa auch eingriffeliger und zweigriffeliger Weißdorn, Kornelkirsche sowie der Schwarze Holunder zu den besonders vogelfreundlichen Sträuchern. Und falls sogar Platz für eingestreute kleine Bäume ist, dann bieten sich Vogelbeere und Traubenkirsche als Ergänzung an – beide vertragen Rückschnitt, falls sie zu groß werden.

Keine karge Steppe, wenn die Sträucher noch klein sind
Es darf nicht erwartet werden, dass die Hecke bereits in den ersten Jahren eine dichte Wand bildet und vor unerwünschten Blicken schützt. Damit Ihr Garten nach der Pflanzung nicht leer wirkt, gibt es die Möglichkeit, temporär Stauden zu pflanzen. Wählen Sie dazu Stauden, deren Verlust Sie nicht zu sehr schmerzt, da diese in wenigen Jahren von den Sträuchern verdrängt werden. Lassen Sie jedoch genügend Abstand zu den jungen Sträuchern, sodass die Stauden keine Konkurrenz darstellen. Auch hier sollten Sie auf heimische Pflanzen zurückgreifen, um noch mehr Vögel in den Garten zu locken.
Gestalten Sie Ihre individuelle freiwachsende Hecke
Wenn Sie Ihre eigene Hecke planen, denken Sie daran, dass die Sträucher viel Platz in Anspruch nehmen. Allerdings kann auch eine einreihige Hecke aus schwachwüchsigen und nicht Ausläufer bildenden Gehölzen, die nur 1,5 Meter breit ist, einen hübschen Sichtschutz bieten. Außerdem sollten niedrigere schattenunverträgliche Arten nicht in den Schatten von größeren Sträuchern gesetzt werden.
Nachdem Sie den Platz gewählt haben, kommt es nun zur Pflanzenwahl. Dabei sollten Sie auf folgende Eigenschaften achten:
Bei der Breite und Höhe ist es hilfreich, Ihre Sträucher in Kategorien einzuteilen, wie auch oben in der Beispielplanung.
Wenn Sie nicht gerade speziell einen „Saisongarten“ planen, ist es von Vorteil Sträucher zu wählen, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten blühen, um immer eine Zierde in Ihrer Hecke zu haben. Herbstfärbung, Fruchtzeit und Wuchs sollten so gewählt werden, dass Sie die Hecke auch in den kalten Monaten erfreut.
Um wegen kümmerlich wachsenden und zerzausten Pflanzen nicht unglücklich zu werden, sollten Standortbedingungen wie Lichtverhältnisse, pH-Wert, Bodenbeschaffenheit und -feuchte niemals vernachlässigt werden.
Nun kann endlich mit dem Planen begonnen werden. Benützen Sie in Ihrem Entwurf die wahrscheinliche Ausdehnung der Krone. Achten Sie darauf, die Arten versetzt zu planen, um ein natürliches Aussehen zu schaffen.
Verwenden Sie nach Möglichkeit regional produzierte Pflanzen (wie z. B. beim Verein Regionale Gehölzvermehrung erhältlich). Sobald Ihre Hecke fertig geplant ist, und Sie die jungen Sträucher besorgt haben, kann das Pflanzen endlich beginnen!












