Vogelschutz ums Haus

Katze, Glasscheiben, Heckenschnitt - Gefahren für Vögel im Siedlungsraum

Dr. Susanne Schreiner19.05.2026
Eine schwarze Katze lauert einem Kernbeißer auf.
© Eleonore Fekete

PRESSEAUSSENDUNG

Wien, 19.05.2026 – Von der Amsel bis zum Zaunkönig. Unsere Siedlungsräume sind für viele Vogelarten ein unverzichtbarer Lebensraum. Doch hier lauern zahlreiche, oft unterschätzte Gefahren, die jedes Jahr unzähligen Vögeln das Leben kosten: Freilaufende Hauskatzen, Glasscheiben oder unsachgemäßer Heckenschnitt während der Brutzeit – diese Faktoren tragen massiv dazu bei, dass es unsere Siedlungsvögel zunehmend schwer haben. Vor allem gerade jetzt, wo die Brutzeit voll im Gange ist und die ersten Jungvögel schon flügge sind. BirdLife Österreich informiert über die größten Risiken und zeigt auf, wie jede:r Einzelne mit einfachen Maßnahmen einen wichtigen Beitrag zum Schutz der heimischen Vogelwelt leisten kann.

Hauskatze: Stubentiger als potentielle Bedrohung

Die Hauskatze ist mit über 1,5 Millionen Tieren das zahlenmäßig beliebteste Haustier Österreichs (Stand 2019/20). Im Gegensatz zu anderen Haustieren werden sie häufig im Freigang gehalten. „Damit zählt die Hauskatze zum zahlenmäßig bedeutsamsten mittelgroßen Beutegreifer in Siedlungsnähe, was sich vielerorts problematisch auf den Vogelbestand auswirken kann“, so Evelyn Hofer von BirdLife Österreich. „Es steht außer Frage, dass allein aufgrund der hohen Anzahl an freilaufenden Hauskatzen, die wohlgemerkt kein natürliches Element unserer Ökosysteme darstellen, jedes Jahr Millionen Vogelindividuen in Österreich von Hauskatzen getötet werden.“

Studien deuten darauf hin, dass in der heute intensiv genutzten, strukturell verarmten Landschaft Katzen in ihrem zumeist zersiedelten Einflussbereich regional oder temporär – insbesondere während der Brutzeit – zu einem weiteren Rückgang mancher Vogelarten beitragen. Besonders gefährdet sind Vogelarten, die in Siedlungen oder im Siedlungsumfeld brüten und sich häufig am Boden aufhalten, wie Amsel, Hausrotschwanz, Girlitz, Bluthänfling oder Grünling.

BirdLife Österreich appelliert auf Basis aktueller Studien an Besitzer:innen von Freigängerkatzen (Cecchetti et al., 2021*):

  • Kastrationspflicht einhalten, um unkontrollierte Vermehrung zu vermeiden.

  • Freigang vor allem zu den Dämmerungszeiten einschränken, besonders jetzt im Frühjahr und Frühsommer, wenn Jungvögel flügge werden.

  • Proteinreiches Futter in ausreichender Menge anbieten, um den Jagddrang zu mindern: Dies kann zu 44 Prozent weniger Vogeltötungen führen.

  • Bunte Stoffhalsbänder können die Anzahl an erbeuteten Vögeln um 42 Prozent senken.

  • Beschäftigungsmöglichkeiten schaffen, die den Jagd- und Spieltrieb der Katze stillen: Schon fünf bis zehn Minuten täglich können die Opferzahlen um 25 Prozent reduzieren.

Die unsichtbare Gefahr: Vogelanprall an Glasscheiben

Der Tod durch Glasanprall zählt zu den größten Vogelschutzproblemen im Siedlungsraum. Jährlich sterben Millionen Vögel durch Kollisionen mit Glasscheiben, wenn sie gegen große Fenster, Wintergärten, Wartehäuschen und Lärmschutzwände prallen. „Der Grund ist“, so Hofer: „dass transparente Glasflächen für Vögel optisch nicht zu erkennen sind. Befindet sich etwa ein verglastes Wartehäuschen vor einer attraktiven Nahrungsquelle, kann ein darauf zufliegender Vogel das transparente Hindernis nicht erkennen und kollidiert mit der Glaswand.“

Ähnlich problematisch sind Spiegelungen, die bei Tageslicht bei fast allen Glasflächen vorkommen. Das von außen kommende Licht wird zurückgeworfen, die Umgebung gespiegelt. Der Vogel fliegt auf den vermeintlichen Lebensraum zu – und kollidiert mit der für ihn unsichtbaren Scheibe.

BirdLife Österreich empfiehlt ausschließlich Lösungen, die sich in Tests als hochwirksam herausgestellt haben:

  • Nur flächig wirkende, sich möglichst von der Umgebung abhebende Markierungen bieten den nötigen Schutz vor Kollisionen. Weitere Informationen und geeignete Produkte gibt es hier.

Hecken und Bäume: kein Schnitt während der Brutzeit

In naturfreundlichen Gärten sind heimische Sträucher und Hecken neben der Vielfalt an Bäumen, Wildblumen und Wildkräutern wahre Multitalente: Sie bieten Vögeln ein reichliches Angebot an Nahrung und sichere Brutplätze im dichten Geäst. „Doch immer wieder werden diese wichtigen "Kinderstuben" während der Brutzeit durch Hecken- und Baumschnitt massiv beeinträchtigt oder sogar Brutplätze und Nester zerstört“, so Evelyn Hofer. Doch: Die Naturschutzgesetze der Bundesländer schützen freilebende Tiere in allen Entwicklungsstadien vor Störung, Verletzung oder Tötung. Dadurch ergeben sich indirekte Einschränkungen bei Gartenarbeiten: Das Zerstören von Brutstätten ist illegal und kann bei der zuständigen Bezirksverwaltungsbehörde zur Anzeige gebracht werden. BirdLife Österreich ruft im Zusammenhang mit Gartenpflegemaßnahmen auf:

  • Hecken- und Baumschnitt von Anfang März bis Ende August vermeiden

  • In der Umgebung auf die Einhaltung dieser Regel zu achten.

Quellenangaben:

Cecchetti, M., Crowley, S. L., Goodwin, C. E., & McDonald, R. A. (2021). Provision of high meat content food and object play reduce predation of wild animals by domestic cats Felis catus. Current biology, 31(5), 1107-1111.

Rückfragehinweis

Evelyn Hofer 1150 Wien, Diefenbachgasse 35/1/6 Mobil: +43 (0) 676 9728260 evelyn.hofer@birdlife.at

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